| 09.23 Uhr

Mensch Gladbach
Schließt den Bahnhof

Meinung | Mönchengladbach. Wir laden Sie heute zur Märchenstunde ein. Erzähler ist die Deutsche Bahn. Die Märchentante berichtet, wie und wann sie Gladbachs Hauptbahnhof saniert. Ende offen. Von Dieter Weber

Heute machen wir mal ein Ranking. Wenn Sie nicht wissen, was das ist: Das sind so quasi Hitlisten, die Auskunft darüber geben, was besonders gut, schlecht, schön, hässlich oder sonstwie oder -was ist. So eine Art Bundesligatabelle ohne Fußball. Es gibt viele Rankings, und ganz oft kommt darin Mönchengladbach vor. Die Stadt ist in der Regel, sagen wir mal, unteres Mittelfeld.

Das heutige Ranking ist aber nur MG-intern, äußerst subjektiv, beschäftigt sich mit den unerfreulichsten Orten in der Stadt und hat zwei klare Sieger: Es sind Mönchengladbachs Hauptbahnhöfe. Den Rheydter strafen wir mit Missachtung, weil ihn die Deutsche Bahn AG so lange erfolgreich heruntergewirtschaftet hatte, bis sie ihn an die Stadttochter EWMG abstoßen konnte. Jetzt harren wir der Dinge, was da passiert. Vermutlich wenig, was immerhin den Vorteil hat (Achtung: Ironie!), dass wir uns nicht auf eine im Vergleich zu den Bahn-Zeiten neue Situation einstellen müssen. Denn Veränderung macht unsicher und sorgt für ein ungutes Bauchgrummeln, weil uns das alles überfordert. Und deshalb bleibt Dreck eben ganz einfach Dreck - basta!

Wenden wir uns stattdessen dem Gladbacher Hauptbahnhof zu. Die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch daran erinnern, dass er saniert werden sollte. 2006 war das, da waren wir beim Sommermärchen gefühlt Fußball-Weltmeister. In der Zwischenzeit hat es zwei weitere Kicker-Welttitelkämpfe gegeben, und wir sind inzwischen Weltmeister, nur die Deutsche Bahn ist sich treu geblieben - und hat nicht viel Sichtbares am Hbf getan. Wenn unsere Stadtplaner und Architekten Mönchengladbach im nächsten Jahrzehnt durch die 300.000-Einwohner-Marke schießen sehen, sollten sie viel dafür tun, dass der erste Weg potenzieller Neubürger nicht durch den Hauptbahnhof führt. Sonst sind sie unter Umständen ganz schnell wieder verschwunden.

Nur mal ein kurzer Auszug aus der Mängelliste: Es gibt keine Türen am Haupteingang - seit geraumer Zeit schon nicht. Die offene Deckenkonstruktion ist eine Zumutung, weil sie entsetzlich fies aussieht, mit Spikes zur Taubenabwehr übersät ist und ein Drahtgitter unter der Decke für Fragezeichen sorgt. Der Gang zu den Gleisen ist dunkel, und die hellen Fliesen an den Seitenwänden ziert eine schmierige, undefinierbare Masse, die irgendwann heruntergelaufen ist. Um Ihnen das Wochenende nicht zu vermiesen, verzichten wir auf weitere Einzelheiten.

Was tun unsere Politiker dagegen, dass sich am Zustand eines der wichtigsten Eingangsportale der Stadt etwas verändert? Der Bundestagsabgeordnete Günter Krings und der inzwischen zum Landtagsabgeordneten gewählte Jochen Klenner (beide CDU) hatten Anfang des Jahres die Zusage der Bahn, dass die Arbeiten im Inneren bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen. Im August erklärte die Bahn, lange keine Baufirma gefunden zu haben, aber jetzt solle es schnell gehen. Da drängt sich die Frage auf: Was versteht die Deutsche Bahn unter schnell? Denn eigentlich sollte schon 2006, dann 2011, dann 2014, dann 2015 und dann endlich in diesem Jahr alles fertig sein. Pustekuchen, alles nur Bahn-Märchen?

Und jetzt fragen wir mal unseren findigen Baudezernenten Gregor Bonin: Kann man eigentlich auch eine Bahnhofshalle einfach schließen? Etwa wegen Baumängeln?

Quelle: RP
 
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