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Mönchengladbach
Remus-Stiftung hilft noch mehr Familien

Mönchengladbach: Remus-Stiftung hilft noch mehr Familien
Jamie Inglis (4) brauchte eine komplizierte Therapie - die Remus-Stiftung half. FOTO: Privat
Mönchengladbach. Sie sind bei jeder größeren Karnevalssitzung und den meisten Schützenfesten - aber aus anderem Grunde als der Rest. Michaele und Uschi Schneider werben für Hilfe in der Not. Die Remus-Stiftung hilft Familien in ihren härtesten Stunden. Von Ralf Jüngermann

Sie gehören zum Karneval wie Clown Bernie. Wann immer in Mönchengladbach und der Region närrische Großereignisse anstehen, sind sie ab sofort wieder mittendrin statt nur dabei - und das unverkennbar. Denn die Zwillinge Michaele und Uschi Schneider würden privat nie im Leben die gleiche Kleidung tragen. Im Karneval aber hält doppelt besser. Denn die Zwillinge sind ausdrücklich unterwegs, um für maximale Aufmerksamkeit für eine gute Sache zu sorgen. Und das geht als Mary Poppins oder Robin Hood-Doppelpack natürlich besser. Ihre Robin-Hood-Kostüme finden sie besonders passend. "Der hat auch das Geld der Reichen an die Armen verteilt", sagt Michaele Schneider.

Genau das versuchen die beiden Schneiders als ehernamtliche Repräsentantinnen der Gisela-Remus-Stiftung. Vor 14 Jahren starb die Hauptgesellschafterin des Getränkevertriebs Robert Reichert und vermachte ihr Vermögen einer Stiftung. Diese hat zwei Ziele: das Brauchtum zu unterstützen und Familien mit kranken Kindern, die in wirtschaftliche Not geraten, unbürokratisch zu helfen. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Obwohl sie deutschlandweit fahnden, mit Sozialstationen und kinderonkologischen Abteilungen bestens vernetzt sind, haben Michaele und Uschi Schneider oft Schwierigkeiten, genug Hilfebedürftige für die Ausschüttung der Stiftung zu bekommen.

Zumal der Stiftungszweck recht eng gefasst ist. Ursprünglich sollte gar ausschließlich Familien mit an Krebs erkrankten Kindern geholfen werden. Jamie war ein solcher Fall. Der damals vierjährige Junge britischer Eltern, die im JHQ lebten, war an einer besonders aggressiven Krebsart erkrankt. Zu der Antikörper-Behandlung gab die Remus-Stiftung 10.000 Euro dazu. "Oft kommt zu der seelischen Belastung noch finanzielle Not. Ein Elternteil muss aufhören zu arbeiten, um sich um das kranke Kind zu kümmern", sagt Uschi Schneider. Die Remus-Stiftung prüft genau, wofür das Geld verwendet werden soll. "Das kann ein Laptop sein, der für ein krankes Kind wichtig ist, um Kontakt zur Schule und zu Freunden halten", so Michaele Schneider. Es kann aber auch der Ausflug ins Phantasialand für die Geschwister-Kinder sein, deren Betreuung für die Familien einer der vielen Herausforderungen in schweren Zeiten ist.

Inzwischen hilft die Stiftung aber nicht mehr nur von Krebs betroffenen Familien. Die Schneiders unterstützen gerade das zweijährige Mädchen, das im Sommer auf den Rheinwiesen in Duisburg-Neuenkamp von einem Rottweiler angefallen und lebensgefährlich verletzt wurde. Das kleine Mädchen hat bereits etliche Operationen hinter und noch sehr viele vor sich. Der Vater, der die Attacke mit ansehen musste, ist seither nicht mehr arbeitsfähig.

Das Schicksal dieser Familie ist den Schneiders besonders nah gegangen. "Es gibt so viele Fälle, bei denen wir am Telefon mit den Eltern heulen", erzählt Michaele Schneider. Nur eines tun die Zwillinge nie: Alle Einladungen zu persönlichem Kontakt mit den unterstützen Familien, egal ob Geburtstag oder Beerdigung, schlagen sie höflich aus: "An der Stelle wären wir für die Familien keine Hilfe. Dafür sind wir nicht ausgebildet, das ist nicht unser Metier", sagt Uschi Schneider.

Je mehr Geld die Stiftung Familien in Not gibt, desto mehr kann sie auch Karnevalisten und Schützen fördern. Das ist ein Grund, warum die Schneider-Zwillinge bei so vielen Brauchtumsveranstaltungen für die Stiftung werben. "Wir hoffen, dass Karnevalisten und Schützen mit ihrem großen Netzwerk uns auch im eigenen Interesse auf Familien mit schwer erkrankten Kindern aufmerksam machen", sagt Michaele Schneider. Ein bisschen begreifen sie den Karneval auch als Lohn für ihren Einsatz. Denn ihre Arbeit für die Stiftung ist komplett ehrenamtlich; sie bekommen auch keine Aufwandsentschädigung. Michaele Schneider: "Bei den Sitzungen tanken wir Kraft für die Schicksale, die wir das ganze Jahr erleben."

Kontakt zur Gisela-Remus-Stiftung bekommt man über stiftung@gisela-remus.de.

Quelle: RP
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