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Fälle in Mönchengladbach
Rücksichtsloser, brutaler, asozial

Fälle in Mönchengladbach: Rücksichtsloser, brutaler, asozial
Aggressives Verhalten im Straßenverkehr - längst Alltag. FOTO: dpa, Jens Büttner
Ein Mann bremst eine Frau aus und schlägt zu. Ein Unfallverursacher fährt einen Menschen um, der ihn zur Rede stellen will. Jugendliche zerstören Kunst. Und um Geld zu sparen, wird Müll wild entsorgt. Von Gabi Peters, Mönchengladbach

Bloß keine Verantwortung übernehmen, nicht an die anderen denken und rücksichtslos die eigenen Interessen durchsetzen: Auch in Mönchengladbach häufen sich in jüngster Zeit die Fälle, die den Normalbürger in Rage versetzen, weil er sich fragt: Was ist eigentlich los in unserer Gesellschaft?

Beispiel "Drängler im Straßenverkehr": Autofahrer, die zu dicht auffahren, die unvermittelt die Spur wechseln, ohne zu blinken, die selbst vor Kindergärten gerne den Motor aufheulen lassen, erlebt man täglich. Das herausragende Ereignis aus der vergangenen Woche: Ein Fahrer schneidet den Wagen einer Frau auf der Autobahn. Sie betätigt die Lichthupe. Was den Raser dazu veranlasst, die Frau auszubremsen und anschließend durchs offene Autofenster zu schlagen.

Beispiel "Unfallfluchten": Schon vor acht Jahren beklagte die Polizei das Phänomen, dass immer mehr Autofahrer einen Unfall verursachen und sich anschließend aus dem Staub machen. Im Jahr 2009 wurden 857 Unfallfluchten registriert. Im vergangenen Jahr waren es sage und schreibe 2050. Und: Die Unfallfahrer werden immer rücksichtsloser. Sie flüchten sogar vor der Verantwortung, wenn Menschen verletzt werden. Besonders extrem: An der Steinmetzstraße fährt der Fahrer eines Ford Galaxy gegen ein anderes Auto und beschädigt es. Ein Zeuge will den Unfallfahrer zur Rede stellen, positioniert sich vor dem Wagen - und wird beinahe überfahren. Der Unfallfahrer hält - obwohl ein Kind mit im Auto sitzt, das alles mit ansehen muss - voll auf den Mann, lädt ihn auf die Motorhaube und flüchtet.

Beispiel "Angriffe auf Helfer": Bei der Feuerwehr und bei den Hilfsdiensten werden schon lange zunehmende gewalttätige Übergriffe verzeichnet. Auch in Mönchengladbachs Notaufnahmen wurden schon Krankenschwestern und Ärzte beleidigt und geschlagen. Bei der Polizei wurden im vergangenen Jahr im Schnitt zwölf Beamte pro Monat tätlich angegriffen. Beamte der Bundespolizei mussten Anfang des Monats Pfefferspray einsetzen, um einen Mann zu überwältigen, der in der Wache angriffsbereit mit einem Messer in der Hand randalierte. Der 25-Jährige hatte zuvor eine 18-Jährige auf der Straße geschlagen. Dann beleidigte er die Beamten als "Arschlöcher" und sagte, "dass er ihre Töchter f. . ." werde.

Eine zerstörte Parkbank. FOTO: Reichartz Hans-Peter

Beispiel "Zerstörungswut": Rund um den Hans-Jonas-Park gibt es so viel Vandalismus, dass ein privater Sicherheitsdienst für den Bereich engagiert werden musste. Dennoch wurde das Kunstwerk "Konversationsstuhl IV" von Wolfgang Hahn sinnlos zertrümmert. Gestern wurde entdeckt, dass die als Kunstwerk geltenden schweren Mühlsteine im Bunten Garten von Unbekannten weggerollt wurden. Immerhin: Zum Zerstören waren die Steine wohl zu stabil.

Beispiel "Wilder Müll": Hausmüll, der einfach in öffentlichen Papierkörben oder in Grünanlagen entsorgt wird, zählt für Mags-Mitarbeiter zu den Sisyphusaufgaben. "Viele Bürger wollen sich wohl keine größere Mülltonne leisten, oder sie trennen den Abfall richtig und entsorgen ihren Müll deshalb an Containerstandorten oder auf Grünstreifen", sagt Mags-Sprecherin Anne Peters. "Das erleben wir leider täglich."

Müll türmt sich und liegt neben dem Mülleimer. FOTO: Denisa Richters

Beispiel "eigenes Anspruchsdenken": In Odenkirchen überzog ein Zugezogener den kleinen Zoo wegen zu lauter Tiergeräusche mit Klagen, in Korschenbroich bekam ein Hahn einen nächtlichen Maulkorb nach einer Bürgerbeschwerde. Auch die Polizei muss sich mit immer abstruseren Beschwerden befassen. Ein Bürger verlangte jetzt, dass die Beamten wegen Ruhestörung einschreiten müssten. Der Grund: "Mein Nachbar unterhält sich auf dem Balkon." Das war um 20 Uhr.

Quelle: RP
 
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