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Serie Was Macht Eigentlich?
Rittergutsherr, Kämpfer und Golf-Chef

Serie Was Macht Eigentlich?: Rittergutsherr, Kämpfer und Golf-Chef
Hoffmann und Heide Holterbosch, Krefelds Prinzenpaar 1998 FOTO: Strücken
Mönchengladbach. Tue recht und scheue niemand: Danach lebt und arbeitet Hans-Ludwig Hoffmann. Er hat umweltbewusste Landwirtschaft auf Gut Wildenrath praktiziert, dann eine Golfanlage daraus gemacht. Er engagiert sich in seinem Wanlo, im Sport und wollte mal Borussia-Präsident werden. Von O. E. Schütz

Ich weiß nicht, ich kann nicht, es geht nicht - das alles gibt es nicht! Dies hat Großvater Ludwig Decker Hans-Ludwig Hoffmann mit auf den Lebensweg gegeben. Er war Bauer wie später sein Enkel. Und der ist mit Opas Rat gut gefahren - auch wenn es schon mal tüchtig und auch spektakulär gekracht hat. Denn der Herr vom Rittergut Wildenrath in Wanlo ist ein kantiger, manchmal auch etwas kurioser Kopf - und will diesen durchsetzen. Wobei er sich möglichst an einer weiteren Lebensweisheit seines Großvaters orientieren will: "Tue recht und scheue niemand."

Kein Zweifel: Es ist nicht für alle leicht, mit Hans-Ludwig Hoffmann zurechtzukommen. Besonders schon mal für Beamte und Behörden. Denn der heute 72-Jährige kann vor allem eins nicht ausstehen: "Ich bin durch Generationen freien Bauerntums geprägt. Wenn dann Paragrafen, Gesetze, Vorschriften ein Vorankommen unnötig behindern, habe ich damit bis heute mein Problem." Dann handelt er schon mal, ohne die formelle Erlaubnis in den Händen zu haben.

Und dann gab es schon mal Baustopps für seine Erweiterungen, Bußgelder oder 1996 die "Razzia" eines Polizeiaufgebots in den Morgenstunden auf dem Rittergut: mit neun Streifenwagen, 27 Beamten, und einen "Empfang im Polizei-Präsidium mit vorgehaltenen Waffen". Für Hoffmann endete dies zunächst im Polizei-Gewahrsam. Anlass der Aktion: Die Düsseldorfer Zollfahndung vollstreckte einen Gerichtsbeschluss und beschlagnahmte im Gehege des "Streichelzoos" auf dem Rittergut zwei Nandus - südamerikanische Laufvögel, für deren Haltung nicht die notwendigen Papiere vorlägen. Herr Hoffmann habe sich bis dahin vielleicht aber auch nur nicht darum gekümmert, sagte der Chef der Zollfahndung der RP. Die Papiere wurden jedenfalls bald vorgelegt. Und die Geschichte wäre längst vergessen, wenn sie nicht - wie nun hier - ab und zu wieder ausgegraben wird, um Hans-Ludwig-Hoffmann zu schildern.

Der ist ein aufrechter Mann, verlässlich, nicht nur in seinem Heimatdorf Wanlo geachtet, zumal er nach Auseinandersetzungen ("Da werde ich vielleicht schon mal etwas laut") stets zur Versöhnung bereit ist. "Wenn man viel bewegt, geht auch mal etwas nicht ganz in die passende Richtung", gibt Hoffmann zu. "Ich habe dann aber auch das Glück gehabt, dass es Menschen gab, die mir halfen." Bewegt hat er viel, auch zum Wohl der Allgemeinheit, vor allem in seinem Wanlo. Dort ist er auf dem Rittergut Wildenrath, dem Bauernhof der Familie mit 120 Hektar Ackerbaubetrieb, aufgewachsen, und dort lebt er noch heute.

Er hat auf dem Gymnasium Odenkirchen humanistische Bildung erhalten, Latein und Alt-Griechisch gelernt, nach dem Abitur einige Semester Landwirtschaft studiert. Nach der Prüfung zum Landwirtschaftsmeister bewirtschaftete er, in der vierten Generation der Familie, das Gut. Und suchte nach zeitgemäßen Wegen, bei denen er "umweltfreundliche Landwirtschaft" nicht nur betrieb, sondern auch öffentlichkeitswirksam präsentierte: in Führungen, Besichtigungen, Podiumsdiskussionen und Unterricht auf dem Bauernhof für Schulen. Sein Gut wurde 1987 einer von sechs Beispiel-Betrieben für integrierten Pflanzenbau in Deutschland. "Pflanzenschutz mit Dünger - so wenig wie möglich und so viel wie nötig für eine umweltbewusste Landwirtschaft, das war die Vorgabe", sagte Hoffmann. 1990 erhielt er den Umweltpreis der Stadt Mönchengladbach.

Der Rittergutsherr ist ein Kämpfer. Gegen ein "Wegbaggern Wanlos" durch die Braunkohle, gegen Motorsegler auf dem Flugplatz. Aber er engagiert sich auch für sehr vieles. Er ist Gründer und Vorsitzender des Wanloer Fördervereins Katholischer Kindergarten St. Maria Himmelfahrt, Koordinator der Initiative Dorfentwicklungsplan Wanlo, Verleger des 2011 von Alfred Brücher geschriebenen Buchs "Unser Wanlo". Er ist in fast allen Vereinen des 1200-Seelen-Dorfes, war 1978 Schützenkönig, 1984 Karnevalsprinz und von 1979 bis 1987 Präsident der Wanloer Ströpp.

"Närrisch" ist er aber nicht nur hier, er ist karnevalistisch auch "fremdgegangen": 1998 war er neben seiner Lebensgefährtin Heide Holterbosch, einer Krefelder Reinigungs-Unternehmerin, als "Hans-Ludwig I." Karnevalsprinz der Samt- und Seidenstadt; seit 2001 sind die beiden verheiratet. "Die Familie und Gesundheit sind das Wichtigste in meinem Leben", betont er.

"Fremdgegangen" als Mönchengladbacher ist Hans-Ludwig Hoffmann auch sportlich: 1990 bis 1993 war er Förderer, Vorsitzender und Obmann der Oberliga-Mannschaft der Fußballabteilung Preußen Krefelds. 1994 machte er sogar für ein knappes halbes Jahr einen Ausflug ins Eishockey: als Obmann des Bundesligisten Krefelder EV (heute "Pinguine").

Sein Fußball-Herz gehört aber vor allem drei Mönchengladbacher Vereinen: TuS 03 Wanlo, für den er als Junge spielte, bis ein Achillessehnenriss und mehrere Knieverletzungen ihn vorzeitig stoppten, dem Rheydter Spielverein, bei dem er den 80er Jahren zu Oberliga-Zeiten im Beirat und später zweimal Vorsitzender der Fußball-Abteilung und Obmann war. Und dann ist da Borussia: "Seit 1950, also seit 66 Jahren, bin ich Fan, seit 27 Jahren Mitglied, habe etliche Auslandsreisen und Trainingslager mitgemacht", erzählt er. 1997, als man am Bökelberg in der Führungskrise steckte, träumte Hans-Ludwig Hoffmann sogar mal kurz davon, Nachfolger von Präsident Karl-Heinz Drygalsky zu werden.

Quelle: RP
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