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Mönchengladbach
Schlag den Beethoven

Mönchengladbach. Beim 5. Sinfoniekonzert will Schlagzeugstar Alexej Gerassimez Beethovens "Achter" die Schau zu stehlen. GMD Kütson wird das gerne dirigieren. Von Armin Kaumanns

Vor zwei Jahren hatte GMD Mihkel Kütson noch mit einem Kunstgriff versucht, seinem Sinfoniekonzertpublikum unter Zuhilfenahme einer Brahms-Sinfonie ein zeitgenössisches Schlagzeugkonzert unterzujubeln. Nach dem Gastspiel von Alexej Gerassimez sprach damals niemand von Brahms, man war fasziniert vom Auftritt des Ausnahme-Schlagzeugers aus Essen.

Jetzt kommt er ein zweites Mal an zu den Niederrheinischen Sinfonikern, wieder gibt's nach der Pause eine große Sinfonie, diesmal Beethovens "Achte", aber das Schlagzeugkonzert des schottischen Zeitgenossen James MacMillan muss nicht mehr versteckt werden. Das jedenfalls macht Kütson deutlich, wenn er von "sehr mächtigen, fast ununterscheidbaren Klangmassen" spricht, die den Zuhörer zu Beginn des nach dem adventlichen Choral "Veni, veni, Emanuel" benannten Stücks überfallen. Alles klärt sich, schließlich wird kompositorisch der Weg von Weihnachten bis Ostern durchmessen, allerdings in einem "überaus rhythmischen Zusammenspiel von Kraft und Farben", wie Kütson es beschreibt. Die Niederrheinischen Sinfoniker schlagen sich bei den Proben in diesen Tagen unter anderem mit langsamen Quintolen herum. . .

Vor dieses sinfonische Großwerk hat Kütson ein weiteres Stück Musik "von der Insel" gestellt, Ralph Vaughan Williams' "Fantasia on a Theme by Thomas Tallis". Der Zeitgenosse Ravels greift die Lust an barocker Mehrchörigkeit auf, indem er das Streichorchester in drei Gruppen teilt, deren eine für die Alte Musik Tallis' steht, die beiden anderen neue Klänge in Concerto-Grosso-Manier dagegen setzen. Kütson fühlt sich dabei an englische Chortradition erinnert.

Mit der "Achten" setzt der GMD seine Beethoven-Reihe fort, die jetzt also bei der seltener gespielten, harmlos freundlich daherkommenden F-Dur-Sinfonie angekommen ist. Ein Hauch Papa Haydn weht durch die Partitur, das "plattfüßige Menuett" (Kütson) und die Spielchen mit vermeintlich falschen Einsätzen. Dabei ist Beethoven in der "Achten" auf der Höhe der Zeit, formal vor allem. Eine Sinfonie ohne langsamen Satz, ohne Einleitung, mit einem Rondo-Sonatensatz als Rausschmeißer - das hatte es damals noch nicht gegeben. Man darf also gespannt sein.

Termine: Mittwoch, 27. April, Konzertsaal im Theater, Donnerstag 28. April, Kaiser-Friedrich-Halle, jeweils 20 Uhr, Konzerteinführung Donnerstag 19.15 Uhr. Mittwoch Debüt-Konzert um 19 Uhr. Karten gibt es unter Tel. 02166 6151100 und im Internet unter: www.theater-kr-mg.de

Quelle: RP
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