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Mönchengladbach
Seit 1889 gibt es in der Stadt Schwimmbäder

Mönchengladbach: Seit 1889 gibt es in der Stadt Schwimmbäder
Bruni Engels erfand den Namen Schlossbad Niederrhein. FOTO: Ilg
Mönchengladbach. Sonntag wird das Volksbad 90 Jahre alt. Das erste Schwimmbad war jedoch das Kaiserbad. Das größte Freibad gab es in Odenkirchen. Von Christian Lingen

Peter Krall war Ende des 19. Jahrhunderts ein Gladbacher Unternehmer mit Sinn für seine Mitmenschen. Im Laufe der Jahre hatte er im Bungtwald 65 Morgen Land erworben und verfügte, dass diese in den Besitz der Stadt übergehen sollen. Das Grundstück hatte er durch seine Mitarbeiter gestalten lassen. Um seine Idee umzusetzen, gründete Krall eine Stiftung und besetzte sie mit Personen, die er kannte. Dazu gehörte auch Hermann Busch, dessen Firma weitere Grundstücksteile beisteuerte. Auch die Stadt kaufte Land und erweiterte somit das Areal. 1895, zwei Jahre nach Kralls Tod, wurde die inzwischen parkähnliche Anlage geschlossen, ausgebaut und 1898 als Volksgarten neu eröffnet. Die Stiftung hatte schon immer den Sinn, einen Teil des Gartens für Jugend- und Volksspiele vorzuhalten. Dies bedenkend, entschied sich die Stadt 1924 dazu, das Volksbad zu bauen. Zwei Jahre später, im Juni 1926, wurde es feierlich eröffnet. Am kommenden Sonntag wird dieses Ereignis im Volksbad groß gefeiert.

Der Bau des Bades hatte einen doppelten Zweck. Damals herrschte eine breite Arbeitslosigkeit, und der Bevölkerung wurde die Möglichkeit gegeben, wieder zu arbeiten. Zum anderen wurde der Stiftungszweck erfüllt. Die Becken wurden durch Wasser aus dem Bungtbach gespeist. Der Eintritt kostete 30 Reichspfennig, damals die Hälfte eines normalen Stundenlohns. Anders als heute hatte das Volksbad auch im Winter geöffnet. Dann konnten die Gladbacher die Wasserflächen zum Schlittschuhlaufen nutzen. 1953 war das Bad Ort einer großen Reisetaubenschau. Während das Volksbad sein Gesicht kaum verändert hat, haben sich die die Sitten durchaus geändert. Früher ging es viel züchtiger zu. Männer schwammen im Sportbecken, Frauen und Kinder auf der anderen Seite des großen Gebäudes. Ein Zaun trennte die Bereiche. Die Becken hatten eine Länge von rund 100 Metern und waren von einem Sandstrand umgeben. Strandkörbe sorgten für Urlaubsstimmung. Getragen wurden beim Baden keine Bikinis oder Badeshorts, sondern hochgeschlossene Kleidungsstücke. Für Männer gab es Badeanzüge bis zum Oberschenkel und Frauen trugen Badekleider und darunter Hosen und Strümpfe.

So schön und modern das Volksbad damals auch daher kam, es hatte einen großen Konkurrenten. 1927 erwarb die damalige Stadt Odenkirchen die Beller Mühle und legte ein Jahr später im Mühlenweiher ein Schwimmbad und ringsum einen Park an. Das Freibad entwickelte sich zu einem Besuchermagneten und einer Sportstätte, die sich in ganz Deutschland einen Namen machte. Das Gebiet rings um die Mühle war sumpfig und so mussten die Arbeiter das Areal zunächst trockenlegen. Die Ausmaße waren damals enorm. Ein hundert Meter langes Becken entstand, eine Tribüne für 2500 Zuschauer wurde angelegt, ein zehn Meter hoher Sprungturm und eine lange Rutsche gebaut. Das Bad war wesentlich größer als das Volksbad. 1938 gab es einen schweren Sturm. Die Rutsche brach ein und wurde nie wieder aufgebaut. Der Schwimmmeister wohnte in einem Haus direkt im Freibad. Das Haus steht noch heute als letzter Überrest der einst so bedeutenden Sportstätte. In der Nacht zum 31. August 1943 kam es zu einem schweren Luftangriff der Alliierten. Die Beller Mühle wurde zerstört. Das Freibad blieb unversehrt. Nach dem Krieg zog das Bad Besucher aus dem gesamten Umland an. Bis zu 7000 Badegäste kamen an einem einzigen Tag. 1948 war das Schwimmbad Beller Mühle Austragungsort der Deutschen Meisterschaften im Schwimmen und Turmspringen. 10.000 Besucher kamen zum Zuschauen. Das Freibad erlebt seine Blütezeit. Doch dann kam das Jahr 1975 und brachte die kommunale Neugliederung. Die neu geschaffene Stadt hatte zu viele Schwimmbäder. Die Odenkirchener protestierten, sammelten Unterschriften, doch vergebens. 1981 wurde das bis dahin beliebteste Schwimmbad abgerissen. Heute ist das Gelände ein Naherholungsgebiet. Neben dem Haus des Schwimmmeisters ist noch etwas geblieben: Auf der Wiese, die früher ein Schwimmbad war, liegen an warmen Tagen noch heute die Sonnenanbeter.

