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Mönchengladbach
Schnell, vielseitig, anspruchsvoll

Mönchengladbach: Schnell, vielseitig, anspruchsvoll
Ilia Nazeri (rechts) und Mihat Öztürk gehören zu den Boxern bei den Faustkämpfern Mönchengladbach, die auch für Wettkämpfe in den Ring steigen. Bei ihrem Sparring schaut Trainer Waldemar Altergott genau hin. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Die Faustkämpfer Mönchengladbach bilden gute Boxer aus. Zu den bekanntesten Sportlern gehört Ina Menzer. Von Thomas Grulke

Noch eine knappe Minute muss Jonathan Richard durchhalten, dann kann er durchschnaufen und den Puls wieder etwas runterfahren. Unablässig bearbeitet der 27-Jährige den schweren Sandsack. Rechts-Links-Kombinationen im schnellen Takt. Doch Richard drischt keineswegs unkontrolliert auf den von der Hallendecke baumelnden Boxsack ein. Jeder Schlag soll technisch sauber ausgeführt werden, sonst ist der Effekt eher kontraproduktiv denn förderlich. Richard hält sich auch in den letzten 60 Sekunden des anstrengenden Zirkeltrainings gut. Dabei ist er kein routinierter Boxer, sondern ein Quereinsteiger.

"Ich habe zuvor bereits Kampfsport gemacht und damit eine gewisse Vorerfahrung. Aber ich habe trotzdem nicht gewusst, wie anspruchsvoll und vielseitig der Boxsport ist", sagt Richard. Er gehört zu jenen Sportlern in der Trainingsgruppe der Faustkämpfer Mönchengladbach, die nicht zu Wettkämpfen in den Ring steigen. Der Traditionsverein, der bereits Dutzende Mitglieder zu Deutschen Meisterschaften gebracht hat, ist ebenso Anlaufstation für Boxer, die ihren Sport nur aus Freude an der Bewegung ausüben. Und daran mangelt es keinesfalls.

"Boxen ist ein schweißtreibender Sport, man ist immer in Bewegung. Es geht weniger um Kraft, sondern vielmehr um Schnelligkeit. Dicke Muskeln bringen nichts, wenn man die Arme nicht schnell genug gerade bekommt", sagt Karl-Heinz Hahn. Der Vereinsvorsitzende ist selbst Trainer und betreut die Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren. Anfänger müsse man sehr behutsam an den Boxsport heranführen, ohne ein halbes Jahr Vorbereitungszeit steige keiner in den Ring, betont Hahn. Zudem gehe es zunächst darum, eine Grundkondition aufzubauen. Doch das geschieht nicht durch monotone Laufeinheiten. Seilspringen, Schrittfolgen, Schattenboxen, Liegestütze, dazu Stabilisationstraining für Nacken- und Rückenmuskulatur - der ganze Körper ist beim Boxen gefragt. "Boxer müssen dreimal drei Minuten die Arme oben behalten. Das sieht leicht aus, ist aber enorm schwer", sagt Hahn.

Wer dann noch über das nötige Auge und taktisches Geschick verfügt, der boxt bald bei Meisterschaften mit. Der Rest begnügt sich mit schweißtreibendem Training. Und dann gibt es bei den Faustkämpfern auch noch das Fitnessboxen. "Es geht dabei nicht um reines Schattenboxen, nur sind die Boxkämpfe in dieser Gruppe nicht so intensiv. Und wir schauen auch nicht so streng auf die technische Ausführung", sagt Hahn. Der älteste Teilnehmer sei derzeit 65. "Und auch im Alter ist deutlich zu sehen, dass der Bewegungsablauf immer geschmeidiger wird", sagt Hahn. An Frauen mangele es dem Verein in den verschiedenen Trainingsgruppen aber aktuell - und das in dem Klub, der eine der besten deutschen Boxerinnen überhaupt hervorgebracht hat.

Ina Menzer, ehemalige Welt- und Europameisterin, begann ihre Karriere in den 1990er Jahren bei den Faustkämpfern in der Halle Am Ringerberg. "Am Anfang war es häufig noch so, dass es überhaupt keine Gegnerin für mich gab. Mittlerweile gibt es schon mehr Frauen, die boxen", sagt die 37-Jährige, die sich gerne an ihre aktive Laufbahn und die Zeit in Mönchengladbach erinnert. "Boxen ist anspruchsvoll und beansprucht enorm viele Muskelgruppen, der Sport hat mich gestärkt. Zudem hat der Verein mir immer Rückhalt gegeben, und der Trainer für eine familiäre Atmosphäre gesorgt", sagt Ina Menzer.

Der Trainer, das ist Waldemar Altergott, der auch jetzt noch die Talente der Faustkämpfer betreut. Mit scharfem Blick beobachtet der 62-Jährige jede Bewegung, jeden Schlag seiner Sportler, ob sie nun Sandsack und Punchingball bearbeiten oder sich im Kampf mit dem Sparringspartner befinden. "Fitness ist der entscheidende Faktor. Wer fit ist, der gewinnt auch an Standfestigkeit und innerer Sicherheit, die er für das Boxen benötigt", sagt Altergott. Das ist ein Effekt, den auch Jonathan Richard nachvollziehen kann. "Ich fühle mich zu 100 Prozent fit. Und das steigert auch das Selbstbewusstsein", sagt der Faustkämpfer und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der Puls fährt langsam wieder runter. Die Trainingseinheit ist zu Ende.

Quelle: RP
 
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