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Mönchengladbach
Pionier der Stadthistorie kam vor 150 Jahren zur Welt

Mönchengladbach. Als Lehrer am Stiftischen Humanistischen Gymnasium befasste Ernst Brasse sich mit der Geschichte Gladbachs - in seiner Freizeit. Heute gilt er als einer der bedeutendsten Historiker, die es je in der Stadt gab. Von Christian Lingen

Die Geschichte der Stadt ist ein Thema, mit dem sich so mancher in Mönchengladbach beschäftigt. Wer in Archiven recherchiert, der stößt immer wieder auf Ernst Brasse. Sein Werk "Geschichte der Stadt und Abtei" gehört bis heute zu den Nachschlagewerken über die Historie Gladbachs. Erschienen ist die umfassende Sammlung in den Jahren 1914 und 1922. Sie beginnt bei den Kelten, beschäftigt sich ausführlich mit der Gründung der Benediktiner-Abtei und der Franzosenzeit. Zwischendurch gibt es Exkurse zur wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Stadt und ihrer Bürger. Mit dem Ersten Weltkrieg endet die Chronik. In diesen Tagen erinnern sich die Historiker ganz besonders an Ernst Brasse. Denn er wurde vor ziemlich genau 150 Jahren, nämlich am 30. September 1865, in Potsdam geboren.

Gestorben ist Ernst Brasse 1923 in Gladbach. Beerdigt wurde er auf dem evangelischen Friedhof an der Viersener Straße. Das Grab ist längst verschwunden. Seine letzten Angehörigen lehnten eine Verlängerung der Liegezeit ab, da sie nicht in der Stadt leben. Dennoch ist sein Name auf dem Friedhof nicht gänzlich verschwunden. In einer Ecke ist ein Gedenkstein für ihn und seine Ehefrau Emmy Brasse erhalten geblieben. Doch an ganz anderer Stelle ist sein Name immer noch präsent. 1930 benannte die Stadt die Peterstraße in Hermges in Ernst-Brasse-Straße um.

Dabei war Ernst Brasse streng genommen nur ein Hobbyhistoriker. Sein richtiger Beruf war der des Lehrers. Nach einer ersten Anstellung in Koblenz trat er im Jahr 1895 seinen Dienst am Stiftischen Humanistischen Gymnasium an, wo er bis zu seinem Tod am 31. August 1923 als Oberlehrer arbeitete. Schon vor der Veröffentlichung seiner Chronik machte er als Historiker auf sich aufmerksam.

1903 erschien die "Geschichte der Gesellschaft Erholung". Als Ehrenmitglied des historischen Vereins für den Niederrhein schrieb er über die Abtei, die Verhandlungen über das Laurentiushaupt und die Bewegung der Wiedertäufer. Bereits 1853 hatten sich Gottfried Eckertz und Konrad Noever mit der Geschichte der Abtei beschäftigt. Weil ihr Buch aber vergriffen war und das Material nicht gründlich genug ausgewertet worden war, beschloss der Stadtrat auf Bestreben von Oberbürgermeister Hermann Piecq, sich noch einmal gründlich damit auseinanderzusetzen. Ernst Brasse übernahm diese Aufgabe. Der erste Teil des Werkes erschien im März 1914. Der zweite Band kam acht Jahre später heraus. Schon damals sagte er voraus, dass M.Gladbach auf dem Weg zur Großstadt sei.

Ernst Brasse war aber nicht nur ein herausragender Stadthistoriker. Er war auch ein Wanderfreund. Als solcher gründete er die Gladbacher Ortsgruppe des Eifelvereins, der einen Wanderweg nach ihm benannte. Erhalten ist er heute kaum noch. Der Weg führte von Butzen durch den Hardter Wald über Rickelrath nach Rheindahlen.

Am 21. April 1904 gründete er zusammen mit einigen Gleichgesinnten im damaligen Hotel Herfs am Alten Markt den "Wanderbund Rheydt/M.Gladbach". Samstags nachmittags traf man sich zum Wandern. 1906 schrieb er seinen Wanderführer, der unter dem Namen "Der Kleine Brasse" bekannt wurde.

Quelle: RP
 
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