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Mönchengladbach
Porträts, die sich dem Blick entziehen

Mönchengladbach. Der aus Weißrussland stammende Maler Maxim Wakultschik zeigt ab Montag in der NEW-Hauptverwaltung eine Auswahl seines aktuellen Schaffens. Dabei stehen Menschen-Bilder, dreidimensionale Porträts, im Mittelpunkt. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Gesichter, überall Gesichter. Von Männern, Frauen. Meist unbekannte oder erfundene Gesichter, wenige bekannte Schauspieler und Models. Selten ausgearbeitete Porträts. Schwer zu erkennen sind sie, entgleiten sie doch ständig dem Blick des Betrachters, entziehen sich, verändern sich beim Anschauen und unter dem einfallenden Licht.

Im Rahmen der NEW-Ausstellungsreihe "Linie Kunst" ist der 1973 im weißrussischen Minsk geborene Maler Maxim Wakultschik mit der Ausstellung "Portrait. Form, Farbe, Illusion" zu Gast in Rheydt. Er zeigt Bilder aus den vergangenen fünf Jahren.

"Ich versuche unverwechselbar zu sein", sagt der ehemalige Schüler von Jannis Kounellis an der Kunstakademie Düsseldorf, während er noch dabei ist, letzte Hand an seine Installation an der Säule im Foyer zu legen. Die eigens für die Ausstellung grafitgrau gestrichene Säule beklebt Wakultschik über und über mit kleinen Holzplatten. Mit Grafitfarbe hat er die Andeutung eines Gesichts - Nasenlinie, Mund, Augen - auf die Plättchen gemalt. Mit Bürste hochpoliert, glänzen diese. Die Keilform sorgt dafür, dass die Blicke hinauf und hinunter führen, das Licht wiederum sorgt dafür, dass die Porträts aufscheinen und verschwinden.

Unverwechselbar sein - kein leichtes Unterfangen, wenn ein Künstler das Thema Porträt aufgreift. Aber Wakultschik scheint dieses hohe Ziel zu gelingen.

Im Foyer und dem unteren Flur der NEW-Hauptverwaltung entdeckt der Besucher zwei unterschiedliche Werkreihen. Zum einen sind es die besprochenen installativen Bilder zu den kleinen, reliefartig aufgebrachten Porträts. Eine ungeheure Variationsvielfalt liegt in dieser Werkreihe: Mit Grafitfarbe, farbiger Perlmuttfarbe, Acrylfarbe entwickelt Wakultschik eine Vielzahl von Porträtbildern. Die Quintessenz bleibt gleich: das Schimmern der Bilder, der Einfluss des Lichtes, das Verschwinden und Erscheinen des Motivs. Dem Betrachter stellt sich die fast philosophische Frage: Wie erkenne ich den Menschen? Kann ich beim Blick in das Gesicht sein Wesen erkennen? Ist Sehen gleich Erkennen?

Diese Fragen ziehen sich auch durch die Reihe "Janusse": Zwei Köpfe werden in fünf oder zwölf Spalten zerlegt und in einem "Zickzackbild" wieder zusammengefügt, so dass der Betrachter, steht er frontal vor dem in den Raum wachsenden Bild, verwirrende Doppelung der Nasen, Augen, Münder gewahrt. Tritt er an je eine Seite des Bildes, fügen sich die Spalten zu einem zusammenhängenden Porträt. Wenn der Besucher Wakultschiks Bilder betrachtet, kann er nicht anders, als sich in Bewegung zu setzen und sich in den Prozess der Bild-Werdung einbeziehen zu lassen.

Die Ausstellung in der NEW-Hauptverwaltung, Odenkirchener Str. 201, ist vom 23. März bis 12. Juni zu Bürozeiten der NEW geöffnet.

Quelle: RP
 
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