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Kailash Satyarthi
Schülerpraktikanten interviewen Friedensnobelpreisträger

RP-Praktikanten interviewen Friedensnobelpreisträger
Mönchengladbach. Das Exklusiv-Interview mit Nobelpreisträger Kailash Satyarthi haben für uns im Dorint-Hotel Tom und Kyra (beide 14) geführt. Warum ausgerechnet unsere Jüngsten den Auftrag bekommen haben, lesen Sie hier. 

Das Interview mit dem Nobelpreisträger hätten viele Mitarbeiter der RP gerne geführt. Wir haben uns für die jüngsten Kollegen entschieden: die 14-jährigen Praktikanten Kyra und Tom. Der Grund: Kailash Satyarthi kämpft weltweit gegen Kinderarbeit, geriet dabei selbst oft in Lebensgefahr. Als wir den Inder treffen, merken wir, die richtige Wahl getroffen zu haben. Er freut sich riesig über die jungen Fragensteller.

Wieso gehen Sie so ein hohes Risiko ein, um Kinder zu retten?

Satyarthi Ich gehe kein Risiko ein. Ich mache meine Arbeit. Ich glaube an Freiheit, an Kindheit: Jedes Kind sollte reden, lachen und studieren können. Werde ich bedroht, macht mich das selbstbewusster und bestärkt mich in meiner Arbeit.

Was sagt Ihre Familie dazu, dass Sie ihr Leben bei der Arbeit riskieren?

Satyarthi Am Anfang hatten meine Mutter und meine Geschwister Angst um mich. Meine Mutter wollte mich immer wieder davon abbringen, hat dann aber gemerkt, dass das nicht klappt. So haben sich alle daran gewöhnt. Meine Kinder sind damit aufgewachsen, zwar hatten sie auch manchmal Angst - etwa wenn Drohanrufe kamen - aber sie sind dadurch zu sehr starken, mutigen Menschen geworden. Und meine Frau ist eine sehr gute Partnerin.

Was denken Sie über Malala Yousafzai, die im selben Jahr wie Sie den Nobelpreis bekommen hat?

Satyarthi Sie ist wie meine Tochter. Ich nenne sie auch Tochter und sie nennt mich Vater.

Wie konnten Sie Ihren Einsatz finanzieren?

Satyarthi Wir haben Geld von Organisationen und Einzelpersonen bekommen, die unsere Aktivitäten unterstützen wollten. Am Anfang war es hart, aber als die Leute den Wert der Arbeit erkannten, halfen sie uns immer mehr. Auch von der Regierung bekommen wir etwas Geld, aber das wichtigste ist die Unterstützung durch die Gesellschaft.

Wie konnten Sie sich ohne Waffen wehren, wenn sie von Feinden bedroht wurden?

Satyarthi Ich bezeichne niemanden als meinen Feind, empfinde keine negativen Gefühle für andere Menschen oder das Bedürfnis nach Rache. Auch wenn ich weiß, dass sie Schlechtes tun, sind sie menschliche Wesen. Ich kämpfe gegen das Böse, nicht gegen Menschen. Der beste Schutz vor Gefahr ist Selbstvertrauen. Man sollte immer von Zivilcourage angetrieben sein. Lieber sterbe ich in dem Wissen, Kindern geholfen zu haben, als nur faul auf der Couch gelegen zu haben.

Was denken die Menschen in Indien über ihre Arbeit?

Satyarthi Mir kommt es nur darauf an, was die Kinder denken. Wenn sie mir ein Lachen schenken, ist das das größte Kompliment für mich. Das Schönste ist, Kinder und deren Eltern glücklich zu machen. Darauf kommt es an.

Wie haben Sie für den Marsch gegen Kinderarbeit Leute aus aller Welt ohne das Internet zusammenbekommen?

Satyarthi Wir haben 30.000 Briefe an Organisationen und Einzelpersonen geschickt. Dann hieß es warten. Geld, um anzurufen, hatten wir nicht. Und das Ergebnis war toll. Kinder aus allen Teilen der Welt sind zusammen gelaufen und haben sich, obwohl sie unterschiedliche Sprachen sprechen, verstanden: durch die Sprache der Menschlichkeit.

Wie sind sie auf die Idee gekommen, Kindern zu helfen?

Satyarthi An meinem ersten Schultag habe ich einen Jungen auf der Straße gesehen, der Schuhe putzen musste und nicht wie ich zur Schule gehen konnte. Ich habe mich darüber geärgert und gemerkt, dass in der Welt etwas nicht stimmt. Das wollte ich ändern.

Wissen Sie, was mit dem Jungen passiert ist?

Satyarthi Leider nein.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, mit ihrer Arbeit aufzuhören?

Satyarthi Auf keinen Fall. Mein Ziel ist, das Ende von Kinderarbeit und -sklaverei noch zu erleben.

Haben Sie Pläne für die Zukunft?

Satyarthi Ich plane ein Projekt: 100 Millionen Kinder, denen es gut geht, für 100 Millionen Kinder, die nicht frei sind. Es soll eine Plattform sein, durch die Kinder Kindern helfen können. Über Social Media etwa sollen so auch Kinder ihre Stimme erheben können, um Freiheit und Bildung für alle zu fordern.

Es gibt viele Flüchtlinge hier. Was können wir für die Kinder tun?

Satyarthi Als junge Menschen könnt ihr helfen, eine positive Umgebung zu schaffen. Ihr solltet ihnen helfen und eure Stimme erheben. Denn, und das habe ich beim Mauerfall 1989 gelernt, es gibt "nur eine Welt für alle".

TOM KARTEN UND JOANA KYRA KRÄMER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH, SASKIA NOTHOFER FASSTE ES ZUSAMMEN.

Quelle: RP
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