| 17.00 Uhr

Mönchengladbach
Revolution im Untergrund

Mönchengladbach. Das Gladbacher Kanalsystem wird auf Vordermann gebracht. Bis 2014 sollen auch die Nebenleitungen des neuen Mischwasser-Entlastungssammlers fertig sein. Nicht zuletzt die Wasserqualität vieler Bäche soll dadurch steigen. Von Jan Schnettler

Er kostet doppelt so viel wie das Stadion am Nordpark (180 Millionen Euro). Seine Bauzeit währt anderthalb Mal so lange wie die der skandalumwitterten Kölner Nord-Süd-Stadtbahn (17 Jahre), falls Letztere überhaupt jemals fertig wird. Und in seinem Einzugsgebiet leben immerhin 45 Prozent aller Mönchengladbacher (118 000). Die Rede ist vom größten Kanalbau-Projekt der Stadtgeschichte: dem Mischwasser-Entlastungssammler Dahl-Hamern-Neuwerk mit seinen rund 20 Nebensammlern. 75 Prozent des gigantischen Röhrensystems, dessen Bau 1997 begonnen und 2014 komplett beendet sein soll, sind bereits in Betrieb.

Weniger Überschwemmungen

Der Sammler erfüllt drei Ziele. "Zum einen wird sich die Wasserqualität des Gladbachs, des Bungtbachs und der Niers verbessern", sagt NVV-Hauptabteilungsleiter Armin Marx. Zweitens schafft das rund acht Kilometer lange Kanalwerk viel Speicherraum, der sechs teure Rückhalte- und Klärbecken für Regenwasser überflüssig macht. Und: "Den vorhandenen Kanälen in der Altstadt wird weniger Abwasser zugeführt, so dass die Gefahr von Überschwemmungen bei starkem Regen geringer wird", so Hans Spinnräker, NVV-Abteilungsleiter Erdgas, Trink- und Abwasser.

Die Krux des alten, historisch gewachsenen Gladbacher Kanalsystems: Im Südosten der Stadt, im Bereich der Niers, sowie in Rheindahlen im Bereich des Knippertzbachs laufen Regen- und Schmutzwasser durch getrennte Rohre. Die einen münden in Gewässern, die anderen in der Kläranlage. Im Nordwesten hingegen, wo keine so genannte Vorflut vorhanden ist, also für Oberflächenwasser keine Möglichkeit besteht, geregelt ins Kanalnetz abzufließen, gibt es ein Mischwassersystem in einem einzigen Rohr, das ebenfalls mit den Gewässern verbunden ist.

Dies hat zur Folge, dass insbesondere bei starkem Regen Wasser in die Bäche überläuft und dort beispielsweise Toilettenpapier landet. Und genau das soll künftig verhindert werden: Der Sammler liegt tiefer als die bisherigen Kanäle, nämlich bis zu 30 Meter unter der Oberfläche. Außerdem gibt es vier Staustufen, die Wassermengen können also gezielt gesteuert werden. Dadurch ist gesichert, dass nur so viel Mischwasser in die Kläranlage Neuwerk gelangt, wie dort auch verarbeitet werden kann.

Der Hauptsammler, der grob der stillgelegten Eisenbahnstrecke von Dahl nach Neuwerk folgt und breit genug ist, damit ein Auto hindurchfahren könnte, entstand – wie die Kölner U-Bahn – durch einen Tunnelbohrer. Dessen Einsatz war vor sechs Jahren beendet. Bis 2014 sollen auch die Nebensammler fertig sein. Ausgekleidet sind die Rohre mit chemikalienresistentem Polyethylen – was sicherstellen soll, dass der Sammler mehr als 100 Jahre hält. "Seit 1996, als die NVV das Kanalnetz der Stadt übernahm, wurden mehr als 300 Millionen ins Kanalsystem investiert", sagt Marx. "Finanziert wird das im Wesentlichen über Gebühren."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Revolution im Untergrund


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.