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Serie Meine Ausbildung (10)
Sie backt nicht nur die kleinen Brötchen

Serie Meine Ausbildung (10): Sie backt nicht nur die kleinen Brötchen
Alina Kirstein backt am liebsten Kuchen. Für Erdbeertorten müssen da natürlich auch die Früchte klein geschnitten werden. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Alina Kirstein ist im ersten Lehrjahr und macht eine Ausbildung zur Bäckerin. Am liebsten backt sie Kuchen und Torten. Das frühe Aufstehen bereitet ihr keine Probleme. Nach der Ausbildung stehen ihr viele Möglichkeiten für die Zukunft offen. Von Christian Lingen

Wenn andere gemütlich im Bett liegen und sich in ihrer Tiefschlafphase befinden, muss Alina Kirstein aufstehen. "Das war anfangs natürlich nicht leicht, aber man gewöhnt sich daran", sagt die 22-Jährige. Alina Kirstein macht eine Ausbildung zur Bäckerin und befindet sich gerade in ihrem ersten Lehrjahr. Ihr Arbeitstag beginnt um 3 Uhr in der Nacht. Dann backt sie in der Holter Bäckerei Fischer Brötchen, damit die Kunden morgens etwas Anständiges auf dem Tisch haben.

Der Betrieb Die Bäckerei Fischer wurde 1878 gegründet und ist seit damals in Familienbesitz. Peter Fischer betreibt das Unternehmen in der sechsten Generation. "Wir waren immer an diesem Standort. Zurzeit beschäftige ich vier Mitarbeiter, davon zwei Auszubildende", erzählt der Chef. Seine Bäckerei ist noch ein echter Handwerksbetrieb. Maschinen, die das Brot von alleine backen, sucht man bei ihm vergebens. "Bei uns ist alles Handarbeit. Das ist mir wichtig", sagt Peter Fischer.

Die Bewerbung Wer eine Ausbildung zum Bäcker beginnen möchte, der sollte mindestens einen Hauptschulabschluss haben. "Am wichtigsten sind Kenntnisse in Naturwissenschaften. Backpulver führt zu chemischen Reaktionen. Hefe ist ein biologisches Produkt, und wenn man eine Biskuitmasse herstellt, dann passiert ein physikalischer Vorgang", erklärt Peter Fischer. Außerdem muss ein angehender Bäcker kommunikativ sein. In einer Backstube muss man miteinander sprechen. "Wenn sich jemand bei mir um einen Ausbildungsplatz bewirbt, dann lasse ich ihn kommen und lade ihn zu einem Praktikum ein. Ein persönlicher Eindruck ist immer am besten", sagt Fischer.

Die Ausbildung "Ich habe schon als Kind gerne gebacken. Das machen in meiner Familie alle gerne", erzählt Alina Kirstein. Der Weg in die Lehre war da vorgezeichnet. "Als erstes habe ich gelernt, wie man Brötchen backt", erinnert sich die 22-Jährige. Danach ging es dann aber auch schnell an schwierigere Dinge wie zum Beispiel Kuchen und Torten. "Am liebsten backe ich Erdbeerkuchen", verrät die Auszubildende. Das frühe Aufstehen bereitet ihr inzwischen keine Probleme mehr. Damit das klappt, geht sie einfach früher ins Bett. "Die Ausbildung zum Bäcker findet in einem dualen System statt. Die Lehrlinge verbringen vier Tage in der Bäckerei und einen Tag in der Schule. Ich halte das für besser als Blockunterricht. Die Kombination aus Theorie und Praxis bringt die Auszubildenden voran", sagt Peter Fischer. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Bevor ein Lehrling überhaupt an die Lebensmittel heran darf, lernt er, wie richtige Hygiene funktioniert. "Bei uns verbringen die Lehrlinge die komplette Ausbildung hier am Standort", sagt Peter Fischer. Dass das Bäckerhandwerk zu den ältesten Gewerken überhaupt gehört, ist für Alina Kirstein kein Zufall. "Ein Bäcker versorgt die Menschen mit Grundnahrungsmitteln", sagt sie.

Die Berufsschule Jeden Freitag besucht Alina Kirstein das Berufskolleg Glockenspitz in Krefeld. Was sie in der Backstube lernt, wird dort noch einmal in der Theorie vertieft. In der Praxis sieht das dann aber doch manchmal anders aus. "Wenn zum Beispiel im Sommer die Temperaturen extrem hoch sind, kann sich ein Teig anders verhalten", sagt Peter Fischer. Dennoch ist der Unterricht wichtig. "Wir lernen zum Beispiel, wie ein Backofen funktioniert, welche Prozesse im Teig ablaufen, wenn man Hefe verwendet, oder wie sich Mehl zusammensetzt", erzählt Alina Kirstein. Manchmal stehen aber auch ungewöhnliche Themen auf dem Lehrplan. Dann geht es zum Beispiel um Starkoch Jamie Oliver und seine Art, Speisen zuzubereiten.

Die Zukunft Nach der Ausbildung stehen Alina Kirstein viele Möglichkeiten offen. "Man kann Lebensmitteltechnik studieren oder den Meister machen. Münden kann der Weg in der Lebensmittelforschung oder der Selbstständigkeit", erklärt Peter Fischer. "Ich werde nach der Ausbildung wahrscheinlich studieren", sagt Alina Kirstein. Der Beruf des Bäckers ist einer mit Zukunft. Die Nachfrage nach Bäckern ist hoch - Brot, speziell handwerklich hergestelltes, braucht der Mensch immer.

Quelle: RP
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