| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Rita McBride über die Esel, Vandalismus und Le Corbusier

Mönchengladbach. Die Rotarier hatten die renommierte Künstlerin eingeladen. Sie sprach über ihr Werk "Donkey's Way". Von Armin Kaumanns

Klar, mit Vandalismus gegen ihre sieben bronzenen Esel auf dem neuen Sonnenhausplatz hat Rita McBride gerechnet. "Leute, die einfach mal was kaputt machen wollen, gibt es in jeder Gesellschaft", sagt die Künstlerin der Skulptur "Donkey's Way" vor Mitgliedern des Mönchengladbacher Rotary Club Gero im Haus Erholung. "Aber die Esel halten viel aus", zeigt sie sich zuversichtlich. "Public Opinion" lautet der Titel ihres rund halbstündigen Vortrags im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal. Christian Anger, Präsident des Clubs, hatte die Direktorin der Kunstakademie Düsseldorf auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Los Angels und Niederrhein angesprochen.

Die Zuhörer wurden erst im Laufe des Vortrags gewahr, dass sie, gewollt oder nicht, hier und jetzt Teil des Kunstwerks waren, das vor dem Minto die Meinungen polarisiert. Die aktuelle NEW-Stipendiatin Kristina Stoyanova nämlich zeigte nicht nur einen Film vom Aufbau der Esel und einen mit Interviews von Passanten, sie filmte auch das Auditorium als Dokument der öffentlichen Meinungsbildung, nebst Vortragenden.

Dazu gehörte als moderierende Übersetzerin Susanne Titz, Direktorin des Abteibergmuseums, die McBride mit einer Einzelausstellung 2008 erstmals nach Mönchengladbach geholt hatte, nachdem die Bildhauerin schon 2006/07 im Museum X im ehemaligen Schauspielhaus, in einer lakonischen Arbeit über Kunst im öffentlichen Raum sinniert hatte. Titz wählte dann auch das Bild von der Spirale, die sich mit McBride und den Eselswegen um das Zentrum Mönchengladbachs windet.

Wieder formulierte McBride ihren Anspruch, die Deutung ihres Werks der Öffentlichkeit zu überlassen, auch wenn sie Fährten legte zum stadtplanerischen Werk Le Corbusiers, dessen ambivalente Haltung zu Eseln und deren schlauer, aber ungeraden Art, Hindernissen aus dem Weg zu gehen, sie inspiriert habe. Eigentlich schon seit ihrer Jugend. Die Pfade, die jetzt auf den Asphalt gezeichnet sind, stammen von Straßenplänen, die Corbusier für Algier erdachte. Selbst die (nun wirklich vieldeutige) Zahl 7 tauche immer wieder im Werk des Schweizer Architekten auf.

Es ergab sich ein sachkundiges und wohlwollendes Frage-Antwort-Spiel in der Folge des Vortrags, das die Arbeitsweise der Künstlerin immer aufs Neue erhellte. Ambivalenz und Demokratisierung erscheinen als Grundzüge ihres Schaffens. Die versammelten Mitglieder und Freunde des Gladbacher Rotary-Clubs zeigten sich beeindruckt, ja geradezu begeistert und werden McBrides Botschaften in die Gesellschaft tragen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Rita McBride über die Esel, Vandalismus und Le Corbusier


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.