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Mönchengladbach
Sie lassen in Mönchengladbach morden

Mönchengladbach: Sie lassen in Mönchengladbach morden
Krimi-Autoren aus Mönchengladbach (v.l.): Jutta Profijt, Arnold Küsters, Thomas Hoeps und Jac. Toes, Patricia Vohwinkel, Rüdiger Janczyk und Jürgen Schmicker. FOTO: Knappe (2), Ilgner (2), Wiechmann, Schmicker
Mönchengladbach. Krimi-Autoren aus der Region wählen als Tatorte gern Standorte in Mönchengladbach. Besonders "beliebt" sind Sportarenen, darunter das Bökelbergstadion, der Borussiapark und die Hockey-Arena im Nordpark. Von Dirk Richerdt

Keine Grenzen kennt die Fantasie von Schriftstellern, die sich Verbrechen ausdenken. Und so begegnet der Krimi-Leser, der einschlägige Publikationen des Genres Niederrhein-Krimi aus dem Bücherschrank zieht, allerhand Gruseligem. Die Opfer werden erschossen, erschlagen, vergiftet oder per Armbrust ins Jenseits befördert. Wir nehmen Tatorte in den Fokus.

Bökelberg Autoren setzen gern auf die Sportbegeisterung der Leser. So eröffnete der Schwalmtaler Jürgen Schmicker (60) bereits 2002 in seinem Roman "Mord am Bökelberg" eine besondere Mordserie. Fünf Opfer rund um die legendäre "Kull" an der Bökelstraße fallen einem geheimnisvollen Täter zum Opfer. Der ist Borussia-Fan, "schmückt" er sein erstes Opfer doch mit dem Vereinssymbol, der Raute. Der Gladbacher Pressefotograf Ferdi Caspers findet den Toten und versucht mit den Fotos der Leiche seine abgeknickte Karriereleiter aufzurichten.

Der Journalist und Schriftsteller Arnold Küsters, Jahrgang 1954, knüpft 2008 in seinem Krimi "MK Bökelberg" an diese Mord-Tradition an. Da ist der Abriss der Fußball-Kultstätte in vollem Gange. Baggerführer Heinzi Plaetzken und sein türkischer Kollege Mehmet Binici finden beim Abriss der Zuschauertribüne nahe dem alten Ehrenmal, das an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Vereinsmitglieder des VfL Borussia erinnert, Skelettteile eines Mädchens, die dort rund zehn Jahre einbetoniert waren.

Hauptquartier Kurze Zeit später wird in einem Gebüsch am Antrim Drive im inzwischen von den Briten und Nato-Stäben verlassenen Hauptquartier (Headquarters) Rheindahlen die Leiche eines etwa sechs Jahre alten Jungen gefunden. Die unmittelbare Nähe zu einem Fußballplatz bringt die Kommissare Borsch und Eckers von der Gladbacher Kripo auf die Idee, dass beide Kindermorde etwas mit Fußball zu tun haben könnten.

Nordpark Auf Initiative der Rheinischen Post und des Städtischen Kulturbüros erschien im Frühjahr und Frühsommer 2006 der als Fortsetzungsroman auf RP online veröffentlichte Krimi "Rhein-Site-Story". Er handelt von der bevorstehenden Hockey-Weltmeisterschaft der Herren, die im September 2006 im Gladbacher Hockeypark stattfand. Der multimediale Internet-Krimi lockte in fünf Monaten mehr als 18.000 Besucher auf die Internetseite. Die Geschichte entwickelten im Wechsel die Autoren Jutta Profijt, Patricia Vohwinkel und Carsten Sebastian Henn. Im Herbst 2006 erschien der Krimi in Buchform unter dem Titel "Der Tod spielt mit". Darin wird der Präsident des Deutschen Hockeybundes, Martin Kollweid, ermordet. Seine Leiche wird im Betonsockel des frisch gegossenen Siegerpodestes gefunden, Tatwaffe ist der WM-Pokal der Damenmannschaft von 2003.

