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Hartmut Wnuck
Schüler brauchen Wissen über die Wirtschaft

Mönchengladbach. Der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse erklärt Idee und Inhalt des Projekts "Mäuse, Moos und mehr", für das man sich anmelden kann.

Herr Wnuck, die Stadtsparkasse hat sich auf die Fahne geschrieben, die Schulen dabei zu unterstützen, Jugendlichen Wirtschaft zu erklären. Warum tun Sie das?

Hartmut Wnuck Vor allem aus drei Gründen. Erstens: Ein grundlegendes Verständnis zum Thema Finanzen erachten 83 Prozent der Bevölkerung gemäß einer bundesweiten Befragung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes als sehr wichtig oder wichtig. Doch schätzt nur jeder Dritte sein Finanzwissen tatsächlich als sehr gut oder gut ein. Beim Wissen über Wertpapiere ist es sogar nur jeder Siebte. Zweitens: Das Projekt "Mäuse, Moos und mehr", das wir gemeinsam mit der Rheinischen Post anbieten, hat eine lange Erfolgsgeschichte. Im vergangenen Jahr hatten wir fast 900 Teilnehmer aus 32 Klassen. Das zeigt: Das Interesse ist sehr groß. Und drittens: Junge Menschen regeln heute viel früher eigenverantwortlich Ihre Finanzen; und dies zum Teil in erheblichem Umfang. Darüber hinaus werden die ökonomischen Zusammenhänge immer komplexer und sind dementsprechend schwerer nachzuvollziehen.

Was müssen junge Menschen über Wirtschaft wissen?

Wnuck Sie sollten ein ökonomisches Basiswissen haben, von dem sie auch im Alltag profitieren können. Wie funktioniert ein Girokonto? Was ist bei einem Kredit alles zu beachten? Wie kann man Vermögen aufbauen und anlegen? Wer so etwas weiß, kommt mit seinen Finanzen besser klar. Der lässt sich nicht so leicht ein X für ein U vormachen. Genau das wollen wir: mündige Kunden, die ihre eigene Situation realistisch einschätzen können und gemeinsam mit ihrem Berater passgenaue Lösungen für ihre finanziellen Belange suchen und finden.

Vor welchen Fehlern sollten wir junge Menschen bei Ihren Finanzen bewahren?

Wnuck Sie sollten wissen, dass Wohlstand nicht vom Himmel fällt und es nichts umsonst gibt - auch nicht Kredite. Die jungen Leute haben heute tolle Chancen, die aber auch Risiken beinhalten. Die meisten Zwölfjährigen besitzen ein Smartphone. Mit denen kann man viel Sinnvolles machen. Es sind aber auch teure Geräte, die zum Teil erhebliche Folgekosten haben. Und das ist ja nur eine Verlockung von vielen. Später ist es dann das Auto. Oder Möbel für die erste eigene Wohnung. Alles scheint null Prozent zu kosten, so versprechen es zumindest viele Angebote in der Werbung. Plötzlich müssen dann jeden Monat eine Reihe von Raten bezahlt werden und auf dem Konto bleibt kaum etwas zum Leben übrig. Es geht heute schnell, in diese Schuldenfalle zu tappen. Davor würden wir mit unserem Projekt gerne möglichst viele Menschen bewahren.

Was ist Ihr wichtigster Rat an junge Menschen?

Wnuck Den Überblick zu bewahren. Sie müssen wissen, was sie sich leisten können. Viele überschätzen ihre Möglichkeiten und kaufen sich Dinge mit Hilfe von Krediten, für die ihnen eigentlich die Mittel fehlen. Es ist prinzipiell völlig in Ordnung, eine größere Anschaffung auch einmal zu finanzieren. Aber ich kann nicht alles über Kredite zu regeln versuchen. Kredite gibt es nicht umsonst. Und selbst wenn im Moment manche Tilgungsrate verlockend niedrig erscheint: Das geliehene Geld muss zurückbezahlt werden.

Lohnt sich Sparen überhaupt noch, wenn es keine nennenswerten Zinsen mehr gibt?

Wnuck Die Antwort ist eindeutig: Selbstverständlich lohnt sich das Sparen. Zwar sorgt die gegenwärtige Zinslandschaft für eine zusätzliche Verlockung: Kredite sind deutlich günstiger als vor einigen Jahren. Doch gerade bei größeren Zielen muss ich Anlauf nehmen, Geld ansparen, bis ich mir die Investition leisten kann. Das gilt bei einer Urlaubsreise, einem Auto genauso wie später beim Kauf einer Immobilie. Zu glauben, ich könnte mir größere Ausgaben und Anschaffungen einfach mal eben so leisten, wäre fatal.

