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Mönchengladbach
Quadrate, das Ö und eine freigelegte Wand

Mönchengladbach: Quadrate, das Ö und eine freigelegte Wand
Die Künstler David Semper (l.) und Andreas Karl Schulze vor ihrer Gemeinschaftsarbeit, die ausschließlich aus Quadraten besteht. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. MÖNCHÖNCHÖNMÖNCHÖNMÖNCHÖNCHÖNCHÖNMÖN: So heißt die Ausstellung von Andreas Karl Schulze und David Semper im Silo des Kunstvereins MMIII. Es ist eine stille Präsentation und eine Liebeserklärung an Borussia. Von Inge Schnettler

Wer morgen Abend zur Ausstellungseröffnung ins Rudolf Boetzelen Silo an der Künkelstraße geht, muss nicht befürchten, dass er den Stand im Spiel der echten Borussia gegen die andere aus Dortmund verpasst. Zeitgleich mit dem Start in die zweite Halbzeit um 19.30 Uhr beginnt die Vernissage. Und dann wird es sich der Künstler Andreas Karl Schulze nicht nehmen lassen, an der präparierten Wand im oberen Raum des Gebäudes das Ergebnis anzuzeigen - mit kleinen bunten Quadraten, die derzeit noch 0:0 zeigen. Dafür muss er auf eine hohe Leiter steigen, von dort oben wird er performen.

Überhaupt verheimlicht der in Rheydt geborene Künstler, der seit Jahren in Köln lebt, seine tiefe Verbundenheit zu Borussia Mönchengladbach keineswegs. Die Raute - in unterschiedlichsten Variationen, gestaltet aus bunten Quadraten - beherrscht die Wände der oberen Halle. Und aus dem Namen der Vitusstadt haben sie den Titel für ihre Ausstellung gemacht: MÖNCHÖNCHÖNMÖNCHÖNMÖNCHÖNCHÖNCHÖNMÖN. Das klingt sehr schön und liebevoll und würde sich sicher auch als Gesangtext eignen. Das Ö hat Andreas Karl Schulze auch im unteren Raum des Silos verewigt - selbstverständlich aus schönen bunten Quadraten.

Und da hat sich der zweite Künstler der Ausstellung, David Semper, eingebracht. Unterhalb des rechten Ö-Pünktchens hat er ein Quadrat aus der Wand geschnitten und mit der Rückseite nach vorn wieder eingesetzt. Der Kurator der Ausstellung, Jens-Peter Koerver, hat die beiden Künstler zusammengebracht. "Und ich finde, das funktioniert gut", sagt er.

Der Kurator der Ausstellung, Jens-Peter Koerver: Hinter ihm die geöffnete Wand von David Semper Wand und auf dem Boden ein Teilstück davon. FOTO: Raupold Isabella

Stimmt. Die beiden sind altersmäßig eine Generation auseinander, Andreas Karl Schulze ist 1955 geboren, David Semper 1980. Was sie verbindet, ist der Bezug, den ihre Kunst zum Raum nimmt. David Semper interessiert besonders das "Dahinter". Was verbirgt diese Wand, hat er sich gefragt, und einfach mal nachgeschaut. Ein Quadrat und zwei rechteckige Flächen, bestehend aus Gips und Pappe, hat er von der Wand abgenommen und auf den Boden gelegt. Und siehe da: Dahinter tauchte eine stillgelegte, mit Dämmmaterial gefüllte Tür auf. Das war so nicht zu erwarten, umso überraschender ist das nun Sichtbare.

Es ist eine ungemein beruhigende Präsentation, die der Kunstverein MMIII dem Betrachter anbietet. In diesem eigenwilligen, von seiner ursprünglichen Nutzung geprägten Raum, setzen die Werke von David Semper und Andreas Karl Schulze stille Akzente. Die dem Raum seinen Charakter lassen, aber gleichzeitig ihren Platz behaupten. Da möge der Besucher auf Entdeckungsreise gehen, die Werke im Raum orten, das Dahinter nicht vernachlässigen und sich an der Raute erfreuen.

 

Quelle: RP
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