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"Live Escape Game"
Schöner Ausbrechen

"Live Escape Game": Schöner Ausbrechen
Thomas Kuhnen (li.) und David da Silva Carneiro vom ExitOut-Team zeigen einen ihrer drei Räume, aus dem es auszubrechen gilt: das Wohnmobil, das Fans der Kult-Serie "Breaking Bad" bestens bekannt sein dürfte. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Das "ExitOut" an der Waldhausener Straße ist Mönchengladbachs erstes "Live Escape Game". In 60 Minuten muss man dabei im Team aus einem verschlossenen Raum entkommen, beispielsweise aus dem "Fohlenstall". Das Angebot ist aus mehreren Gründen einzigartig. Von Jan Schnettler

Die Anspannung ist greifbar. Nackenmuskeln knacken, ein Knie wippt nervös auf und ab, ein Mitspieler summt leise vor sich hin: "Die Elf vom Niederrhein."

Die Trikots mit der Raute sind längst übergestreift, während der Trainer an der Taktiktafel die wirklich allerletzten Tipps gibt. Gleich geht es hinaus ins Stadion, in 60 Minuten beginnt das alles entscheidende Spiel, an dessen Ende man tatsächlich Deutscher Meister sein könnte! Borussia Deutscher Meister? Ja! Wirklich! Doch dann – was ist das? Ein Geräusch an der Tür, als würde jemand...? Da hat doch nicht...?! Die Nummer 9 springt auf und läuft zur Tür, rüttelt daran, versucht, sie aufzuziehen, doch sie ist von außen verschlossen! Was um alles in der Welt...?! Ein hektisches Durcheinander entsteht, ein wildes Rufen und Haareraufen. Die Kicker laufen zur Tür, ziehen abwechselnd und dann mit vereinten Kräften an der Klinke - nichts. Dann, endlich, hat einer die Idee: Hier, irgendwo in der Kabine, muss sich doch noch ein Ersatzschlüssel befinden. Nur wo? In einem der Spinde? Und wenn ja, in welchem? In dem von Yann Sommer? Tony Jantschke? Oder doch Patrick Herrmann?

Wem diese Ausgangssituation nicht nervenaufreibend genug ist, der kann gern alternativ versuchen, binnen einer Stunde mit möglichst viel Geld und Crystal Meth aus einer Drogenküche zu fliehen, bevor die Polizei da ist, oder eine tickende Bombe zu entschärfen. Das alles geht bei "ExitOut" an der Waldhausener Straße 31.

Es geht um den Nervenkitzel

Dort befand sich früher die "Shiva Lounge", später das "Fachwerk" – und seit November 2015 sind dort Marco und Thomas Kuhnen ansässig. Sie betreiben Gladbachs erstes "Live Escape Game". Dabei lassen sich Menschengruppen in einem Raum einsperren und müssen sich in einer vorgegebenen Zeit, meist 60 Minuten, daraus befreien oder andere Aufgaben lösen.

Es geht, klar, um den Nervenkitzel, aber fast mehr noch um Teamwork, um Kreativität und Kombinationsgabe, Nachdenken und Tüfteln. Deswegen sind es auch denkbar unterschiedliche Gruppen, die die Räume buchen: Firmenfeiern, Junggesellenabschiede, "aber auch 35-Jährige, die ihre Eltern mitbringen", sagt Thomas Kuhnen. "Jede Gruppe ist anders. Das Zusehen wird nie langweilig." Immer mehr Unternehmen etwa nutzten die Spiele zum Teambuilding. "Denn man kann relativ schnell sehen, wer ein Leader-Typ ist, wer ein Mitläufer, wer ein Querdenker."

Das Phänomen "Escape Game" ist noch recht jung – es soll seinen Ursprung in Computerspielen haben und ab 2006 in Japan entstanden sein. In den Ruinenkellern Budapests gab es die ersten europäischen "Ausbrech-Räume", seit 2013 sind sie auch in Deutschland schnell extrem populär geworden. Laut dem Internetportal www.escape-game.org gibt es hierzulande aktuell knapp 200 Anbieter mit 400 Spielräumen in 90 Städten. "Wir sind wohl gerade noch rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen", sagt der 31-Jährige, der selber erst vor zwei Jahren in Düsseldorf sein erstes "Escape Game" spielte. Und dabei sofort den Eindruck hatte: Das können wir besser. Die Rätsel noch etwas ausgefeilter, die Optik noch etwas stilechter, das Ambiente noch gemütlicher. Gesagt, getan - er setzte mit seinem Bruder die vielen Ideen in Taten um.

Deswegen wurde eine Immobilie gesucht, in die eine Theke und Sitzgelegenheiten integriert sind - sogar einen Pizzaofen gibt es, für den noch ein Pizzabäcker gesucht wird. "Die Bar haben wir den meisten anderen Anbietern voraus", sagt Mitarbeiter David da Silva Carneiro. In der Tat steht man in Düsseldorf oder Köln meist im Treppenhaus oder sogar bei Wind und Wetter vor der Haustür und wartet, bis die vorherige Gruppe den Raum verlassen hat. Und: Man organisierte ein Wohnmobil, das genauso aussieht wie die berüchtigte Drogenküche aus der Kult-Serie "Breaking Bad". Das erwies sich als Glücksgriff. "Letztens waren wir auf dem Kongress Escape Games Convention in Stuttgart, da wurden wir zigmal angesprochen: ,Seid ihr nicht die mit dem Camper?'", sagt Kuhnen.

Mit dem Wohnmobil wird, ebenfalls ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, das Spiel übrigens auch mobil angeboten. "Gerade wurden wir für eine Hochzeit angefragt. Die Braut hält das für eine gute Idee, damit sich die beiden Familien besser kennenlernen." Und auch der "Fohlenstall" genannte Raum, den Borussia unbürokratisch gutgeheißen habe, ohne eine offizielle Lizenz zu erteilen, sei bislang ein Volltreffer. Und diejenige Aufgabe, die am leichtesten zu lösen ist. "Die Erfolgsquote liegt bei 50 bis 60 Prozent", sagt Kuhnen. Aus dem Wohnmobil seien bisher sechs Gruppen ohne Hilfe des Spielleiters - der bei Bedarf über Lautsprecher Hinweise geben kann - erfolgreich ausgebrochen, aus dem dritten Raum "Hollywood Bombs", wo eine Bombendrohung im Zimmer eines Regisseurs die Produktion eines Blockbusters lahmlegt, sogar erst zwei.

Könnte sich der Trend irgendwann abnutzen? Völlig unabsehbar, zumindest gibt es mit "ClueFinder" (Bismarckstraße 63-65) bereits einen zweiten Anbieter in der Stadt. "Man wird aber wahrscheinlich einmal pro Jahr zumindest die Rätsel, wenn nicht sogar die kompletten Räume ändern müssen", sagt Thomas Kuhnen. Doch noch läuft der Betrieb im "ExitOut" erst einmal richtig an. Kuhnen verspricht: "Wir haben noch einige Ideen in petto."

Quelle: RP
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