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Mönchengladbach
Sechs Sterne für die Erste Hilfe

Mönchengladbach: Sechs Sterne für die Erste Hilfe
So wird es gemacht: 16 Auszubildende des SGN am Niederrhein erklären 18 Hephata-Bewohnern die Grundbegriffe der Ersten Hilfe. Für jede gemeisterte Station erhalten die Teilnehmer einen goldenen Stern. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Auszubildende des Schulzentrums für Gesundheitsberufe zeigen Menschen mit Behinderung die Grundlagen der Erstversorgung. Von Angela Rietdorf

Die Verletzungen sehen äußerst eindrucksvoll aus: Verbrennungen, ein offener Bruch, angeschwollene Wespenstiche stehen zur Auswahl und wollen versorgt werden mit Verbänden, Salben oder auch einem Anruf bei der 112. Für die echt wirkenden Wunden und Verletzungen zeichnet das Rote Kreuz mit Hilfe von Schminke und Geschicklichkeit verantwortlich, für alles weitere die Pflegeschülerinnen und -schüler des Schulzentrums für Gesundheitsberufe am Niederrhein (SGN) und die Teilnehmer aus Hephata.

Julia Vogl, die im dritten Ausbildungsjahr zur Gesundheits- und Krankenpflegerin steht, zeigt die großflächige, natürlich geschminkte Verbrennung vor. "Was würdet ihr da machen?", fragt sie die drei ihr gegenübersitzenden jungen Hephata-Bewohner. Die wissen, was zu tun ist und greifen zu einem Kühlpack, der in ein Handtuch eingewickelt werden sollte. Julia Vogl nickt zustimmend. Einen Tisch weiter wird über die Behandlung von Insektenstichen verhandelt. Drei gefährlich wirkende Stiche kann Pflegeschülerin Claudia Bargende vorweisen. Stefanie kennt sich aus: Die Stiche kann man zuerst mit einer aufgeschnittenen Zwiebel behandeln. "Und dann muss man beobachten, wie groß der Stich wird und vielleicht damit zum Arzt gehen", sagt die junge Frau, die schon eigene Erfahrungen mit Wespenstichen gemacht hat.

18 junge Menschen aus Hephata werden einen Tag lang mit den Grundbegriffen der Ersten Hilfe bekannt gemacht. 16 Auszubildende im dritten Jahr haben sechs Stationen geschaffen und überlegt, wie sie ihr Wissen gut verständlich weitergeben können. Alle Teilnehmer durchlaufen die Stationen, lernen, Pflaster und Verbände anzulegen, die Herzdruckmassage anzuwenden oder jemanden in die stabile Seitenlage zu bringen. Für jede gemeisterte Station gibt es einen goldenen Stern. Die Teilnehmer sind mit Eifer bei der Sache und beim Sternesammeln. "Die Aufmerksamkeit und Sorgfalt, die sie an den Tag legen, ist beeindruckend", stellt Andreas Bernard, Lehrer am SGN, fest.

"Die Teilnehmer leben meist in kleinen Wohngruppen oder eigenen Wohnungen und werden nicht ständig betreut", erklärt Hephata-Mitarbeiterin Marion Stappen. "Deshalb ist es wichtig, dass sie selbstständig reagieren können, wenn es notwendig ist." Alle sind sehr interessiert und haben Spaß dabei, so viel, dass manche schon zum zweiten Mal dabei sind. Außerdem gebe die Wiederholung Sicherheit, sagt Marion Stappen.

Spaß haben auch die Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler. Aber es steckt noch mehr hinter der Aktion: Es geht nicht nur um die Weitergabe von Wissen, sondern ein ebenso wichtiges Ziel ist das gegenseitige Kennenlernen. "In der Pflege muss man wissen, wie man mit Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen umgeht", sagt Julia Görtz, Auszubildende im dritten Jahr. "Dabei werden immer noch viele Fehler gemacht." Dagegen hilft der Praxistest: Die angehenden Krankenpfleger lernen Menschen mit geistigen Einschränkungen kennen.

"Es ist ein total netter Umgang miteinander", sagt Julia Vogl. "Unsere Teilnehmer sind sehr offen und sagen, was sie denken." So lerne man, ohne Vorurteile und Ängste aufeinander zu zugehen. Eine gute Vorbereitung für die Krankenpfleger der Zukunft.

Quelle: RP
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