Ganz fies ist die Tat, die Christiane Franke 2011 in der Anthologie "Scharf geschossen" (KBV, 2011) schildert, aber es ist kein Mord. In ihrer Kurzgeschichte "Gleiches mit Gleichem" verübt eine eifersüchtige Fußballspielerin aus Mönchengladbach einen Anschlag auf eine Kollegin. Die Täterin, Sabine Habener, verätzt der verhassten Nebenbuhlerin Simone Lange die Augen, indem sie die Lauge für deren Kontaktlinsen in der Spielpause im Borussia-Stadion durch ein scharfes Reinigungsmittel ersetzt. Aus Rache unter anderem dafür, dass sie beim Freundschaftsspiel der FFG Mönchengladbach mit der Nationalmannschaft zur Frauenfußball-WM nicht aufgestellt worden ist.

Geroweiher Seine ganze Familie hat der Polizeimeister Schulz in einem Amoklauf ausgelöscht. Danach richtet er sich mit seiner Dienstwaffe selbst, noch im Kostüm eines Weihnachtsmannes, den er bei einer Weihnachtsfeier im Kollegenkreis gespielt hat. Gefunden wird seine Leiche "direkt neben dem Geroweiher, einem Stadtpark-Tümpel unweit der Innenstadt", beschreibt der Autor Rüdiger Janczyk den Tatort. Janczyk, geboren 1962, arbeitet als niedergelassener Arzt in Mönchengladbach. Sein Krimi "Vincents Methode" ist 2005 erschienen.

Niersauen Neuwerk "Tod an der Niers" - schon der Titel des 2015 ebenfalls bei Emons erschienenen Krimis verrät den Fundort einer Frauenleiche. Der Täter hatte sie, mit Steinen beschwert, am Grund eines privaten Tümpels, der eine direkte Verbindung zur Niers auf Neuwerker Gebiet hat, versteckt. Doch nach einem Gewitter treibt die Tote an die Fluss-Oberfläche. Die Kommissare Björn Grimm und Fabian van Dijk müssen sich in dem Krimi "Tod an der Niers" von Christoph Güsken, der in Mönchengladbach aufgewachsen ist, mit komplizierten Recherchen herumplagen.

Museum Abteiberg Den wohl spektakulärsten Tatort beschreibt das deutsch-niederländische Autorenduo Thomas Hoeps/Jac. Toes in seinem Kunstkrimi "Nach allen Regeln der Kunst" (2007, Grafit Verlag). In einer skulpturalen Installation der Künstlerin Mathilde ter Heijne entdecken Mitarbeiter des Museums Abteiberg eine verschnürte Frauenleiche. Ein heftiger Schock für Museumsdirektor Dr. Zink und Restaurator Robert Patati. Patati ermittelt nun auf eigene Faust. Als kurze Zeit später am Museum für Moderne Kunst in Arnheim eine weitere Frauenleiche auftaucht, reist Patati dorthin und lernt die Profilerin Micky Spijker kennen.

Kaiser-Friedrich-Halle In einer Seitenstraße nahe der KFH wird die Leiche eines Mannes gefunden, den ein Unbekannter mit einem Bolzenschuss aus einer Armbrust getötet hat. Voraufgegangen war ein Anschlagsversuch mit derselben Waffe auf einen Event-Manager im "Gewerbegebiet Mönchengladbach". Das ist eine vage Ortsangabe. Den Krimi "Der Armbrustmörder" schrieb Alfred Bekker (51), ein Fantasy-Autor aus dem Münsterland.Hardter Wald Eine Mordserie aus Rache steht im Mittelpunkt von Arnold Küsters' Roman "Maskenball" (2006). Der erste Tote wird im Park der Hardterwaldklinik (heute: Herzpark) entdeckt. Die brutalen Taten, so stellt sich heraus, stehen im Zusammenhang mit Ereignissen am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Quelle: RP
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