Heute zieht es viele Mönchengladbacher auch ins Schlossbad Niederrhein. Im Sommer ist der Freibadbereich besonders populär. Doch auch innen hat das Bad viel zu bieten. Das war jedoch nicht immer so. Vor seinem Umbau hatte das bis dahin "Schlossbad Wickrath" heißende Hallenbad nur ein Sportbecken. Im Mai 2006 schloss die Stadt das Bad und begann mit umfangreichen Umbauarbeiten. Die Neueröffnung war für 2007 geplant und sollte rund 7,5 Millionen Euro kosten. Im September 2007 verkündete die NEW, damals noch NVV, dass sie einen neuen Namen wünsche. Die Zeit der Stadtteilbäder sei vorbei. Das umgebaute Bad sollte Publikum aus dem Umland anlocken. Die Wickrather waren damals gegen eine Namensänderung, setzten sich aber nicht durch. Zusammen mit der Rheinischen Post initiierte die NVV einen Namenswettbewerb. Der Gewinner bekam eine Platineintrittskarte im Wert von 200 Euro. "Niers-Eldorado", "Niersauenbad" und "Der Südpool" waren nur einige der rund 1500 eingereichten Vorschläge. Durchgesetzt hat sich schließlich Bruni Engels. Sie schlug den Namen "Schlossbad Niederrhein" vor. Damit waren alle zufrieden. Die NVV hatte einen neuen Namen und die Wickrather ein Stück Geschichte. Am 30. Januar 2008 durften 100 Leser der Rheinischen Post als erste im Schlossbad schwimmen.

Einen Namenswettbewerb für ein Schwimmbad zu veranstalten, war jedoch nichts Neues. Am 23. Juli 2001 kam es um kurz nach 11 Uhr zu einem Großbrand, den bis heute viele Mönchengladbacher in trauriger Erinnerung haben. Damals brannte das Zentralbad an der Lüpertzender Straße bis auf die Grundmauern nieder. Brandursache waren Schweißarbeiten. Im März 1975 war das für 16 Millionen D-Mark erbaute Bad eröffnet worden. Es war das erste Wellenbad am linken Niederrhein. Nach dem Brand entfachte sich ein politischer Streit zwischen den Fraktionen des damaligen Stadtrates. Währenddessen brannte die Ruine Ende Dezember 2001 ein weiteres Mal. Stefan Wimmers, damals Bezirksvorsteher, machte schließlich den entscheidenden Vorschlag: Das Zentralbad soll hinter dem Hauptbahnhof neu gebaut werden. Andere Politiker wollten es lieber im Nordpark neu erbauen. Der Vorschlag des CDU-Politikers setzte sich durch. Inzwischen hatte sich die Stadt mit der Versicherung auf 22 Millionen Euro Schadensersatz geeinigt. Die Ruine des Zentralbades wurde Ende 2002 abgerissen. An der Lürriper Straße, wo früher die GEM beheimatet war, begann im Sommer 2003 der Neubau. Ein Wettbewerb sollte über den Namen entscheiden. In die engere Wahl schafften es "AquaVith", "GladBad", "Schwemm-Hennes-Bad" und "Vitusbad". 1239 Bürger machten mit und reichten 866 Namen ein. 72-mal wurde der Name "Vitusbad" vorgeschlagen. Ein klares Votum. Elke Rhein wurde schließlich als Gewinnerin des Wettbewerbs ausgelost und erhielt eine Platineintrittskarte.

Während es in Gladbach schnell klar war, dass das Zentralbad neu entstehen soll, sah es in Rheydt anders aus. Am 6. Januar 2008 schloss das Pahlkebad. Lange stand nicht fest, wie es weitergehen soll. Am 7. November 1969 war das Stadtbad an der Pahlkekstraße eröffnet worden. Zuvor schwammen die Rheydter im alten Stadtbad, das 1902 in Betrieb genommen wurde und ein zehn mal 20 Meter großes Becken hatte. Das Bad diente vor allem der Körperreinigung, da zu dieser Zeit nur wenige Wohnungen über Badezimmer verfügten. Am 5. November 1969 wurde es geschlossen und später abgerissen. Heute steht an dieser Stelle das Karstadtgebäude. Nach der Schließung des neuen Stadtbades vor acht Jahren kam es erneut zum politischen Streit. Zunächst ging es um den Denkmalschutz, der schließlich festgestellt wurde. Plötzlich erklärten alle Parteien ihre Verbundenheit mit dem Bad. Das Problem: Der Denkmalschutz trieb die Sanierungskosten hoch. Der Stadtsportbund votierte hingegen für einen Neubau am Grenzlandstadion. Am 27. September 2010 begann schließlich die Sanierung, die rund acht Millionen Euro kostete. Zwar gibt es keine Sauna mehr, dafür aber einen Kindergarten. 80 Prozent der Kosten trug das Land. Am 30. März 2012 wurde das Pahlkebad, das offiziell noch immer Stadtbad heißt, wieder eröffnet.

Neben den großen Bädern besitzt die Stadt noch die Hallenbäder in Giesenkirchen und Rheindahlen. Der Schwimmbetrieb wird von Vereinen aufrecht erhalten. Alle anderen Bäder, darunter die Hallenbäder in Odenkirchen, Morr und Hardt, die Schwimmbäder Neuwerk und Berliner Platz sowie das Freibad Giesenkirchen gibt es nicht mehr. Auch das erste Gladbacher Schwimmbad, das 1889 eröffnete Kaiserbad, gibt es nicht mehr. Es stand dort, wo später gleich nebenan das Schwimmbad am Berliner Platz gebaut wurde und hatte ein russisches und ein römisch-irisches Bad. Strom erzeugte eine Dampfmaschine. Der Prachtbau wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach nur in schlichter Form wieder aufgebaut. 1975 riss man das Bad ab. Heute führen an dieser Stelle Treppenstufen hinauf zum Mengehaus.

Quelle: RP
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