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Mönchengladbach
Saudis planen Riesen-Freizeitpark im JHQ

Mönchengladbach: Saudis planen Riesen-Freizeitpark im JHQ
FOTO: Helmut Michelis, KN
Mönchengladbach. Wintersport, Wildwasserkanal und Extrem-Klettern, dazu ein 200-Meter-Hotel-Turm – das saudi-arabische Königshaus will für einen Vier-Jahreszeiten-Themenpark auf 60 Hektar einen hohen dreistelligen Millionen-Betrag verbauen. Von Ralf Jüngermann

Nein, es ist noch nicht der 1. April. Und nein, das ist auch keine märchenhafte Ausschmückung aus 1001 Nacht. Sondern ein ganz seriöses Angebot. Eines, von dem Oberbürgermeister Norbert Bude sagt: "Das ist ein sehr interessantes Konzept, das wir sorgfältig prüfen werden." Dass der Bauherr das nötige Großgeld hat, steht außer Frage: Denn es ist eine Investorengruppe aus dem saudi-arabischen Königshaus. Sie hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW Invest, beauftragt, nach einem 60 Hektar großen Gelände für den Freizeitpark "Four seasons" zu fahnden. NRW Invest hat als einen möglichen Standort das JHQ vorgeschlagen.

Was dort nach den Plänen der Saudis entstehen soll, wäre größer als jedes andere Projekt, das jemals in Mönchengladbach gebaut wurde. Der Themenpark soll wie ein vierblättriges Kleeblatt aufgebaut sein. Jedes Blatt steht für eine der vier Jahreszeiten. In vier riesigen Hallen soll es Action, Fun und Extremsport auf einem Niveau geben, wie es das bislang in Europa nicht gibt. Die Politiker, die den Imagefilm des Projekts am Donnerstag in der Aufsichtsratssitzung der Entwicklungsgesellschaft sahen, waren tief beeindruckt.

Zwischen den vier Hallen soll in der Mitte ein 200 Meter hoher Turm entstehen, in dem Platz für ein Hotel, Büros und Wohnungen ist. Auch 14 000 Quadratmeter Einzelhandel sind vorgesehen. All das soll von höchster architektonischer Qualität sein. Für diesen Anspruch spricht das Architektenteam, das der Investor beauftragt hat: Der Salzburger Dr. Volkmar Burgstaller hat den spektakulären Hangar 7, in dem Flugzeuge, Helikopter und Formel-Eins-Wagen zu sehen sind, gebaut. "Four seasons" soll – von der Dimension her vergleichbar mit einem Disneyland – auch Besucher von weit her anziehen. Als Einzugsbereich definieren die Investoren nicht nur ganz Deutschland, sondern auch die angrenzenden Länder.

Das Königshaus will in Europa zwei Jahreszeiten-Themenparks mit identischem Konzept auf einen Schlag bauen: Für den zweiten wird parallel im Großraum Istanbul nach einem geeigneten Grundstück gesucht.

Für Wirtschaftsförderer Dr. Ulrich Schückhaus ist klar: "Das kann eine Riesenchance für Mönchengladbach sein." Dass das Konzept von Strahlkraft und Größe fast zu groß für eine mittlere Großstadt wie Mönchengladbach wirkt, ficht Schückhaus nicht an. "Das hat mancher bei Zalando und Esprit auch gedacht – und dann ist doch etwas daraus geworden." Gleichwohl gilt es eine Vielzahl von Fragen zu klären. "Dieses Projekt ist so groß, dass wir auf jeden Fall die planerische Hilfe des Landes benötigen würden", sagt Schückhaus. Das Projekt ist riesig, aber es füllt das 420-Hektar-Gelände des JHQ nicht aus. Weitere Nutzungen wären möglich.

Die ersten Reaktionen der Politiker sind fast schon euphorisch. Allen ist klar, dass viele Hürden zu überwinden sind. Welche Auswirkungen die zu erwartenden Besucherströme auf die angrenzenden Stadtteile hätten, muss ebenso bedacht werden wie mögliche Auswirkungen eines so starken Angebots am Rande der Stadt auf die beiden Innenstädte. Doch bei allen offenen Fragen sehen die Politiker die Chance auf ein Highlight, um das viele Städte Mönchengladbach beneiden könnten. Darum war das Stimmungsbild in der Aufsichtsratssitzung eindeutig: In vertiefenden Gesprächen mit dem Investor sollen die nötigen Rahmenbedingungen nun genauer ausgelotet werden.

NRW Invest wird wahrscheinlich im nächsten Planungs- und Bauausschuss am 25. Februar 2014 die Pläne detaillierter vorstellen. Der Investor prüft derweil die Tauglichkeit mehrerer Standorte. Mönchengladbachs Lage dürfte ein ordentliches Plus sein. Schließlich sind Tagesflüge an den Niederrhein nicht nur aus dem gesamten Ruhrgebiet, der Rhein-Region mit Köln und Bonn, sondern selbst aus den Großräumen Rotterdam, Amsterdam, Lüttich, Brüssel und Frankfurt möglich.

Quelle: RP
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