| 19.00 Uhr

Mönchengladbach
Rollende Ausstellung über Deportationen

Mönchengladbach. Der "Zug der Erinnerung" soll im kommenden Jahr an Bahnhöfen in Mönchengladbach und Umgebung Halt machen. Die rollende Ausstellung zur Geschichte der Juden-Deportationen im Dritten Reich könnte, so der Plan von Regionaldekan Ulrich Clancett, zwischen Oster- und Sommerferien 2011 in der Region einfahren. Und er könnte dabei auch Ziele wie Korschenbroich und Jüchen ansteuern. Von Hans Hendrik Falk

Der Zug der Erinnerung ist ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen. Der gleichnamige Verein wurde 2007 gegründet. Der Zug besteht aus einer historischen Lok und mehreren Waggons, in denen die Geschichte der Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt wird. Mit dem Fokus auf Schicksale von Kindern und Jugendlichen. Clancett: "Es geht darum, den Kindern ein Gesicht zu geben – den Opfern ein Gesicht zu geben." So präsentiert die Ausstellung Dokumente von Kindern in Alltagssituation: Mädchen mit Schultüte oder Jungen beim Fußballspiel. Dadurch erreiche man besser jüngere Menschen, meint Clancett, indem ihnen gezeigt werde, dass die Opfer "Kinder wie du und ich" waren. Bilder von Normalität schüfen Nachdenklichkeit.

An jedem Ort, wo der Zug hält, wird die feste Ausstellung um regionale oder lokale Schwerpunkte erweitert. In Mönchengladbach böte sich der Bahnhof Rheydt-Mülfort an, von dem aus Deportationszüge gestartet sind. Im Idealfall wird der bewegliche Teil der Ausstellung von Schulklassen an den jeweiligen Orten mitgestaltet.

Deswegen werde nach den Sommerferien mit den Schulen Kontakt aufgenommen, sagt Ralf Zanders, Jugendbeauftragter im Dekanat. Bevor sich aber mit konkreten Inhalten beschäftigt wird, muss zunächst der Plan stehen. Zanders ist schon seit einem Jahr dabei, mit Kooperationspartnern in der Region von Stadt, Kirchen, Pfarrgemeinden und dem Bündnis gegen Rechts eine mögliche Route abzustecken. Das Gebiet reicht von Aachen, Heinsberg, Mönchengladbach und Viersen bis nach Krefeld. Dem Verein liegt daran, die Route als Perlenkette durchs Land zu ziehen. Schließlich muss der Deutschen Bahn eine Art Nutzungsgebühr bezahlt werden. Der Verein bringt ein Drittel der Kosten mit Sponsoren auf. Pro Aufenthaltstag kostet der Zug 4000 Euro. Zwei bis vier Tage soll der Zug der Erinnerung an den jeweiligen Zielen stehen. "Das ist nicht billig", meint Clancett, "aber an der Finanzierung wird's nicht scheitern."

Quelle: RP
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