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Serie Denkanstoss
Raum geben

Mönchengladbach. Ich habe gestaunt. Als Aachener kannte ich das alte Museum an der Bismarckstraße nicht. Das BIS nebenan besuche ich dagegen oft. Dabei bewundere ich die Fassaden beider Häuser, die von der ehemaligen Pracht der Straße erzählen. Leider erinnert nur eine Straßenseite daran. Soviel ich weiß, fiel die andere Seite der Verkehrsplanung zum Opfer. Sie ließ die Bagger anrollen, um für den Autoverkehr die Bismarckstraße zu verbreitern. Es hat nichts genutzt, morgens und abends ist sie zum Schleichweg geworden. Von Albert Damblon

Ich wollte mir die Ausstellung von "Von da an" ansehen, die bewusst an die Zeit des alten Museums anknüpft. Zunächst ging ich naiv durch das Haus. Schon auf der Treppe ahnte ich, weshalb der Begriff "Räume" im Titel wichtig ist. Ohne auf die Ausstellung zu achten, erlebte ich die Räume der ehemaligen Fabrikantenvilla, deren breite Fenster in einen herbstlichen Garten führen. Ein Raum nach dem anderen nahm mich gastfreundlich auf. Der Hektik der Straße entkommen, bot das ehemalige Museum einen Schonraum. Wahrscheinlich war es genauso gut ein Ruheraum, aber auf keinen Fall ein Leerraum. Heute ist es ein Freiraum. Denn einige Werke aus den 70er Jahren sind in die freien Räume gestellt worden. Gerade sie luden ein, sich mit dem Ausgestellten zu beschäftigen. Auf diese Weise wurden sie zu Wachräumen, die mich aufweckten und hellwach machten. Sie führten zurück in die Geschichte der Kunst und in meine eigene Geschichte. Es tut gut, wenn der Kunst und damit dem Menschen Raum gegeben wird.

Als ich das Haus verließ, dachte ich an verschiedene Räume in Mönchengladbach, die genau das tun: das Abteiberg-Museum, das Münster, die Rheydter Hauptkirche, die Brandtskapelle, die Kirche in Wickrathberg, die Kaiser-Friedrich Halle, das Schloss Rheydt und das Borussenstadion. Es gibt noch andere in unserer Stadt. Meine Sorgen und Wünsche kann ich dort in den Raum stellen, und manchmal bekomme ich Antwort auf meine Fragen.

DR. ALBERT DAMBLON IST SEELSORGER IN ST. BENEDIKT.

Quelle: RP
 
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