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Mönchengladbach
"Religionsunterricht ist nicht gefährlich"

Mönchengladbach. Was ist tolerant? Wenn muslimische Kinder nicht am Religionsunterricht in christlichen Bekenntnisschulen teilnehmen müssen? Oder ist es genau umgekehrt? Von Gabi Peters

Wenn muslimische Eltern, die ihr Kind an einer katholischen oder evangelischen Schule angemeldet haben, auch den Fachunterricht in der Religion erlauben, die in ihrem neuen Heimatland vorherrscht? Die Fragen sind heikel, darin sind sich auch Mönchengladbachs Geistliche einig. Denn hier geht es um Kinder, Glauben und Integration.

Doch seit dem Fall der neunjährigen Zeynep müssen Antworten gefunden werden. Das muslimische Mädchen wurde von der evangelischen Grundschule Pahlkestraße verwiesen, weil ihre Familie es vom Religionsunterricht abmeldete. Der Vater verklagte daraufhin das Land NRW, und der Türkische Elternverein lässt mittlerweile Abmeldebögen vom Religionsunterricht drucken. Der Verein vermutet, dass etliche muslimische Kinder an Konfessionsschulen gegen den Willen ihrer Eltern an den christlichen Glauben herangeführt werden.

Olaf Nöller, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Rheydt, und Ulrich Clancett, katholischer Regionaldekan, haben bisher andere Erfahrungen gemacht: Viele muslimische Eltern wählten ganz bewusst eine Bekenntnisschule für ihre Kinder, weil sie eine religiöse Wertevermittlung schätzten. Außerdem: "Religionsunterricht ist nicht per se missionarisch", sagt Nöller.

Er findet, dass sich Muslime, die in der deutschen Gesellschaft leben, auch mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen sollten. "Wir informieren in unserem Konfirmandenunterricht auch über die fünf Säulen des Islam", sagt Nöller. Und: "In einer offenen und toleranten Gesellschaft vor einem multi-religiösen Hintergrund kommt es auf Dialogfähigkeit und fundiertes Allgemeinwissen an, damit man auch den Andersgläubigen in seinem Denken und Handeln respektieren kann." Nöller versteht nicht, weshalb muslimische Kinder nun offenbar massiv vom Religionsunterricht abgeschirmt werden sollen. Ob das pädagogisch sinnvoll ist, wagt der Pfarrer zu bezweifeln. Außerdem fragt er sich, welche Befürchtungen vorliegen: "Was ist gefährlich am evangelischen Religionsunterricht?"

Toleranz ist für Regionaldekan Clancett wichtig, "aber wenn ich mein Kind an einer konfessionellen Schule anmelde, dann sehe ich auch das Schild an der Tür und erkenne die Ausrichtung". Das gelte nicht nur für Bekenntnisschulen. "Ich würde mein Kind auch nicht an einem Sportgymnasium anmelden, wenn es völlig unsportlich ist." Auch Nöller fragt sich, weshalb der Vater sein Kind zunächst auf die Bekenntnisschule schickte, um es dann plötzlich vom Religionsunterricht abzumelden. Möglicherweise stecke eine konzertierte Aktion dahinter. Er ist überzeugt, dass die Schulleitung immer dialogbereit war und nach langjähriger erfolgreicher Integrationsarbeit keinen Konflikt gewollt hat, der die Gefahr birgt Schüler- und Elternschaft zu polarisieren. Um Zeynep nicht zu schaden, wurde der Schulverweis auf jeden Fall bis zur gerichtlichen Entscheidung ausgesetzt.

Quelle: RP
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