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Mönchengladbach
Qualitätsjournalismus kontra Fake News und Populismus

Mönchengladbach. Zu Beginn wagte Helmut Michelis eine Umfrage, deren Ergebnis den Journalisten sichtlich erfreute. Mindestens drei Viertel der Besucher der Podiumsdiskussion bekundeten, Abonnenten einer Tages- oder Wochenzeitung zu sein. Die hohe Zahl sei eindeutig kein Querschnitt, so Michelis, früher Redaktionsleiter. In der VHS moderierte er die Debatte mit Medienvertretern und Besuchern zum Thema "Fake News, Populismus, Digitale Revolution - Journalismus in der Krise?". Von Angela Wilms-Adrians

"Das Fragezeichen am Ende kann man getrost streichen", stellte Michelis mit Blick auf Zeitungsauflagen in Absturzkurve fest. "Es ist etwas gewaltig durcheinandergeraten, wenn Roboter immer perfektere Nachrichtentexte schreiben, Bloggerinnen 80 Millionen Aufrufe haben und das Zehnfache verdienen wie eine studierte Zeitungsredakteurin im 15. Berufsjahr." Psychologin und Psychotherapeutin Matina Bussmann sah eher die Gesellschaft als den Journalismus in der Krise: "Die Menschen suchen nach Sicherheit. Es gibt Kanäle, die dafür sorgen, dass die Ängste noch größer werden." Sie erklärte das Interesse an schlechten Nachrichten mit einer Sensationslust, von der sich keiner ganz freisprechen könne. Zuversichtlich stellte sie fest, dass die Sensationsgier irgendwann gestillt sei und damit wieder das Interesse an differenzierteren Darstellungen zunehmen werde. Ralf Jüngermann, Inhaber einer Beratungsfirma, sieht für Qualitätsjournalismus eine "glänzende Zukunft". Die Flut der Informationen - 20-mal so hoch wie vor fünf Jahren - führe zur flüchtigeren Wahrnehmung. Hier betonte er den Bedarf an Profis, die gewissenhaft recherchieren, sondieren und Nachrichten gut aufgearbeitet weitergeben. Für einen Journalismus in der Krise unterschied er zwischen selbst gemachten Fehlern und gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Branche habe etwa zu lange die Digitalisierung eher als Risiko denn als Chance begriffen, so der ehemalige Redaktionsleiter.

Kaspar Müller-Bringmann, Inhaber einer Medien-Agentur, sah den Journalismus eher im Umbruch als in der Krise. Er verwies kritisch auf den wirtschaftlichen Einfluss beim Blick auf Klicks und Einschaltzahlen. Der frühere Zeitungsredakteur bemängelte eine Gleichschaltung der Themen in diversen Medien, weil beim Blick auf Soziale Medien gecheckt werde, welche Themen das meiste Interesse finden. Zum Vorwurf "Lügenpresse" stellte er fest, dass der - so alt wie der Journalismus selbst - der Begleiter von Populismus sei. Der journalistische Berater, Moderator und Trainer Andreas Ryll warb für Medienerziehung in Schulen. "Schüler müssen lernen, wie Nachrichten funktionieren", so sein Ansatz gegen Fake News.

Quelle: RP
 
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