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Mönchengladbach
Schon wieder bereit für das nächste Level

Mönchengladbach: Schon wieder bereit für das nächste Level
Sechs Programmierer, vier Online-Marketer und zwei Geschäftsführer: Das ist "Next Levels". Neun schafften es zum Fototermin: Paul Kalisch, Simon Storz, Phillipp Rhönisch, Slawa Ditzel, Jan Kirsten (oben v. l.) sowie Mike Straczek, Ewa de Vet, Benjamin Elsner und Stephan Wilske (unten v. l.). FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Die Digitalagentur "Next Levels" im Nordpark vereint Programmierer und Online-Marketer unter einem Dach - und investiert in vielversprechende Start-ups. Seit einem holprigen Start 2013 zeigt die Entwicklung steil nach oben. Von Jan Schnettler

Pokale spielen eine wichtige Rolle für Slawa Ditzel und Paul Kalisch - sie stehen gleichermaßen für den Startpunkt, die größte Niederlage und den Aufschwung in der beruflichen Biografie der beiden Freunde. Obwohl es ihnen nicht darum ging, welche zu gewinnen, im sportlichen Wettstreit etwa, stünden sie ohne die intensive Auseinandersetzung mit Pokalen heute niemals da, wo sie sind: Gründer und Geschäftsführer der florierenden, zwölfköpfigen Digitalagentur "Next Levels".

Los ging alles mit einem Onlineshop für den Vertrieb und das Bewerben von Pokalen - das taten Ditzel und Kalisch noch aus ihrem damaligen Unternehmen heraus. Der eine als Student im Nebenjob, der andere als Angestellter - und mit nicht mehr als 40 Euro Startkapital. Das Unternehmen war 2013 ihr erster Kunde als Selbstständige. "Der Shop war ein Riesenerfolg. Innerhalb von nur sechs Monaten haben wir den Markt komplett umgekrempelt", erinnert sich Kalisch, heute 27 Jahre alt.

Nicht zuletzt dank einer pfiffigen Social-Media-Kampagne gelang ihnen der Coup, der aber bald ins Gegenteil umschlagen sollte: Der wichtigste Auftraggeber zahlte nicht, es kam zu Liquiditätsproblemen. "Zwei, drei Monate waren wir in einem tiefen Loch. Wir hatten da schon den ersten Mitarbeiter eingestellt - und plötzlich bist du unverschuldet 20.000 Euro in den Miesen, hast keine Räume, keine PCs, keine Perspektive", sagt Slawa Ditzel (26). Doch die gute Pokal-Arbeit kam ihnen ein weiteres Mal zugute: Ein österreichischer Pokalhändler war auf die beiden jungen Gladbacher aufmerksam geworden. "Mit einem Scherbenhaufen im Rücken flogen wir nach Wien", sagen die beiden. Der Deal kam zustande, plötzlich war man wieder im Geschäft - und bezog wenig später Räume im Denkmalbereich des Nordparks. Seitdem ging es steil bergauf: "Wir haben uns jedes Jahr personell verdoppelt und umsatztechnisch verdreifacht."

Das Erfolgsmodell der Agentur fußt auf zwei Säulen - Online-Marketing und Web-Entwicklung. Schon das ist ein Alleinstellungsmerkmal, denn die meisten Konkurrenten konzentrieren nur auf eines der beiden Felder. "Der Idealfall sieht so aus, dass wir für einen Kunden einen Online-Shop bauen. Im Anschluss bieten wir dann eine Rundum-Betreuung an, von Social Media über Suchmaschinenoptimierung bis hin zu Google AdWords", sagt Ditzel. Namhafte Kunden zieren die Liste der Referenzen: Sixt, Shimano und Pioneer etwa, aber auch der Shooting-Star der deutschen Kunstszene Leon Löwentraut sowie Graffiti-Künstler René Turrek. In einigen Fällen gibt es Synergien mit der Werbeagentur Markt & Werbung, deren Untermieter "Next Levels" ist: "Wir ergänzen uns perfekt", sagt Kalisch. Des Weiteren haben die beiden langjährigen Freunde es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr in zwei Start-ups zu investieren. So wurde etwa aus "Next Levels" heraus mit dem jungen Gladbacher Kevin Bolleßen in diesem Sommer die Firma "Gourmy" gegründet, eine App für Kantinenangebote in Restaurants. Wenn die Start-ups dann gut laufen, sichert man sich rechtzeitig Anteile. "Wir sind viel zu hungrig, um jahrzehntelang nur klassisches Agenturgeschäft zu machen", sagt Ditzel.

Mit flexiblen Arbeitszeiten, flachen Hierarchien, angenehmer Arbeitsatmosphäre (in der Agentur steht ein Rennrad auf dem Flur, lehnen Skier an die Wand) und Talentförderung ("Zeugnisse sind für uns kein Einstellungskriterium, wir schauen auf andere Dinge") will man gegen die Großen der Branche anstinken - und das gelinge bestens. In diesem Jahr wurde beim Reifenhersteller Toyo Tires erstmals ein richtiger Pitch gewonnen, sagt Ditzel. Ganz frisch haben die beiden ihren Ausbilderschein gemacht, suchen 2018 weitere Nachwuchskräfte: "Wir wollen die beste Programmiererausbildung Gladbachs anbieten."

Seit April ist "Next Levels" eine GmbH, für das Jahr 2019 sind eigene Räumlichkeiten vorgesehen. "Wir stehen noch am Anfang, haben wirklich noch ganz viel vor", sagen Kalisch und Ditzel. Vielleicht gibt's für so viel Sturm und Drang irgendwann ja sogar noch mal einen Pokal?

Quelle: RP
 
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