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Mönchengladbach
Postkunden schauen in die Röhre

Mönchengladbach: Postkunden schauen in die Röhre
Wieder nichts: Der morgendliche Blick in den Briefkasten ist seit Wochen frustrierend. Erstaunlich finden Postkunden allerdings, dass in manchen Bezirken zugestellt wird - in anderen nicht. FOTO: Sabine kricke
Mönchengladbach. Keine Briefe, keine Pakete: Nach mehr als drei Wochen Streik verlieren viele Kunden die Geduld. Andere fürchten inzwischen um ihre berufliche Existenz. Seit Montag liefern Taxifahrer im gesamten Stadtgebiet Pakete aus. Von Inge Schnettler und Ralf Jüngermann

Marie wohnt in Wickrath. Verzweifelt und zunehmend sauer wartet sie auf zwei Geburtstagsgeschenke, die auf dem Postweg zu ihr unterwegs sind. "Ich weiß noch nicht, was drin ist, und das macht mich noch wütender", hat sie auf der Facebook-Seite der RP gepostet. Und sie vermutet: "Mein neues Handy kommt dann wohl erst zu Weihnachten." In Lürrip, Gerkerath, Herrath, Westend und Neuwerk wird die Post regelmäßig ausgeliefert. In Stadtmitte, Bettrath, Geneicken und Hardt kommen zwar Briefe an, aber keine Pakete. Absolut gar nichts läuft mehr in Wanlo, Rheydt, Waldhausen, Pesch, Odenkirchen und Eicken.

Hintergrund: Kleine Geschichte der Deutschen Post FOTO: AP

Dass in einem Bezirk ausgeliefert wird, im Ort gleich daneben aber nicht, erklärt Dieter Pietruck von der Deutschen Post so: "Das hängt mit der Streikbeteiligung vor Ort und mit der Personalstruktur zusammen." Seien in einem Zustellbezirk viele Beamte im Einsatz, merke der Kunde vom Streik praktisch gar nichts. In anderen umso mehr. "Wir müssen für die Zusteller gleichwertigen Ersatz finden, das ist nicht einfach." Sowohl Brief- als auch Paketzentren werden bestreikt.

Die Deutsche Post hat einen Pool mit externen Mitarbeitern. "Das sind beispielsweise Studenten, die regelmäßig einspringen", sagt Pietruck. "Die müssen nicht eingearbeitet werden, die kennen sich aus." Ihr Einsatz reiche allerdings derzeit nicht mehr aus. "Wie sollen wir 29.400 streikende Mitarbeiter bundesweit ersetzen?", fragt sich Dieter Pietruck. Seit Montag sind zehn der insgesamt 153 Fahrzeuge der Mönchengladbacher Taxizentrale im Auftrag der DHL unterwegs und auch entsprechend gekennzeichnet.

Post-Chef Appel im Porträt: Biologe, Ziehsohn und Familienmensch FOTO: AP

Die Fahrer fahren morgens nach Güdderath und holen dort die Sendungen ab. Im Einsatz sind vor allem Großraumtaxis. Jeder Fahrer übernimmt eine Tour. Die Lieferungen gehen ins gesamte Stadtgebiet. Auch die Taxi-Fahrer müssen den Empfang der Pakete dokumentieren. Da die Einweisungen in die Scanner Zeit gekostet hätte, macht man dies auf herkömmlichem Weg: mit Listen auf Papier, die unterschrieben werden müssen. Zunächst ist das bis Ende der Woche geplant. Michael Kienbaum, Service-Manager der Taxizentrale Mönchengladbach, sagt: "Wir freuen uns, dass wir wenigstens ein kleines bisschen dazu beitragen können, dass die Gladbacher nicht ganz so lange auf ihre Pakete warten müssen."

Michael Schmitz ist Rentenberater und als solcher auf den postalischen Kontakt mit seinen Mandanten angewiesen. Nachdem er zwei Wochen lang keinerlei Post in seinem Kasten vorfand, er aber feststellen musste, dass im Nachbarbezirk durchaus Briefe und Pakete ausgeliefert wurden, beschwerte er sich telefonisch - und wurde, wie er sagt, lediglich vertröstet und abgewimmelt.

Er schrieb daraufhin an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Dr. Frank Appel. Diesem warf er fehlendes Krisenmanagement auf regionaler Ebene vor. Sein Brief endete mit der Frage: Welche Hilfe dürfte ich von Ihnen beziehungsweise von Ihrem Unternehmen erwarten? Prompt kam die Lieferung. "Nach insgesamt 13 Tagen ohne jegliche Postsendung bekam ich eine ganze Schubkarre voller Briefe", sagt Michael Schmitz.

Quelle: RP
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