Was müssen Schüler über Aktien wissen?

Wnuck Auch hier ist ein gutes Grundwissen wichtig. Viele halten das Börsenparkett für so eine Art Spielcasino. Das ist absolut falsch. Gerade bei der Anlage in Aktien oder Aktienfonds stehen ein langfristiger Anlagehorizont und die Absicht, nachhaltig Erträge durch Dividendenausschüttungen zu erzielen, im Mittelpunkt. Insofern ist auf die Qualität der Anlagewerte unbedingt zu achten. Wenn ich mir beispielhaft die Entwicklung des DAX der vergangenen 50 Jahre anschaue, ist das Ergebnis eindeutig: Die Kurve zeigt deutlich nach oben. Allerdings mit größeren Schwankungen und zum Teil heftigen Einbrüchen zwischendurch. Die muss ich als Anleger aushalten können und möglichst mein Geld nicht gerade in dem Moment dringend brauchen, wo die Kurse im Keller sind. Interessanterweise investieren viel weniger Deutsche als beispielsweise Niederländer, Briten oder Schweizer in Aktien. Die Anteilseigner unserer großen DAX-Unternehmen sind überwiegend Investoren aus anderen Ländern. Sie ernten damit einen wesentlichen Teil des Erfolgs der Deutschen Wirtschaft.

Müssen sich schon Jugendliche Gedanken über ihre Altersvorsorge machen?

Wnuck Die Lebenserfahrung zeigt, dass junge Erwachsene mit den ersten Schritten im Berufsleben konsumnahe Themen wie zum Beispiel den Kauf eines Autos oder der Einrichtung der ersten eigenen Wohnung in den Vordergrund ihrer Überlegungen stellen. Entsprechend ist der Sparprozess darauf ausgerichtet. Zum ökonomischen Basiswissen gehört meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass man sich auch beizeiten um das Thema Altersvorsorge kümmern muss, um nach dem Berufsleben seinen Lebensstandard in etwa halten zu können. Und auch hier gilt: Je früher desto besser - denn das Vorsorgen für das Alter ist vielleicht der längste und wichtigste Sparprozess.

Die Finanzpolitik stellt gerade vieles, was in der Wirtschaft jahrzehntelang als Gesetz galt, auf den Kopf. Müssen jetzt auch Erwachsene Wirtschaft neu lernen?

Wnuck Wirtschaft neu lernen geht mir zu weit. Fest steht: Aufgrund der aktuellen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, von der ich in naher Zukunft keine Abkehr erwarte, die ich aber aufgrund ihrer erheblichen Nebenwirkungen sehr kritisch sehe, muss das bisherige Anlageverhalten überprüft und gegebenenfalls neu adjustiert werden. Das ist den Anlegern und Sparern inzwischen bewusst und Gegenstand vieler Beratungsgespräche.

Ist es nicht als Bank schwierig, Bildungsaufgaben zu übernehmen?

Wnuck Das können und wollen wir nicht. Wir unterstützen die Lehrer mit unserem Unterrichtsmaterial und unserem Fachwissen bei ihrer anspruchsvollen Aufgabe. Das Material ist von Wirtschaftsexperten und pädagogischen Fachleuten gemeinsam aufbereitet worden. Wir bieten die Besuche unserer Finanzexperten in den Klassen zu verschiedenen Themen an und laden die Schüler zu uns ein. Aber all das ist freiwillig. Am wichtigsten ist uns, dass die Schüler wirtschaftliches Wissen vermittelt bekommen. Was immer den Lehrern dabei hilft, tun wir als regionale Bank gern und aus Überzeugung. Mit "Mäuse, Moos und mehr" wenden wir uns an Schüler der weiterführenden Schulen von den achten Klassen an aufwärts. Das Projekt richtet sich ausdrücklich an alle weiterführende Schulen, an Haupt- und Realschulen genauso wie an Gesamtschulen und Gymnasien. Ich freue mich über jede Klasse, die dabei ist. Noch können Lehrer und Schulleiter sich anmelden.

Wie erfolgreich waren Sie als Vater, Ihrem Sohn Wirtschaftskompetenz zu vermitteln?

Wnuck (lacht) Erstaunlich erfolgreich. Sie können sich vorstellen, dass es bei uns zu Hause auch immer um solche Themen gegangen ist. Mein Sohn überlegt gerade, sich selbstständig zu machen und wägt Vor- und Nachteile genau ab. Das freut mich. Da kann ich eigentlich bei der Vermittlung dieser Themen nicht alles falsch gemacht haben.

RALF JÜNGERMANN FÜRHTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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