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Mönchengladbach
Prozess: Fans von Borussia und Köln gerieten aneinander

Mönchengladbach. Der Fall eines bewusstlosen Fußball-Fans aus Mönchengladbach, der 2016 hilflos im Gleisbett des Düsseldorfer Hauptbahnhofs gelandet war, beschäftigte jetzt das Düsseldorfer Amtsgericht. Auf der Anklagebank saß ein 23-jähriger Kölner, treues Mitglied einer Ultra-Gruppierung.

Mit anderen Kumpanen soll er die Brutalo-Randale gegen Gladbacher Kontrahenten geführt haben. Ob es sich aber wirklich um einen Fußball-Schläger handelt oder einen braven BWL-Studenten, blieb noch offen. Ein Rechtsmediziner soll das als Gutachter jetzt klären, der Prozess wurde dafür abgebrochen.

Im September 2016 waren gegen Mitternacht zwei Fangruppen aus Gladbach und Köln aneinandergeraten, ein Gladbacher lag kurz danach bewusstlos am Boden. Als Freunde ihn in den wartenden Zug tragen wollten, rutschte der Ohnmächtige ins Gleisbett.

Alle Versuche, ihn herauszuholen, sollen vom angeklagten Kölner und anderen Mitgliedern der Ultra-Gruppierung "Boyz" verhindert worden sein - indem sie den Helfern "mehrfach kräftig" in den Rücken traten. So steht es in der Anklage gegen den 23-Jährigen. Doch er schwieg dazu - und sein Anwalt forderte eine Experten-Überprüfung der damaligen Videoaufnahmen. Ermittler sollen nämlich nur anhand der Kleidung und einer Umhängetasche gefolgert haben, dass der Student jene Attacke geleitet habe. Die Aufnahmen seien aber unscharf, durch die Perspektive verzerrt und hinterher nur "durch eine laienhafte Einschätzung" als Beweismittel gewertet worden, so dessen Verteidiger. Deshalb müssten die Aufnahmen nun von einem Professor der Rechtsmedizin "in einem ordentlichen, wissenschaftlich fundierten Verfahren" ausgewertet werden. Das Gericht stimmte dem Gutachten-Antrag zu.

Wann der Prozess neu angesetzt wird, steht noch nicht fest.

(wuk)