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Mönchengladbach
Sexuelle Übergriffe sind nicht importiert

Mönchengladbach. Die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln haben die Diskussion über Übergriffe auf Frauen angeheizt. In der Opfer-Hilfe sind aber kaum Konsequenzen zu spüren. Die Frauenberatungsstelle MG ist seit Jahren unterfinanziert. Eine prekäre Situation. Von Gabi Peters

Rund 1000 Gespräche über sexuelle Übergriffe, Schläge, Demütigungen und Unterdrückung werden in der Frauenberatungsstelle Mönchengladbach pro Jahr geführt. Daran werden die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln nicht viel ändern. "Wir beschäftigen uns mit dem Thema sexualisierte Gewalt, seitdem es uns gibt", sagt Beraterin Doris Ingenhag, Köln sei kein neues Phänomen und erst recht kein importiertes. "Wir wissen schon lange, dass die meisten Übergriffe und Vergewaltigungen keineswegs von fremden Tätern im Dunklen erfolgen, sondern zu Hause, im vertrauten familiären und privaten Umfeld", sagt Doris Ingenhag. Das passiere auch in Mönchengladbach oft, wie die Fallzahlen in der Beratungsstelle zeigen. Und dies sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn die Nachfrage ist groß. Gäbe es mehr Beraterinnen, könnte noch mehr misshandelten Frauen geholfen werden. Aber die Kapazitätsgrenzen sind mehr als erreicht.

"Früher waren wir immer stolz darauf, dass wir so schnell Hilfe anbieten können. Heute müssen bei uns Frauen auch schon einmal vier Wochen auf einen Termin warten", sagt Beraterin Ruth Pütmann. In der Beratungsstelle Mönchengladbach teilen sich drei Frauen zwei Personalstellen. Für die Opferhilfe gibt es zwar finanzielle Unterstützung vom Land und von der Stadt, aber die Finanzierung ist nur zu 85 Prozent gedeckt. "Den Rest müssen wir über Spenden hereinholen", berichtet Doris Ingenhag. Früher habe die Frauenberatungsstelle noch einen erklecklichen Betrag durch gespendete Bußgelder erhalten. Aber auch dies sei nun weitestgehend weggebrochen. 90 Prozent der Bußgelder werden heute nicht mehr für einen gemeinnützigen Zweck ausgegeben, sondern fließen in die öffentliche Kasse. Beraterin Silvia Henke findet diese Situation paradox: "Unsere Hilfe ist ausdrücklich erwünscht und auch notwendig, und trotzdem sind wir nicht ausreichend abgesichert." Die Beratung und Unterstützung in der Beratungsstelle ist nicht nur für die zum Teil schwer traumatisierten Frauen äußerst wichtig. Die Hilfe ist auch nachhaltig. Denn Kinder, die mit unverarbeiteten Gewalterfahrungen aufwachsen, werden später oft selber zu Opfern oder Tätern.

Sexistische Übergriffe stünden nicht in Verbindung mit Herkunft und Religion, sagt Silvia Henke. "Das Frauenbild, das in unserer Gesellschaft transportiert wird, ist auch nicht das aufgeklärte und gleichberechtigte", sagt sie. Die Werbung suggeriere, dass Mädchen hübsch und sexy sein müssen, um anerkannt zu sein. "Aber trägt die junge Frau dann ein knappes T-Shirt und es kommt zu einem sexuellen Übergriff, heißt es gleich: Die hat es ja nicht anders gewollt", so Ruth Pütmann.

Die drei Beraterinnen sind sich einig, dass die Hilfen für die gedemütigten und misshandelten Frauen, die oft jahrelang an psychischen Erkrankungen leiden, eigentlich ausgebaut werden müssten. Um wenigstens den Status quo finanzieren zu können, planen sie jetzt die Aktion "Schenken Sie einen Quadratmeter Mut". Einzelpersonen oder Unternehmen können gegen eine Spende die Patenschaft für einen Raumquadratmeter in der Frauenberatungsstelle übernehmen. "Sie unterstützen damit die Hilfen für die Frauen, die zu uns kommen und den Mut für einen gewaltfreien Neuanfang aufbringen", sagt Silvia Henke. Am 5. April, 19 Uhr, wird es eine Informationsveranstaltung zu dieser Aktion in der Frauenberatungsstelle an der Kaiserstraße 20 geben.

Interessierte Paten können sich aber auch jetzt schon melden ( frauenberatung-mg@freenet.de). Da die Beratungsstelle als gemeinnützig anerkannt ist, werden es auch Spendenquittungen ausgestellt.

Quelle: RP
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