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Mönchengladbach
Prinzenpaar mit Herz

Mönchengladbach. Sympathisch, humorvoll und geerdet - Guido und Verena Gauls kommen als neues Prinzenpaar gut an beim Narrenvolk. Sie zeigen zwar nicht die Showqualitäten der Vorgänger, punkten dafür mit Unaufgeregtheit. Von Denisa Richters

Stell dir vor, du bist Prinz und samt Hofstaat auf dem Weg zur Proklamation - und merkst erst da, dass etwas Wesentliches fehlt: deine Prinzessin! Vollbremsung, Wenden nichts wie zurück! Die Lacher haben Guido Gauls und seine Verena jedenfalls schon mal auf ihrer Seite, bevor sie mit ihren Garden pompös in die Kaiser-Friedrich-Halle einmarschieren. Über den Köpfen der mehr als 600 Gäste flimmern zur Einstimmung Filmsequenzen aus dem Alltag der designierten närrischen Regenten. Er im gewohnten Outfit des Kommandanten der Großen Rheydter Prinzengarde, bis er merkt, dass es diesmal seine Proklamation ist. "Wo sind meine Strumpfhosen", ruft er Richtung Bad. Sie, mit Lockenwicklern vor dem Spiegel: "Oben links in der Schublade!" Tochter Lara Louisa spielt auch mit.

Schon da wird klar: Nach den Showtalenten Norbert Bude und Barbara Gersmann, die in der vergangenen Session manche Tradition auf den Kopf gestellt hatten, geht es beim neuen Prinzenpaar bodenständiger zu. Und das ist auch gut so, ist an diesem Abend im Saal zu hören. Denn leicht ist es wahrlich nicht, einem so präsenten und prominenten Paar zu folgen. Doch Prinz Guido II. und seine Niersia Verena haben den Start gut gemeistert, eine Portion Lockerheit wird die Bühnenerfahrung bringen. Sie werden der Session auf jeden Fall ihren Stempel aufdrücken: sympathisch, humorvoll, unaufgeregt.

Das diesjährige, wieder von RP-Karikaturist Nik Ebert erdachte Sessionsmotto "Immer zu zweit - Halt Pohl und All Rheydt" haben die Tollitäten in ihrem Sessions-Symbol umgesetzt: Die Wappen von Rheydt und Gladbach vereinen sich zu einem Herz. Sie haben ein eigenes Lied, Spenden sammeln sie für den "Weißen Ring", also für die Opfer von Straftaten. Denn Prinz Guido II. ist Polizist und weiß, was das für Betroffene bedeutet. Sein Chef, Polizeipräsident Mathis Wiesselmann hat die Prinzenrolle seines Mitarbeiters von Beginn an unterstützt. Dafür gibt's einen Orden.

In der ersten Hälfte des fünfstündigen Abends gibt es einige Längen. Recht zäh, weil vorher abgesprochen und durchtrainiert, gestaltet sich das Quiz zu Paaren der Show- und Weltgeschichte, dem Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners das Prinzenpaar unterzieht - die beiden bestehen fehlerfrei und nicht wirklich überraschend -, bevor er Guido Gauls die mit Pfauenfedern geschmückte Prinzenkappe aufsetzt. Witzig, teils unfreiwillig, ist der Trialog des Brauchtums - Borussia-Präsident Rolf Königs, Oberkarnevalist Bernd Gothe und Schützenchef Horst Thoren üben auf der Bühne als die "Drei Musketiere" den Schulterschluss. Tatsächlich überraschend: Die langen Haare stehen allen dreien wirklich gut. "Brauchtum ist der Klebstoff, der diese Stadt zusammenhält", so Thoren. Gothe gestand, sich als Einziger in diesem Dreigestirn als Jungfrau zu eignen (es ist sein Sternzeichen) und stellte fest: "Gladbach hat die schönsten Frauen!" "Naja", raunte Königs.

In der zweiten Hälften des Abends kam dann so richtig Stimmung auf - mit den Rednerinnen Frau Kühne und besonders Liselotte Lotterlappen: "Die Augsburger Puppenkiste lebt", sagte sie mit Blick auf Prinzenpaar plus Hofstaat, das Orchester wurde zu "Rudis Resterampe" und auch im Publikum bekam mancher einen deftigen Spruch ab. Die Mundartgruppe "Echte Fründe" heizte dem Saal ein, auch "Echt Lekker" und die Garderottis sorgten für Livemusik (Letztere holten Sozialdezernentin Dörte Schall auf die Bühne, die eine gute Figur machte). Großartig war aber das Finale - die Kölner Brasspop-Band "Querbeat" brachte das Publikum kollektiv zum Tanzen. Eine gute Basis für die Aftershow-Party im Foyer, die bis tief in die Nacht ging.

Quelle: RP
 
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