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Einbrecherbande in Gladbach gefasst
Polizei stellt 2000 Beutestücke sicher

Einbrecherbande in Gladbach gefasst: Polizei stellt 2000 Beutestücke sicher
FOTO: Reichartz,Hans-Peter
Mönchengladbach. Mindestens 70 Straftaten im Großraum Gladbach werden der albanischen Bande zur Last gelegt, die Polizei kann Beute im Wert von 200.000 Euro sicherstellen. Bei ihrem größten Schlag gegen Einbruchskriminalität seit Jahren halfen auch Zeugenhinweise. Von Jan Schnettler, Mönchengladbach

Allzu oft gelingt es Mark Borsch im Beruf wahrscheinlich nicht, Menschen glücklich zu machen. Im Nebenjob als Fifa-Schiedsrichterassistent bekommt er nach einem Abseitspfiff eher selten ein Lächeln geschenkt. Doch zumindest als Polizeibeamter hatte der 39-Jährige Freitagvormittag ein freudiges Erlebnis. Eine Zeugin, die in einer Einbruchssache aussagen sollte, "brach vor Freude fast in Tränen aus", sagt Borsch – die Polizei konnte ihr die ererbten Uhren und Ringe, die ihr kürzlich gestohlen worden waren, wieder vorlegen. Denn nach langer, akribischer Ermittlungsarbeit hat sie am Mittwoch eine neunköpfige albanische Einbrecherbande zerschlagen.

Beute im Wert von bis zu 200.000 Euro

Polizeipräsident Mathis Wiesselmann sprach von einem "sehr guten bis herausragenden Erfolg", in Sachen Einbruchskriminalität sei damit der "größte Schlag seit Jahren" gelungen. Mindestens 70 Straftaten werden der Bande zur Last gelegt. 2000 Beutestücke im vorläufig geschätzten Gesamtwert von bis zu 200.000 Euro warten nun in zwei Räumen des Polizeipräsidiums darauf, untersucht und konkreten Taten zugeordnet zu werden, noch in der Nacht konnten die ersten sechs Verbindungen hergestellt werden. Ein Koffer aus Osnabrück etwa führte zu einem Einbruch in Niedersachsen. In naher Zukunft soll es einen Termin geben, zu dem die Geschädigten eingeladen werden.

Die werden dann auch aus der Umgebung anreisen. Denn zusätzlich zu den 21 Einbrüchen in Gladbach (in Randgebieten wie Wickrathberg, Wanlo, Odenkirchen, Giesenkirchen und Neuwerk) kommen zahlreiche weitere aus vornehmlich ländlichen Bereichen der Kreise Viersen (Stadt Viersen, Willich, Neersen), Heinsberg (Erkelenz) und Neuss (Kaarst. Korschenbroich), dazu vereinzelte Taten in Bergheim, Düren, Erftstadt, Rheda-Wiedenbrück und Osnabrück.

"Logistiker" belasten Hauptverdächtige

Vier männliche Hauptverdächtige zwischen 21 und 25 Jahren, die sich allesamt illegal in Deutschland aufhielten, seien seit Mittwoch in Untersuchungshaft, berichtete Staatsanwalt Benjamin Kluck. Ihnen werde schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen – darauf steht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem und bis zu zehn Jahren. Die fünf ebenfalls albanischen vermeintlichen Unterstützer, darunter eine Frau, hätten als "Logistiker" fungiert, indem sie den Hauptverdächtigen Wohnungen und Fahrzeuge zur Verfügung stellten. Diese fünf Personen hielten sich jedoch legal im Land auf und gingen auch einer Arbeit nach. Verwandtschaftsverhältnisse zu den Hauptverdächtigen bestünden nicht.

Die Täter gingen bei den Einbrüchen nach einem bestimmten Muster vor: Sie stiegen immer über die Rückseite in Einfamilienhäuser ein, hebelten massiv an Terrassentüren herum und ließen nicht ab, auch wenn die Gebäude gut gesichert waren. Zur Not schlugen sie eben die Scheibe ein. Dann wurden die Häuser gründlich durchsucht, gestohlen wurden Bargeld und Schmuck. "Seit September 2016 hatten wir einen Anstieg der Einbrüche nach diesem Muster festgestellt", sagte Borsch, Leiter der zeitweise bis zu zehnköpfigen Ermittlungskommission "Albatros".

Das Geld schickten die Diebe teilweise nach Albanien

Diese war Ende Dezember gebildet worden, auch mit Unterstützung umliegender Kreispolizeibehörden. Die Tätergruppe wurde identifiziert, auch Beobachtungen von Zeugen, die sie auf frischer Tat ertappten, sowie Nachbarn waren für die Polizei dabei "äußerst hilfreich", sagte Georg Lehnen von der Polizeidirektion Kriminalität. Ermittelt wurde teils verdeckt; auch die Absatzwege der Beute konnten ermittelt werden. Das so erlöste Geld transferierten die Tatverdächtigen teils in ihre albanische Heimat, teils investierten sie es aber auch in ihrem "schon guten Lebenswandel", so Borsch.

Am Mittwoch zwischen 14 und 3.30 Uhr erfolgte dann der Zugriff an acht verschiedenen Objekten und Fahrzeugen im gesamten Mönchengladbacher Stadtgebiet, dabei waren rund 100 Beamte im Einsatz. Als "Beifang" kamen dabei, zusätzlich zu Beute, Einbruchswerkzeug, Bekleidung und Schuhen, noch ein Kilo Amphetamin und 100 Gramm Marihuana zusammen. Die Hauptverdächtigen seien nicht geständig, würden aber von einigen der "Logistiker" belastet, hieß es weiter.

"Heute ist ein guter Tag für die Sicherheit in der Region", sagte Mathis Wiesselmann – sprach jedoch in Sachen Einbruchskriminalität auch von einer "Hydra mit nachwachsenden Köpfen". Das letzte Wort hatte aber Mark Borsch. Warum die Bande sich ausgerechnet Mönchengladbach als Basis ausgesucht habe? "Na, weil es eine lebenswerte Stadt ist."