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Mönchengladbach
Regionsschreiberin entdeckt die Stadt

Mönchengladbach: Regionsschreiberin entdeckt die Stadt
Deborah Kötting wohnt während ihrer Aufenthalte in Mönchengladbach im Atelierhaus an der Steinmetzstraße. FOTO: Hans Peter Reichartz
Mönchengladbach. Sie findet Mönchengladbach sehr schön und die Menschen nett. Aber über manches wundert sich die Stipendiatin - die kleinen Mülltonnen, den Tagebau und das Minto, in dem die Geschäfte ständig die Stockwerke zu wechseln scheinen. Von Inge Schnettler

Im Minto hat sie sich schrecklich verlaufen. Der Tagebau Garzweiler hat sie irritiert. Und über den Sinn der speziellen kleinen Mülltonnen in Mönchengladbach denkt sie immer noch nach. Deborah Kötting ist die aktuelle Regionsschreiberin des Niederrheins - als eine von zehn Stipendiaten, die das Land NRW für seine zehn Kulturregionen ausgewählt hat. Seit einem Monat residiert sie wechselnd im städtischen Atelierhaus an der Steinmetzstraße und in Kalkar. Und mit neugierigem Blick erforscht sie die für sie bis dahin unbekannte Gegend.

Bekannt klingt allerdings die Sprache der Rheinländer. "Ich bin in Bonn geboren und aufgewachsen", sagt sie. "Der Klang der Sprache erinnert mich an meine Jugend." Eine Verbindung nach Mönchengladbach hatte sie auch schon früher - zumindest indirekt. "Mein Vater und mein Onkel waren in den 70er-Jahren begeisterter Borussenfans - das hat sich bis heute nicht geändert." Für das Derby der Borussia gegen Köln will sie sich Karten sichern.

Deborah Kötting kommt eigentlich aus dem Theaterbereich. Mit 20 Jahren ging sie ans Würzburger Theater - als Bühnenbildnerin. "Später habe ich auch geschrieben und inszeniert." Vier Jahre lang arbeitete sie an dem "kleinen Haus". "In der Zeit haben sich mir die Worte erschlossen, vorher habe ich immer bildnerisch gearbeitet." Mit 25 ging sie nach Berlin, studierte "Szenisches Schreiben". Jetzt lebt die 31-Jährige als freie Autorin in Leipzig. "Ich hatte das Gefühl, dass ich noch mal in einer anderen Stadt leben und arbeiten wollte", sagt sie.

(l.) Windräder neben dem Tagebau: Diese Nachbarschaft findet Deborah Kötting befremdlich. (r.) Im Minto verirrt sie sich regelmäßig. FOTO: Endermann, Ilgner

Und jetzt also der Niederrhein. Als sie ihre ersten Lebensmitteleinkäufe machen wollte, landete sie im Minto. "Ich habe mich gefragt, wo die Rolltreppe abwärts ist, dabei war ich im unteren Geschoss", sagt sie. Auf einer Zeichnung, die sie vom Minto angefertigt hat, hat sie das Bermudadreieck eingezeichnet - wo alles und alle verloren gehen, auch sie. Beim Besuch des Tagebaus hat sie sich gefragt, wie der riesige Erdkrater und die Windräder, die in unmittelbarer Nähe stehen, zusammenpassen. "Das Thema Energie hat ein so großes Gewicht, da wirken die zukunftsgerichteten Windräder neben der Grube widersprüchlich."

Ihre Projektidee für den Niederrhein ist auch das Entrümpeln, das Wegwerfen, Sammeln, Verkaufen, der Besitz, die Nutzung und die Wertschätzung von Dingen. Sie hat die Mülldetektive der Mags begleitet. "Die waren ziemlich erstaunt, als ich nach dem Sinn der kleinen Mülltonnen in Mönchengladbach fragte", sagt sie. "Das scheint für die Bürger hier völlig selbstverständlich zu sein." Ganz genau schaut sie sich Sperrmüllhaufen an. "Ich freue mich, wenn da tatsächlich nur Schrott und wirklich Unbrauchbares liegt. Offenbar trennen sich die Bürger nicht von Dingen, die sie noch irgendwie nutzen können."

FOTO: Ilgner Detlef

Sie formuliert ihr Vorgehen so: "Ich will wach und unbefangen durch die Gegend gehen, die wichtigsten Informationen allerdings nicht verpassen, Distanz wahren, aber trotzdem versuchen, die Dinge zu verstehen."

Die Eindrücke, die sie bei ihren Streifzügen sammelt, verarbeitet Deborah Kötting wöchentlich im Blog stadt.land.text. Da sind jetzt schon Beiträge über die Mönchengladbacher und ihre Räumungslust und den Niederrheiner als Eigentümer und als Entsorger zu sehen. Was sie noch nicht aufgeschrieben, aber gesagt hat: "Ich finde Mönchengladbach sehr schön, und die Menschen sind ausgesprochen nett."

https://stadt-land-text.de

Quelle: RP
 
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