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Mönchengladbach
Sechseinhalb Jahre Haft für Sven Lau gefordert

Mönchengladbach: Sechseinhalb Jahre Haft für Sven Lau gefordert
Der Bundesanwalt fordert 6,5 Jahre Haft für Sven Lau. FOTO: dpa, fg pil
Mönchengladbach. Für die Bundesanwaltschaft ist der gebürtige Mönchengladbacher ein "Überzeugungstäter". Lau soll zwei Männer für eine Terrororganisation in Syrien angeworben haben. Die Verteidigung fordert Freispruch. Von Franziska Hein und Gabi Peters

Seit 17 Monaten sitzt Sven Lau in Untersuchungshaft. Und geht es nach der Bundesanwaltschaft, dann muss die salafistische Szene weiterhin auf ihren bekannten Prediger verzichten. Denn der gebürtige Mönchengladbacher soll als Terrorhelfer zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt werden. So fordert es die Anklage. Die Vorwürfe gegen Lau hätten sich im Prozess "eindrucksvoll bestätigt".

Unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe soll Sven Lau von Deutschland aus den Dschihad unterstützt haben. So habe er zwei Männer für eine Terrororganisation in Syrien angeworben und den Kämpfern dort Nachtsichtgeräte beschafft, hieß es im Plädoyer des Anklagevertreters. Die Tatvorwürfe reichen ins Jahr 2013 zurück, also in die Zeit, bevor Sven Lau nach Düsseldorf umzog.

Schon seit Jahren steht Sven Lau unter der besonderen Beobachtung der Verfassungsschützer. Seine wahre Gesinnung hätten unter anderem abgehörte Sätze wie "Diese Drecksschiiten müssen langsam geköpft werden" gezeigt. In einem Video der Dschihadisten, das den 36-Jährigen beim Lauftraining zeigte, habe außerdem Lau gesagt: "Gelobt sei Allah für den Tag des Dschihads."

Sven Laus Verteidiger forderte einen Freispruch für seinen Mandanten. Sein Plädoyer leitete er mit den Worten ein: "Im Fußball würde man sagen: Die haben ein anderes Spiel gesehen als wir." Für den Bundesanwalt sei offenbar der "Tag der Abrechnung mit Herrn Lau" gekommen. Der Verteidiger wirft dem Bundesanwalt vor, einen Rachefeldzug gegen Lau zu führen.

In Mönchengladbach war Sven Lau im August 2010 in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Zu diesem Zeitpunkt war bekanntgeworden, dass eine salafistische Islamschule von Braunschweig nach Eicken verlagert werden soll. Sicherheitsbehörden warnten schon damals vor der hochgradig radikalisierungsfördernden Strömung, die ein geistiger Nährboden für Terroristen sei. Der mittlerweile aufgelöste salafistische Verein "Einladung zum Paradies", dessen erster Vorsitzender Sven Lau zeitweise war, hatte für den Moscheeausbau mit Islamschule Geld gesammelt. Eine halbe Million Euro seien in nur zwei Jahren aus Spenden zusammengekommen, hieß es im Prozess. Mehr als 200.000 Euro seien für das Moscheegelände ausgegeben worden, der Rest verschwunden. "Wo das Geld geblieben ist, wissen wir nicht", hatte ein Kriminalbeamter vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht ausgesagt.

Am kommenden Mittwoch könnte das Urteil gegen Lau fallen.

Quelle: RP
 
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