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Mönchengladbach
Selbsthilfe ist weiblich

Mönchengladbach. Drei Viertel der Interessenten bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle sind Frauen. Stark nachgefragt bleiben die Angebote bei Depression, Trennung und Scheidung, Fortschritte gibt es bei der Etablierung des Angebots unter Migranten. Von Angela Rietdorf

Das Spektrum der Selbsthilfegruppen in Mönchengladbach ist eindrucksvoll, die Anzahl ebenso: 120 Gruppen haben sich zu 100 unterschiedlichen Themen organisiert. Von A wie Adipositas über F wie Frauenselbsthilfe nach Krebs und M wie Messie-Syndrom bis V wie Verwaiste Eltern. Im vergangenen Jahr erreichten die Selbsthilfe-Kontaktstelle Mönchengladbach 2481 Anfragen. Unter den Anfragen sind viele von Menschen, die eine Selbsthilfegruppe suchen oder gegebenenfalls eine gründen möchten.

Drei Viertel der Interessenten sind weiblich. Bei den Themen liegen seit Jahren zwei an der Spitze: Depression und alles, was mit Trennung und Scheidung zusammenhängt. Dazu kommt der Themenbereich Migration. Zusammengefasst gehören 41 Prozent der Anfragen zum Bereich "Soziales", wobei das Problemfeld der psychischen Belastungen seit Jahren wächst.

Fortschritte verzeichnet die Selbsthilfe-Kontaktstelle bei der Etablierung des Selbsthilfe-Angebots unter Migranten und hier besonders in der türkischsprachigen Gemeinschaft. "Es gibt jetzt eine türkischsprachige Selbsthilfegruppe von Frauen mit Depressionen und anderen psychischen Belastungen", erklärt Nadiye Yuvarlak, zu deren Aufgaben es gehört, Migranten die Selbsthilfe-Idee näher zu bringen und neu gegründete Gruppen zu begleiten. Ganz unbekannt ist der Selbsthilfegedanke aber auch in den Migranten-Communitys nicht: Schon seit langem gibt es zum Beispiel den türkischen Elternverein, der dem Paritätischen Verband angehört und Angebote im Zentrum an der Friedhofstraße macht.

Erfreut stellen die Mitarbeiter der Kontaktstelle fest, dass ihre Arbeit immer stärker in den Fokus von Ärzten, Krankenkassen, Beratungseinrichtungen und Therapeuten rückt. "Wir verzeichnen einen Anstieg von Anfragenden mit professionellem Hintergrund, die sich nach Möglichkeiten für ihre Patienten erkundigen", erklärt Georg Meurer von der Kontaktstelle.

Gibt es Anfragen und die Selbsthilfe-Experten können in keine existierende Gruppe vermitteln, wird versucht, eine neue ins Leben zu rufen. "Wir suchen dann das Gespräch mit den Interessierten, gehen an die Öffentlichkeit, um weitere Teilnehmer zu gewinnen und begleiten die Gruppe noch drei bis fünf Mal, je nach Bedarf", beschreibt Meurer das Vorgehen. Auf diese Weise wurden im vergangenen Jahr 13 neue Gruppen angestoßen. Dazu gehören unter anderem eine Gruppe von Angehörigen Krebsbetroffener, eine von Eltern psychisch auffälliger Kinder, eine für Singles und eine für Menschen mit Frühdemenz. Auch in diesem Jahr verzeichnet die Kontaktstelle einen großen Bedarf an neuzugründenden Gruppen. Allein im April 2017 sind neun neue Gruppen angestoßen worden: Borderline gehört hier ebenso zu den Themenbereichen wie Essstörungen oder sexueller Missbrauch in der Kindheit.

Um die Öffentlichkeit, Betroffene und Mittler schneller und aktueller informieren zu können, setzt die Kontaktstelle seit neuestem auch einen Newsletter ein. Es werden Veranstaltungstermine veröffentlicht, die Neugründung von Selbsthilfegruppen bekanntgegeben und über die Aktionen bestehender Gruppen informiert.

"Wir versenden die jeweiligen Newsletter nicht nur an Interessierte aus den Selbsthilfegruppen oder an Politik und Verwaltung, sondern auch an Krankenhäuser und Arztpraxen", so Ina Lauterbach von der Selbsthilfe-Kontaktstelle.

Das Projekt wird im Rahmen der Selbsthilfeförderung von den Ersatzkassen, Barmer, TK, DAK-Gesundheit, KKH und HEK finanziert. Der Newsletter ist kostenfrei. Anmeldungen sind möglich unter www.selbsthilfenews.de.

Quelle: RP
 
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