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Mönchengladbach
Polarforscher zu Gast an der Gartenstraße

Mönchengladbach. Die Arktis ist von der Erderwärmung extrem bedroht. Das "ewige" Eis beginnt zu schmelzen, die Meeresstände steigen, Nahrungsgrundlagen fallen weg, und so ist die Tierpopulation von den Folgen des Klimawandels unmittelbar betroffen. Die Schüler von heute werden dessen Auswirkungen in ihrem späteren Leben in elementarer Ausprägung erleben. Darum hatte Biologielehrerin Wobine Crisp mit Unterstützung der früheren Kollegin Adelheid Ufermann und deren Mann Robert, den renommierten Ökologen und Polarforscher Benoit Sittler zum Vortrag ins Gymnasium an der Gartenstraße eingeladen. Von Angela Wilms-Adrians

Der bot versiert und anschaulich Informationen aus erster Hand. Für den Franzosen, der seit beinahe 30 Jahren den Sommer für das Langzeitforschungsprojekt Karupelv Valley auf Grönland verbringt, war dies der dritte Besuch im Rheydter Gymnasium. Doch er versprach, dass auch Schüler, die ihn bereits gehört hatten, angesichts der fortschreitenden Veränderungen Neues erfahren würden. Eingeladen waren alle Oberstufenschüler unabhängig von ihren Fächern, wie auch Sittler mit Geografie, Biologie, Ökologie und Klimawandel mehrere Disziplinen verknüpfte, um eindrucksvoll Zusammenhänge darzustellen. "Man muss mit wenig Komfort auskommen", so der Franzose, der es bei seinen Expeditionen gewohnt ist, im arktischen Sommer bei höchst ungemütlichen Temperaturen im Zelt zu übernachten.

Doch dank Solarpaneelen können die Forscher wenigstens am Computer arbeiten. In Nord-Grönland führt der Forscher, tätig an der Universität Freiburg, im Team Langzeituntersuchungen der Räuber-Beutebeziehungen zwischen Lemmingen, Polarfüchsen, Raubmöwen, Schnee-Eulen und Hermelinen durch. Dabei gewinnt er auch Daten über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Gesamtgefüge. Der Polarforscher hat die Erfahrung gemacht, dass die Begegnungen mit Eisbären zunehmen. Denn die suchen im Lager nach neuen Nahrungsquellen, während sie früher ihre Beute - zum Beispiel Robben - auf dem Packeis erlegten. Doch das ist durch den Klimawandel rar geworden.

Die Beobachtungen zeigen, dass Gänse und Enten zur Ersatzbeute werden. Auf der Flucht vor den Bären lassen die Vögel Eier und Küken ungeschützt im Nest zurück. Bis zu 90 Prozent der Gelege werden so vernichtet. Die daraus resultierenden Folgen für die Tierpopulation sind noch nicht absehbar. Der Forscher unterschied Standvögel, die das ganze Jahr in der Arktis leben, und Zugvögel, die dem arktischen Winter entfliehen. Ein besonderes Augenmerk galt dem Lemming, Wühlmaus und Pflanzenfresser, der in einer Landschaft lebt, die neun Monate im Jahr von Schnee zugedeckt ist. Am Beispiel einer Nahrungskette veranschaulichte Sittler, wer alles dem Lemming ans Fell will, und wie auch hier im Gesamtgefüge jedes Ereignis weiter ausstrahlt.

Quelle: RP
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