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Mönchengladbach
Reformationssynode eines Kleeblatts

Mönchengladbach: Reformationssynode eines Kleeblatts
Sie organisieren: v.l.n.r.: Ute Dornbach-Nensel, Dietrich Denker, Martina Wasserloos-Strunk, Jens-Peter Bentzin (Pfarrer in Monschau), Bettina Furchheim und Friederike Lambrich. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. 250 Synodalen aus den Kirchenkreisen Gladbach-Neuss, Aachen, Jülich und Krefeld-Viersen tagen in Rheydt. Von Angela Rietdorf

Die Veranstaltung selbst ist die Botschaft. Zum ersten Mal in 500 Jahren gibt es eine gemeinsame Synode der vier evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen. Mit dabei sind außerdem als stimmberechtigte Delegierte Vertreter von Partnerkirchen - aus den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden, aber auch aus Namibia, Marokko, Tansania oder Indonesien. Es geht darum, sich auszutauschen, Unterschiede zu erkennen, aber auch Gemeinschaft zu suchen, statt Trennendes zu betonen.

Dazu passt die Unterzeichnung des Ökumenischen Briefs durch den rheinischen Präses Manfred Rekowski und den Aachener Bischof Helmut Dieser am Samstagmorgen bei der Reformationssynode. Dass sich der Thesenanschlag Martin Luthers, mit dem die Reformation begann, in diesem Jahr zum 500. Mal jährt, dürften inzwischen die meisten mitbekommen haben.

Im Fokus vieler Veranstaltungen steht deshalb nicht von ungefähr die Figur des Reformators. Aber in den vier Kirchenkreisen Aachen, Gladbach-Neuss, Jülich und Krefeld-Viersen, die sich zum Kleeblatt zusammengeschlossen haben, wollte man andere Wege gehen. "Wir wollten etwas machen, das richtig evangelisch ist", sagt Martina Wasserloos-Strunk, Leiterin der Philippus-Akademie des Kirchenkreises Gladbach-Neuss, "und eine Synode ist richtig evangelisch."

In der Hauptkirche in Rheydt tagt die Reformationssynode. 250 Synodalen sind dabei und interessierte Zuhörer willkommen, wenn Präses Manfred Rekowski und Bischof Helmut Dieser den Ökumenischen Brief unterzeichnen. FOTO: Nöller

Synoden sind so etwas wie die Parlamente der evangelischen Christen in Deutschland. Es gibt sie auf Kreis-, auf Landes- und auf Bundesebene. "Wir möchten präsentieren, wie Beschlüsse gefasst werden, wollen voneinander lernen und aufeinander hören", sagt Wasserloos-Strunk, die Vorsitzende der Reformationssynode, die am 1. und 2. September in der Rheydter Hauptkirche tagt. Neue Wege geht die Synode nicht nur in der Zusammenarbeit der vier Kirchenkreise, sondern auch in der Einbindung der Partner- und Nachbarkirchen, beispielsweise aus Indonesien oder Marokko, wo sich Christen in einer Minderheitssituation befinden. "Die Kirchen dort erleben einerseits einen steigenden Druck, sind auf der anderen Seite aber besonders aktiv wie die kleine, finanziell nicht gut ausgestattete, aber hochengagierte Kirche in Marokko, die sich um Flüchtlinge kümmert", sagt Wasserloos-Strunk.

Alle teilnehmenden Kirchen haben sich im Vorfeld mit dem Motto der Synode "Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück" auseinandergesetzt und aus ihren unterschiedlichen Erfahrungen heraus verschiedene Zugänge gefunden. Darüber werden die 250 Synodalen am Freitag und Samstag diskutieren und, wenn möglich, zu einer gemeinsamen Schlusserklärung finden. "Wir wollen Gottes Wort neu in unsere Zeit hineinsprechen", sagt Dietrich Denker, Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss.

Auch bei den gemeinsamen Gottesdiensten und Andachten werden die unterschiedlichen Perspektiven der Kirchen des Nordens und des Südens, aber auch die gemeinsame christliche Basis zum Ausdruck kommen: Die Predigt beim Eröffnungsgottesdienst wird ein Delegierter aus Indonesien halten, die Predigt der Morgenandacht eine Pastorin aus Marokko, die des Abschlussgottesdienstes die Vorsitzende der Synode aus Rheydt. Die Feierlichkeiten des Kleeblatts zum 500. Jahrestag der Reformation enden allerdings nicht mit der Synode. Am 10. September folgt noch ein großes Fest der Begegnung im Brückenpark in Jülich, das ebenfalls vom Kleeblatt, den vier Kirchenkreisen, gemeinsam vorbereitet wird. Es bietet ein buntes Programm mit allem, was heute Kirche ist und sein kann, ist interreligiös und interkonfessionell. "Zu einer Geburtstagsfeier lädt man seine Freunde ein und freut sich über alle, die mitfeiern", sagt Superintendent Dietrich Denker erwartungsvoll.

Quelle: RP
 
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