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Mönchengladbach
Robotern sagen, was zu tun ist

Mönchengladbach: Robotern sagen, was zu tun ist
Michael Kukla (32) und David Schmidt (36) haben an der Hochschule Niederrhein Elektrotechnik studiert. Im Unternehmen von Stefan Löb arbeiten sie im neuen Geschäftsbereich, der Programmierung ganzer Produktionsstraßen. FOTO: Relations & Co
Mönchengladbach. Früher war Elektro Löb ein Handwerksbetrieb, heute entwickelt und programmiert das Gladbacher Traditionsunternehmen ganze Produktionsstraßen für die Automobilzulieferindustrie - dank gut ausgebildeter Fachkräfte. Von Andreas Gruhn

Programmieren können Michael Kukla und David Schmidt schon länger. Das gehörte auch zu ihrem Studium der Elektrotechnik an der Hochschule Niederrhein. Aber einem Roboter genau einzuimpfen, was er zu tun hat, das war auch für die beiden jungen Ingenieure des Mönchengladbacher Traditionsunternehmens Elektro Löb neu. Wenn künftig in dem neuen nordamerikanischen Wer eines namhaften Automobilzulieferers neue Getriebewellen vom Band laufen, dann ist das im Grunde ihr Werk, das für den Mittelständler mit 135 Mitarbeitern auch ein völlig neues Geschäftsmodell eröffnet: Elektro Löb hat erstmals die Automation einer ganzen Presselinie inklusive Programmierung der Roboter übernommen und wird damit von einem Lieferanten von Steuerungstechnik zum Systemanbieter.

Das Gladbacher Unternehmen ist dafür verantwortlich, dass die Komponenten von fünf anderen Lieferanten in die Steuerung der Umformanlage eingebunden und verknüpft werden. Bisher lieferte Löb die Steuerung einzelner Maschinen und die Schnittstellen zu anderen Anlagen. Jetzt gibt's die komplette Produktionsstraße. "Das war das erste Projekt dieser Art für uns", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Löb, der den namhaften Kunden noch nicht genau benennen darf. Nur so viel: Es handelt sich um einen namhaften Zulieferer mit mehr als 5000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr einer halbe Milliarde Euro, der auch schon vorher Kunde bei Elektro Löb war. Ingenieurdienstleistungen - made in Gladbach. Und für das es nach Angaben des Firmenchefs auch schon Folgeaufträge gibt.

Dazu gehört auch, dass Michael Kukla (32) derzeit beim Aufbau der Produktionslinie in dem Werk in Nordamerika dabei ist. Vier Monate hatte es gedauert, bis er und David Schmidt (36) von der elektrischen Konstruktion, der Planung, der Programmierung für den Produktionsstand bis hin zum Prüfstand alles fertig hatten. Ende Oktober wurde am Unternehmenssitz an der Borsigstraße in Engelbleck die Inbetriebnahme unter Echtzeitbedingungen simuliert. Nach gelungener Abnahme wurden Roboter und Steuerungstechnik nach Nordamerika geliefert. Im ersten Quartal 2018 nimmt das Werk dort seinen Betrieb auf. Kukla begleitet den Aufbau in den kommenden Wochen. "Alles muss vor Ort geprüft werden", sagt Kukla.

Die ganze Produktionsstraße funktioniert so: Ein Bediener führt das Rohmaterial in die Linie ein, dort wird es mit Öl behandelt und für die Umformung vorbereitet. Der Roboter nimmt das Material und führt es in die Presse ein, wo es in vier Stufen kalt umgeformt wird. Das fertige Teil - in den meisten Fällen sind es Getriebewellen - verlässt die Anlage auf einem Transportband, von dort wird es automatisch in Kisten gepackt. Der Arbeiter bedient nur noch die gesamte Produktionsstraße, die daraufhin automatisch arbeitet - nach den Vorgaben aus Mönchengladbach.

Dafür haben sich die Fachkräfte im Bereich Automotive des Gladbacher Unternehmens auf die Steuerung von Press- und Umformtechnik spezialisiert. Dazu gehörten Schulungen, unter anderem beim Roboterhersteller ABB in Friedberg. "Unser Partner ist ein langjähriger Kunde, der uns diese Herausforderung zutraute und sich auf unsere Erfahrung in der Programmierung von Einzelanlagen und der Automation von Pressenlinien verlassen hat", sagt Stefan Löb. "Und unsere jungen Ingenieure und Techniker in der Automationsabteilung haben mit hohem persönlichen Engagement die Chance ergriffen, einen neuen Geschäftsbereich zu entwickeln und eigenverantwortlich tätig sein zu können."

Quelle: RP
 
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