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Mönchengladbach
Schick gewandet und ziemlich attraktiv

Mönchengladbach. "MG zieht an" - selten war der Titel von Deutschlands größter textiler Nachwuchsmesse so doppeldeutig wie diesmal. Bei der gestrigen Eröffnung bei Trützschler wurde deutlich: Der Standort pulsiert und zieht immer mehr Blicke auf sich. Von Jan Schnettler

Zeitreisen will gelernt sein. Als Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, die Gäste ins Jahr 2000 zurückversetzt, spricht er bildgewaltig von der "Morbidität", die die Textil- und Bekleidungsindustrie damals notdürftig umhüllte wie fadenscheiniger Stoff: "Jeder kannte jemanden aus der Branche, der mal arbeitslos geworden war." Es war das Jahr der ersten textilen Nachwuchsmesse "MG zieht an", eigentlich eher ein "Ehemaligentreffen"; passenderweise versammelte man sich seinerzeit im alten Stadttheater, das bereits auf dem besten Weg zur Bauruine war.

Harter Schnitt, Sprung ins Jahr 2017. "MG zieht an" feiert zehnten Geburtstag, ist zur größten textilen Nachwuchsmesse avanciert, und mehrere hundert geladene Gäste bestaunen im Technikum von Trützschler, das natürlich perfekt die Symbiose aus Tradition und Moderne symbolisiert, eine Modenschau. Die Branchen Textil und Bekleidung sind nicht länger mit einer Schmuddelkinder-Aura behaftet, im Gegenteil; und der Standort Mönchengladbach ist einer geworden, auf den sich die Blicke richten. MG zieht an - selten war der Titel der Messe, die heute und morgen auf dem Campus der Hochschule Niederrhein steigt, so doppeldeutig.

"Mönchengladbachs Aktivitäten im textilen Bereich sind Benchmark in der Branche", sagt beispielsweise Ingeborg Neumann, Unternehmerin, Präsidentin des Gesamtverbands Textil und Mode sowie Vizepräsidentin des Bundesverbands der Deutschen Industrie. "Mönchengladbach ist laut und stark und lebt etwas vor, das deutschlandweit in vielen anderen Branchen kopiert werden sollte." Die Textil- und Bekleidungsindustrie müsse nur noch mehr lernen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und vor allem zu präsentieren. "50 Prozent des Airbus 380 bestehen aus textilen Materialien", sagt Neumann - und zeigt damit auf, dass sie eine absolute Zukunftsbranche vertritt. Damit rennt Neumann bei Rolf Königs, CEO der Aunde-Group und Präsident des Verbandes der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie, offene Türen ein. Er hebt die Bedeutung der im Bau befindlichen Textilakademie für den Standort hervor - und verspricht außerdem, den Besuch des Verhüllungskünstlers Christo in der Stadt "in unmittelbare zeitliche Nähe zur Eröffnung der Akademie am 29. August 2018, 8 Uhr morgens" zu legen. Von dem Neubau verspricht sich Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein, dass sich deren profilgebendes Alleinstellungsmerkmal - nämlich der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik - noch stärker als ohnehin schon mit der regionalen Wirtschaft verzahnen wird.

Anne Schwarz-Pfeiffer, Professorin an eben diesem Fachbereich, hat einige Beispiele aus der forschenden Praxis mitgebracht. So arbeitet sie derzeit an "Smart Textiles", Textilien, die mit ihrer Umwelt kommunizieren und interagieren und ihren Träger damit aktiv unterstützen. "Ein Trend werden Materialien, die sich unsichtbar integrieren und damit einen Mehrwert schaffen" - unscheinbar anmutende Pullover, die gegen Messerstiche wappnen, etwa.

Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners verspürt "schon jetzt ein Prickeln, dass der Standort interessanter wird für Firmen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie". Der Identifikationsfaktor im Wirtschaftsbereich sei für Mönchengladbach ganz eindeutig die Textil- und Bekleidungsindustrie, bestätigt Karl-Uwe Bütof, Ministerialdirigent im NRW-Wirtschaftsministerium.

Quelle: RP
 
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