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Mönchengladbach
Praktikanten begeistert vom finnischen Schulsystem

Mönchengladbach. Drei Schüler des Maria-Lenssen-Berufskollegs arbeiteten und lernten vier Wochen im Norden Europas. Von Angela Rietdorf

Am stärksten sind Lehrerinnen und Schüler von der finnischen Lockerheit beeindruckt. "Uns brach schon der Angstschweiß aus, als kurz vor Praktikumsbeginn plötzlich eine Stelle wegbrach, aber unsere finnischen Partner blieben heiter und gelassen und tatsächlich klappte alles wunderbar, und es gab doch genug Stellen", sagt Barbara Stockmann, eine der Koordinatorinnen des Erasmus-plus-Programms am Maria-Lenssen-Berufskolleg.

Die drei Praktikanten - zwei Schülerinnen und ein Schüler -, die vier Wochen in der südfinnischen Stadt Kouvola lebten und arbeiteten, haben dieselbe Erfahrung gemacht. "Die Finnen sind einfach sehr entspannt", berichtet Joris Terlingen. Er arbeitete vier Wochen in einer Boutique mit angeschlossener Pelzschneiderei und hat in dieser Zeit sein Verhältnis zu Pelzen überdacht. "Ich hatte eigentlich nichts für Pelze übrig", sagt er, "aber wenn man in einem Land wie Finnland lebt, in dem es im Winter minus dreißig Grad kalt wird, ist das etwas anderes. Pelze halten eben wunderschön warm. Darunter kann man sogar ein T-Shirt tragen." Außerdem habe er gelernt, wie streng die Auflagen bei der Pelztierhaltung in Finnland seien. Und dass das Verarbeiten von Pelzen viel Sorgfalt und Handarbeit erfordert. Zum Schluss nähte der 18-jährige angehende bekleidungstechnische Assistent einen Pelzschal aus wiederverwendeten Stücken. Sieben Pelzarten sind dabei - von Ziege bis Weißfuchs.

Seine beiden Mitschülerinnen Annika Klören und Kira Jansen haben zwei Wochen in einem Betrieb für Brautmoden und Abendbekleidung gearbeitet, zwei weitere Wochen waren sie in ein Projekt der Hochschule eingebunden, bei dem extravagante Mode für eine Modenschau in St. Petersburg entwickelt wurde. Auch zwei Tage im finnischen Gegenstück zum deutschen Berufskolleg standen auf dem Programm. Dort waren sie und die sie begleitenden Lehrerin Barbara Neukirch vom finnischen Schulsystem schwer beeindruckt: Klassen mit nur zehn Schülern, die von zwei Lehrkräften betreut werden, ein hohes Maß an selbstständigem Lernen, ein ganzheitlicher Ansatz ohne Fächereinteilung, das Fehlen von Stundentafeln und Pausenklingeln. "In Finnland wird sehr ergebnisorientiert gearbeitet", fasst die deutsche Lehrerin zusammen. "Die Schüler planen ein Projekt von Anfang bis Ende und sind dafür verantwortlich, pünktlich fertig zu werden." Im Gegenzug achtet niemand darauf, wie lange sie Mittagspause machen. Keine Klingel ruft sie zurück in den Klassenraum. Das funktioniert, das finnische Schulsystem produziert bekanntlich sehr erfolgreich gute Schüler. Und die hervorragende Ausstattung der Schulen weckt auf deutscher Seite etwas Neid. "Sie sind technisch wirklich sehr gut aufgestellt mit Computern, Beamern, Smartboards", stellt Barbara Neukirch fest.

Für die deutschen Schüler war das Praktikum in Finnland eine spannende Erfahrung. "Finnland ist ein wirklich interessantes Land", sagt Kira Jansen. Und Joris Terlingen stört nur die Sprache. "Das Land reizt mich sehr, aber Finnisch ist ein Problem", sagt er. Dennoch: Er hat gelernt, wie man sich, wenn Englisch auf beiden Seiten nicht reicht, mit Händen, Füßen und gutem Willen verständigt.

Finanziert wurde der vierwöchige Aufenthalt über das europäische Erasmus-plus-Programm.

Quelle: RP
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