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Mönchengladbach
Politiker beraten heute über umstrittene Aschefelder

Mönchengladbach: Politiker beraten heute über umstrittene Aschefelder
Neben Grabreihen könnte es bald auch Aschefelder geben. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Totenasche verstreuen oder nicht? Die Frage spaltet die Groko ebenso wie unsere Leser. Die Bestatter mahnen Würde und Pietät an. Von Andreas Gruhn

Die Debatte um Aschefelder auf den Friedhöfen geht in die entscheidende Phase. In der Sitzung des Hauptausschusses legen acht Mitglieder der Groko den Antrag vor, den entsprechenden Passus aus der Friedhofssatzung zu streichen. Bisher soll es nach der neuen Satzung erlaubt sein, künftig die Asche Verstorbener auf speziell ausgewiesenen Flächen auf städtischen Friedhöfen zu verstreuen. Das will eine Allianz innerhalb der Groko verhindern: "Eine Bestattung auf Aschefeldern wird einer Achtung vor dem Menschen und seiner Ausstrahlung nicht gerecht. Der Mensch wird auf zu entsorgende Materie reduziert", heißt es unter anderem in dem Antrag, der unterzeichnet ist von Dieter Breymann, Karl-Heinz Schiffer, Norbert Post, Michael Schroeren, Bernhard Stein, Klaus Oberem (alle CDU) sowie den beiden Sozialdemokraten Ute Hermanns und Ulrich Elsen.

Auch Bestatter sehen die Einführung von Aschefeldern skeptisch. "Alle neuen Bestattungsformen sind sinnvoll, wenn sie dazu dienen, dass die Verstorbenen hier beigesetzt werden und nicht in die Niederlande gebracht werden", sagt Axel Weber, Vorsitzender des Stadtverbandes Mönchengladbacher Bestatter. "Aber ob Aschefelder dazu der richtige Weg sind, ist fraglich." Würde und Pietät müssten gewährleistet bleiben, insofern müsse man sich genau überlegen, wie ein Aschefeld auszusehen habe. "Wenn einfach nur die Asche ausgeschüttet werden soll, dann sehen wir vom Stadtverband das kritisch."

Die Meinung unserer Leser ist geteilt. Monika Müller etwa schrieb unserer Redaktion: "Tote gehören in die Erde. Auf der Erde wandeln die Lebenden." Gisela König-Wilms ist ebenfalls gegen Aschefelder: "Nur wer vergessen wird, ist tot." Ellen Braun betont das "Wie" beim Verstreuen von Totenasche: "Ob es pietätlos ist, die Asche eines Toten an einen Baum zu kippen, sollte jeder letztendlich selbst entscheiden. Ausgestreut auf einer Wiese und ,vom Winde verweht' würde sicher deutlich weniger makaber wirken, als aufgehäuft am Fuß eines Baumes in Form eines Klumpens schmieriger Asche, der die Anmutung eines Katzenklos hat." Gabriele Holtz findet: "Es ist interessant oder besser gesagt beängstigend zu beobachten, wie sich die Sterbe-/Bestattungskultur der Menschen unter dem Einfluss wirtschaftlicher Bedingungen verändert. Im Gegensatz ist der Trend zu beobachten, Haustiere möglichst würdevoll mit einer Erdbestattung in bleibender Erinnerung zu halten." Auch Hildegard Kreuels lehnt Aschefelder ab: "Ich hoffe sehr, dass unsere Politiker diesem Vorschlag nicht zustimmen. Wo bleibt unsere Kultur, einen Menschen mit Würde zu seiner letzten Ruhestätte zu begleiten, einen Ort zu haben, wo ich als Hinterbliebener hingehen kann?"

Aber es gibt auch eine Reihe Befürworter von Aschefeldern. Ewald Rott schrieb: "Haben die Herren schon mal etwas von einer Seebestattung gehört, oder von den Angehörigen die in Holland ihre Verstorbenen in Würde bestattet haben? Müssen wir unseren letzten Willen den Ratsmitgliedern vorlegen, damit diese über uns entscheiden, oder ist schon ausgerechnet worden, was der Stadt an Geld durch geht? Wo bleibt das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen?" Sylvia Schmitz betont: "Mein ganzes Leben wird von Gesetzen bestimmt. Ich möchte wenigstens vor meinem Ableben selbst bestimmen, wie ich bestattet werde. Meine Asche soll durch die Lüfte fliegen dürfen."

Heinz-Josef Katz: "Meine Frau und ich sind uns einig und werden noch dieses Jahr eine Verfügung bei einem Beerdigungsinstitut unseres Vertrauens hinterlegen, dass wir irgendwo verstreut werden. Wer soll sich um die Gräber kümmern?"

Quelle: RP
 
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