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Mönchengladbach
Plastische Chirurgie hilft Wundgelegenen

Mönchengladbach: Plastische Chirurgie hilft Wundgelegenen
Das Mikro-Glaskugelbett verhindert das Wundliegen und unterstützt so den Heilungsprozess. Druck wird vermieden, Wunden heilen ab. Chefarzt Panagiotis Theodorou setzt nach einer OP öfter auf diese bewährte Technik. FOTO: Bethesda
Mönchengladbach. Druckgeschwüre sind sehr schmerzhaft und belastend. Operative Eingriffe können den Betroffenen helfen. Von Angela Rietdorf

Druckgeschwüre entstehen, wenn Menschen bettlägerig werden und sich kaum bewegen können. Die Durchblutung wird dann an bestimmten Stellen gestört, es kommt zu Minderversorgung, Gewebe beginnt abzusterben. Es fängt an mit einer nicht wegdrückbaren Rötung der Haut und kann bis zum vollständigen Gewebeverlust mit freiliegenden Knochen, Sehnen und Muskeln führen. Durch den Verlust der Hautbarriere können Erreger eindringen und zu Infektionen führen, die wiederum Knochenabszesse, Lungenentzündung oder gar die gefürchtete Sepsis, die Blutvergiftung, zur Folge haben können.

Druckgeschwüre sind also definitiv nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Schätzungen zufolge leiden etwa zehn Prozent der Patienten in deutschen Kliniken, 20 Prozent der Pflegebedürftigen in häuslicher Umgebung und bis zu 30 Prozent der Pflegebedürftigen in geriatrischen Einrichtungen unter den so genannten Dekubitalgeschwüren. Ein riesiges Problem, das bei den Patienten zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führt.

Chronische Schmerzen, aber auch - bei besonders übelriechenden, infizierten Wunden - das Gefühl, bei lebendigem Leib zu verfaulen, belasten die Betroffenen sehr und haben unter Umständen Depressionen und Apathie zur Folge. In manchen Fällen entstehen riesige offene Wunden. Es gibt Patienten, denen komplette Gesäßhälften fehlen. Und nun aber die gute Nachricht: Es gibt Therapiemöglichkeiten, die über die rein pflegerische Versorgung hinausgehen.

Der relativ junge Zweig der Plastischen Chirurgie kann Abhilfe schaffen. Panagiotis Theodorou, Chefarzt der Klinik für plastische und ästhetische Chirurgie im Johanniterkrankenhaus Bethesda, plädiert dafür, plastische Chirurgen schon zu einem frühen Zeitpunkt konzilliarisch einzubinden. "Nicht jedes Druckgeschwür muss operiert werden, manchmal kann man abwarten", sagt der Mediziner. "Aber spätestens bei einem Druckgeschwür dritten Grades, also einem kompletten Verlust der Hautschicht, ist eine OP notwendig."

Solche Wunden schließen sich nicht mehr von allein, ein Eingriff ist sinnvoll. In solchen Fällen wird in einer zweistufigen Operation erst das abgestorbene Gewebe entfernt und einige Tage später die Wunde mit Hautlappen verschlossen. Nach der Operation wird der Patient in einem speziellen Mikro-Glaskugelbett gelagert, das weiteren Druck vermeidet, so dass die Wunde abheilen kann.

Auch Diabetiker mit chronischen Wunden im Bereich der Füße gehören zu den Patienten der plastischen Chirurgen. "Bei Diabetikern schließen sich die Wunden schlechter", sagt Theodorou. In diesen Fällen wird interdisziplinär zusammengearbeitet, um Patienten bestmöglich zu helfen. "Die Wundversorgung in der Altersmedizin gehört zu den Schwerpunkten unserer Abteilung", erklärt Theodorou. "Wir führen solche Operationen mehrmals in der Woche durch." Die Patienten erhalten so ein wesentliches Stück Lebensqualität zurück.

Quelle: RP
 
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