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Mönchengladbach
Schorch: Mega-Auftrag aus den Emiraten

Mönchengladbach. Der Elektromotoren-Hersteller liefert drei Antriebsmaschinen für eine neue Ölplattform in Abu Dhabi. Die Probleme der Ölbranche will man ausgleichen, indem man sich in Nischensegmente bewegt. Hoffnungen weckt der "neue" Markt Iran. Von Jan Schnettler

Auf dem Nasr-Ölfeld, 130 Kilometer vor der Küste von Abu Dhabi gelegen, sollen ab Ende 2018 täglich 65.000 Barrel Erdöl gefördert werden. Ein Mönchengladbacher Unternehmen spielt dabei eine tragende Rolle: ATB Schorch liefert drei Antriebsmaschinen, die zu den größten ihrer Art überhaupt zählen. Sie treiben die Kompressoren an und sorgen somit dafür, dass das Öl nach oben gefördert wird. "Wir bauen die weltweit größten explosionsgeschützten Motoren", sagt Jakob Dyckers, Leiter Auftragsmanagement bei Schorch. Und der Explosionsschutz ist besonders auf einer Ölplattform nicht ganz unerheblich - die Ölpest im Golf von Mexiko nach der Explosion der "Deepwater Horizon" 2010 lässt grüßen.

Der im April 2015 eröffnete Auftrag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten - Endkunde ist die dortige Öl- und Gasindustrie - stellt einen ziemlich dicken, nämlich beinahe achtstelligen, Batzen in den Auftragsbüchern des Traditionsunternehmens an der Breite Straße dar. Die drei druckfest gekapselten Motoren haben die Maße 4,20 (Höhe) x 4,70 (Breite) x 5,40 Meter (Länge) und werden, sobald sie fertig sind, einmal 60 Tonnen wiegen. Alleine ein Gehäuse schlägt mit fast 37 Tonnen zu Buche. Alleine 6000 Kilogramm Kupfer pro Motor werden verarbeitet. Sie bringen es auf eine Drehzahl von 1496 Umdrehungen pro Minute, eine Leistung von 9200 Kilowatt und eine Spannung von 11.000 Volt. Die drei Einzelmotoren, die in Handarbeit individuell angefertigt werden, sollen von Juni bis August ausgeliefert werden.

Schorch habe den Zuschlag bekommen, weil man bereits Geschäftsbeziehungen in die Region unterhielt - und aufgrund des guten Rufs in der Branche, sagt Marketingchef Herbert Simon. Es sei in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, durch Messeauftritte im Gespräch zu bleiben und die Netzwerke zu pflegen und auszubauen. "Letztes Jahr waren wir etwa erstmals alleine als Firma auf der Öl- und Gasmesse Adipec in Abu Dhabi und führten dort viele gute Gespräche", sagt Simon. Dieses Frühjahr ist der Messe-Trubel besonders groß. Kurz nacheinander ist Schorch bei Messen in Moskau (18. bis 21. April), Hannover (25. bis 29. April), Houston/Texas (2. bis 5. Mai) und Teheran (5. bis 8. Mai) vertreten. Ein wahrer Marathon steht also bevor, der für den Mittelständler mit vielen Strapazen verbunden ist. "Aber es zeigt sich immer wieder, dass sich der Aufwand rentiert", so Simon. "Besonders die Messe im Iran ist in diesem Jahr von spezieller Bedeutung. Da tut sich nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen ein ganz neuer Markt auf. Nach drei Tagen waren fast alle Plätze vergeben."

In den letzten Jahren schrieb Schorch nicht nur positive Schlagzeilen. So wurde zuletzt im Sommer bekannt, dass einmal mehr Personal abgebaut werden muss - 115 Mitarbeiter sollten gehen. In einigen Bereichen ist noch immer Kurzarbeit angeordnet. Mit Stand zum 1. Januar operiert das Unternehmen nun noch mit 444 Mitarbeitern, darunter 25 Azubis. Und auch der niedrige Ölpreis trifft das Unternehmen, "denn die Hälfte unseres Geschäfts spielt sich im Öl- und Gasmarkt ab", so Simon. Projekte sind eingefroren, Lieferungen verzögern sich, bei Auftragsvergaben herrscht Zurückhaltung in der Branche. Schorch reagiert, indem man sich noch mehr als bisher in Nischensegmente vorwagt. Etwa in den Bereich Marine/Schiffsbau (Bugstahlruder, Ankerwindenmotoren), auch bei Motoren für Auto-Schredder und Prüfstandsantrieben für die Kfz-Branche sei man führend. Zuletzt lieferte Schorch außerdem Antriebe für die Zementmühlen, mit denen die Stadien für die Fußball-WM 2022 in Katar gebaut werden.

Tiefschläge gab es in der Schorch-Geschichte schon häufiger - das Unternehmen und seine Mitarbeiter, die sich für ihre familiären Umgangsformen rühmen, haben eine gewisse Routine darin erarbeitet, damit umzugehen und sich mit Flexibilität und Findigkeit einen Weg in die Zukunft zu bahnen. Auf den neuen Markt Iran setzt man entsprechend große Hoffnungen. "Schon vor den Sanktionen lieferten wir Motoren dorthin. Wir haben da einen guten Namen", sagt Simon.

Quelle: RP
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