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Mönchengladbach
Prozess um Betrug mit Krediten

Mönchengladbach. Im Prozess vor der Ersten Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts zeigten sich die vier Angeklagten geständig. Ein Mitangeklagter ist allerdings auch am zweiten Prozesstag nicht erschienen. Der 37-Jährige ist auf der Flucht. Gegen ihn wurde das Verfahren abgetrennt. Die Staatsanwältin wirft den 23, 34, 35 und 37 Jahre alten Mönchengladbachern gemeinschaftlichen zum Teil bandenmäßigen Betrug, Urkundenfälschung und Handel mit Falschgeld vor. Mit gefälschten Gehaltsmitteilungen und Kontoauszügen sollen sie Personen Kredite vermittelt haben, die bei wahrheitsgemäßen Angaben nie Kredite erhalten hätten. Von Ingrid Krüger

Ein 34-jähriger Angeklagter, der von den Justizwachtmeistern aus der Untersuchungshaft in den Gerichtssaal geführt wurde, gab ohne Weiteres zu, an diesen Kreditvermittlungen mitgewirkt zu haben. Ein Mitangeklagter habe für die gefälschten Gehaltsbescheinigungen gesorgt. Die Kreditnehmer wurden zu den Banken begleitet. Von den Krediten mussten sie eine 30-prozentige Provision abgeben. Dieses Geld wurde mit Mitangeklagten geteilt. Laut Anklage sollen in 14 Fällen Kredite in Höhe von 350.000 Euro beantragt worden sein. Tatsächlich ausgezahlt worden seien 160.000 Euro. Ein 35-jähriger Angeklagter gab offen zu: "Ich habe an acht bis zehn Verträgen mit gearbeitet". Ein 23-Jähriger machte auch Angaben zur Person. Mit der Schule sei er nicht so gut zurechtgekommen: "Das war nicht so mein Ding". Er habe sich 2015 mit einer Pizzeria selbstständig gemacht. Nach einem Jahr sei er bereits pleite gewesen. Die Höhe seiner Schulden könne er nicht benennen.

Ein 52-jähriger Polizeibeamter schilderte in seiner Zeugenaussage, wie nach Telefonüberwachungen die Angeklagten mit den Betrügereien aufgefallen waren. Der 34-Jährige habe mit seinem Schwager telefoniert. In den Telefonaten fielen die Begriffe "Gehaltsbescheinigung", "Kredite" und "Ausweise" auf. Der Angeklagte und dessen Lebensgefährtin sprachen über die Aufteilung der Gelder aus den Krediten. Vor der Kreditvermittlung mussten sich die Interessenten eine Schufaauskunft besorgen, berichtete der Polizeibeamte.

Ein Krefelder (43) hatte durch die Vermittlung der Angeklagten einen Kredit erhalten. Zurückgezahlt hat er nichts. Im Gerichtssaal konnte er sich gestern nicht erinnern, je einen Vertrag über 29.000 Euro unterschrieben zu haben. Der Zeuge soll noch einmal zum Prozess kommen, weil noch geklärt werden muss, ob sein eigenes Verfahren abgeschlossen ist. Ist das der Fall, hat der Mann kein Zeugnisverweigerungsrecht. Auch das Verfahren eines 38-jährigen Gladbachers war nicht abgeschlossen. Der Zeuge musste sich nicht selbst belasten. Er durfte schweigen und den Saal verlassen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: RP
 
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