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Mönchengladbach
Runde Sache

Mönchengladbach: Runde Sache
Galerist Andreas Beumers in der noch nicht ganz fertigen Ausstellung von Jürgen Paas (links die Wandarbeit "Target"). FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Es wird angeraten, während der Vernissage am Sonntag im Kunstraum No. 10 ausschließlich nichtalkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Bei Zuwiderhandlung könnte es passieren, dass die Kunst von Jürgen Paas ins Trudeln gerät. Von Inge Schnettler

Dieser Mann ist ein Ästhet, der seinesgleichen sucht. Mit seinem überwältigenden Ordnungssinn schafft er makel- und schnörkellose Kunstwerke. Sein Umgang mit Farbe, die ausschließlich als Farbe daherkommt, ist kompromisslos. Die Werke von Jürgen Paas als konzeptionell zu bezeichnen, ist zu wenig. Da ist Pop, da ist Minimal, da ist Ruhe, da ist Kraft. Alles. Einige seiner Arbeiten sind ab Sonntag im Kunstraum No. 10 zu sehen. Es ist die 100. Präsentation in dem Bürgerhaus an der Matthiasstraße in Eicken.

Noch ist sie nicht ganz fertig. Es fehlt eine große runde Bodenarbeit. "Als die Werke von Jürgen Paas aus Wien angeliefert wurden, wo sie vorher gezeigt worden waren, fehlte eine Kiste", sagt Andreas Beumers, der die Galerie gemeinsam mit seiner Frau Judith Dahmen-Beumers betreibt. Er hofft, dass sie rechtzeitig eintreffen wird. "Wenn nicht, wird der Künstler eine andere Arbeit mitbringen."

Kreise und Spiralen sind die bestimmenden Elemente in den Ausstellungsräumen. Beide Formen haben eine uralte Symbolik. Der Kreis steht für Ganzheit, er hat keinen Anfang und kein Ende, er suggeriert Gleichgewicht, ist ein Zeichen für Harmonie, Ausgewogenheit und den Kosmos. Die Spirale ist ein Symbol für Zyklen, Entfaltung und Erneuerung. Für das Leben. Jürgen Paas spielt mit diesen Symbolen - auf eine sehr eigene Art.

Die Wandarbeit "Target" beispielsweise besteht aus schmalen, unterschiedlich eingefärbten PVC-Streifen, die der Künstler sorgsam aufgerollt und in Form gebracht hat. Die Farbspirale hängt frei auf einer Aluminiumwelle. Das gibt ihr ungeahnte Leichtigkeit. Das Ende des hellblauen Bandes, das als letztes aufgewickelt wurde, löst sich von der Form, symbolisiert: Das hier ist noch nicht zu Ende. Da könnte noch was kommen. Je länger der Betrachter sich in diese Arbeit vertieft, desto mehr Bewegung scheint er wahrzunehmen. Der Kern der Spirale tritt in den Raum - ja, und dann dreht es sich - das ist ganz schön psychedelisch. Und funktioniert tatsächlich auch ohne Wein im Kopf.

Schräg gegenüber von "Target" hängen drei Pop-Planeten. Das sind dicke Blöcke aus unterschiedlich farbigen Papierbögen, in die Jürgen Paas konzentrische Kreise geschnitten hat - jeweils fünf an der Zahl. Sie ziehen in die Tiefe hinein, erzeugen ein unvergleichliches Farberlebnis. Diese drei Arbeiten hat er in farblose Metallrahmen gepackt.

Vor zehn Jahren hat Jürgen Paas schon einmal im Kunstraum ausgestellt. "Er hat sich gefreut, zum Abschluss des Jahres noch einmal zu uns kommen zu können und unsere 100. Ausstellung zu gestalten", sagt Andreas Beumers, der seine große Begeisterung für die Arbeiten von Jürgen Paas nicht verhehlt. Auch die kleinen farbigen Papierbücher, die man theoretisch täglich umblättern könnte, um sich - je nach Stimmung - eine passende Farbe auszusuchen, faszinieren ihn. Zurecht.

Die Ausstellung "Flashback" von Jürgen Paas wird am Sonntag, 27. November, von 11.30 bis 16 Uhr eröffnet; sie endet am 18. Dezember. Es gibt eine Edition.

Quelle: RP
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