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Mönchengladbach
Schweizer Paar: Auf Tour für ihre Borussia
Mönchengladbach: Schweizer Paar: Auf Tour für ihre Borussia
Das Kreuz der Schweizer-Fahne ist im Borussen-Fanblock nicht zu übersehen. Die Eidgenossen Andi und Brigitte Schröder sind hier Stammgäste. FOTO: Moritz Müller
Mönchengladbach. Die Schröders leben in der Schweiz. Auch 2013 wollen sie zu jedem Heimspiel der Borussia pendeln. In Holt haben sie eine Wohnung. Von Fabian Eickstädt

In den letzten Jahren hat Andi Schröder häufig gelitten, gezittert, geflucht. Blickt er hingegen auf die letzten zwölf Monate zurück, gerät der 47-Jährige ins Schwärmen: "Das war die schönste Saison, die ich je erlebt habe", sagt der Schweizer, der am 12.12.1980 sein erstes Borussia-Heimspiel im Stadion am Bökelberg erlebte. Die Reise war ein Geburtstagsgeschenk seiner Eltern.

Schröder ist Borussia-Fan mit Leib und Seele. Als solcher sind seine Stimmungen auch eng mit den Erfolgen des Clubs verbunden: "Was die Faszination von Borussia ist? Ich kann das nicht in Worte fassen", räumt Andi Schröder ein. "Schmerzen. Ich empfinde tatsächlich psychische Schmerzen, wenn Borussia verliert." Zum Glück waren es wenige in der vergangenen Saison.

Die Leidenschaft hält schon fast ein ganzes Leben: In der Schule sollte Andi Schröder einmal eine berühmte Person zeichnen. Der Schweizer griff zu Block und Stiften – und malte Wolfgang Kleff. Als die Lehrerin die Torwart-Legende von Borussia Mönchengladbach nicht erkannte, weigerte sich Schröder, eine andere Person zu wählen. Seine Eltern zitierte man zur Sprechstunde. "Mein Vater hat immer gesagt, das mit Borussia legt sich irgendwann", erzählt Schröder. Sein Vater irrte.

In Wattwil, in der Nähe von St. Gallen, lebt Andi Schröder. Rund 45 000 Fahrkilometer legte er in der vergangenen Saison für seine Borussia zurück und verpasste kein Spiel. In der aktuellen Spielzeit fehlte er lediglich beim Pokal-Spiel in Düsseldorf. Der Berufsschullehrer, der vor 19 Jahren den "Fanclub Schweiz 93" gründete, musste Rücksicht auf seine Urlaubstage nehmen. Selbstverständlich: Er sah jede Europa-League-Partie.

In der Bahn, auf der Straße, in der Luft – seit 1995 reist der 47-Jährige nicht mehr alleine. Beim Pokalfinale in Berlin lernte er die Rheydterin Brigitte kennen. Auch sie bezeichnet sich als "positiv verrückt". "Ich bin Fan seit der glorreichen Zeit in der 70-er Jahren", sagt die 53-Jährige. Zwei Jahre führten die Borussia-Begeisterten eine Fernbeziehung. Dann brach Brigitte Schröder, damals bei der Stadt beschäftigt, "alle Zelte in der Heimat ab" und zog in die Schweiz.

Nicht alle Zelte: Noch immer hält sich das Ehepaar eine Wohnung in Holt, in der Nähe des Stadions. "Wenn wir zu den Heimspielen nach Gladbach fahren, ist es daher immer ein wenig, als würden wir nach Hause kommen", sagt Andi Schröder. Den Rest der Zeit steht das Appartement leer.

Es gab auch schlechte Zeiten. "Wir sind immer gerne zu den Spielen gefahren", erzählt Brigitte Schröder, "aber in der Abstiegszeit war es wirklich schlimm, da hab' ich mich schon gefragt: ,Warum tust du dir das an?´" Sie selbst bezeichnet sich als "Stehaufmännchen", sie könne recht schnell abschalten, wenn Borussia mal verliere. Auf ihren Mann trifft das nicht zu.

Ob Hochzeit, Familienfeier, Urlaub – alles ordnet sich bei dem Ehepaar dem Spielplan der Fohlen unter. "Wir leben Borussia", sagt Andi Schröder, der schon jetzt Pläne für den Ruhestand hegt. "Wir werden nach Gladbach ziehen. Dann sparen wir uns ein paar Wege", sagt er und schmunzelt. Bis dahin werden sie weiter pendeln – auch 2013.

Quelle: RP/rl/top
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