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Mönchengladbach
Sinfoniker begeistern zum Jahresauftakt

Mönchengladbach. Neujahrskonzerte haben ihre besondere Faszination: Das wissen die Niederrheinischen Sinfoniker und GMD Mihkel Kütson. So zauberten sie ein gelungenes Konzertprogramm auf die Große Bühne des Theaters Mönchengladbach. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Was auch musikalisch gut zu der schönen Nach-Champagnerlaune am Neujahrstag passt, das wissen die Niederrheinischen Sinfoniker und GMD Mihkel Kütson. So zauberten sie mit "Neujahrsgrüßen aus der ganzen Welt" ein buntes Konzertprogramm auf die Große Bühne des Theaters Mönchengladbach. Zu Gast war zudem die junge Saxophonistin Asya Fateyeva. Ein wirklich gelungener Start ins Jahr 2016.

Neujahrskonzerte haben ihre ganz besondere Faszination. Sie stehen auf ausgesprochen sympathische Weise ein wenig neben der Spur, schon allein wegen des obligatorischen Radetzky-Marsches am Ende. Als wären sie in einer Zwischenwelt von einem zum anderen Jahr in einer Schleife gefangen.

In diese so schöne Nach-Champagnerlaune passt, das wissen die Niederrheinischen Sinfoniker genau, leichte abwechslungsreiche Kost. Spritziges, gerne auch etwas Weiches und Zärtliches, vielleicht auch Bedächtiges durfte am Abend des 1. Januar im Theater Mönchengladbach erklingen. Optimistisch nachdenkliche Grußworte von OB Reiners, die auf die Bedeutung von Weltoffenheit und Toleranz zielten, gaben auch eine ernstere Komponente mit auf den Weg. Was natürlich nicht heißt, dass man es sich musikalisch zu leicht gemacht hätte, ganz im Gegenteil. Man leistet sich zu Neujahr ein ausgesprochen anspruchsvolles Programm.

Mihkel Kütson und sein Orchester bewiesen schon oft ihre musikalische Wandlungsfähigkeit. Das eindimensionale ist ihnen auf so angenehme Art fremd. Deshalb passt es derart gut zu ihnen, mit "Neujahrsgrüßen aus der ganzen Welt" auf der übrigens trefflich ausstaffierten Großen Bühne, musikalisch anzustoßen. Ein entzückend zusammengestelltes Programm, durch das Generalintendant Michael Grosse mit, seiner erfrischend unprätentiösen Art führte - das ist authentisch. So authentisch, wie der gesamte Abend.

Den Anfang machte "Pineapple Poll", ein durch Charles Mackerras(1925-2010) aus Musik des Engländers Arthur Sullivan (1842-1900) zusammen-arrangiertes komisches Ballett. Überheitere Belustigungsmusik und schwelgerische Streicherseligkeit - herrlich wie geschmackvoll Mihkel Kütson und seinen Musikern die Grätsche zwischen Sentimentalität, Komik und stilvoller Einfachheit gelingt. Ähnliches galt für sein Dirigat, der nach der Pause erklingende "Mississippi Suite" des Amerikaners Ferde Grofé (1892-1972). Wo es zu Recht auch mal nach einem Cartoon klingen durfte. Mit Miklós Rózsa (1907-1995), Großmeister der Filmmusik, ging es vorher aber noch nach Ungarn. Bevor er mit Musiken zu Filmen wie Ben Hur oder Quo Vadis der Inbegriff für den Hollywood-Sound wurde, schrieb Rózsa ganz im Stil Bartóks und Kodálys - sehr fantasievoll zusammengefügte Konzertliteratur. Auch hier kokettierten die Sinfoniker leichtfüßig mit ihrer Transparenz.

Die gläsernen stillen Passagen voller Zauber, das können sie wirklich richtig gut! Intim - als sinnlicher Ruhepol - wurde es mit Poème aus Zdenìk Fibichs (1850-1900) "Stimmungen, Eindrücke und Erinnerungen". Ganz auf Wirkung nach Außen hingegen war Johann Strauss Sohn stets bedacht. Sein beschwingt rasselnder Persischer Marsch entführt den Zuhörer in eigentümlich floral umwebte orientalische Gefielde. Die Kütson hingegen etwas gewichtiger nahm. Das kann man aber durchaus machen.

Um den Nahen Osten - auch überdeutlich hörbar - ging es auch im Bacchanale aus "Samson et Dalila" von Saint-Saëns. Das bot nicht nur den Bläsern viel Raum für orientalisierende Virtuosität, auch hier bewiesen die Streicher vor allem ihre Qualität. Qualität erwartete das heiter gestimmte Publikum auch mit der Solistin des Abends, der wunderbar klar und golden spielenden Saxophonistin Asya Fateyeva. Nicht nur Roberto Molinellis (geb. 1963) "Four Pictures from New York", auch ihre Zugabe, ein Arrangement von Darius Milhaud's Brazileira aus seiner "Scaramouche"-Suite, ließ jubeln. Amerikanisch blieb es zum Schluss auch mit der Ouvertüre zu "Girl Crazy" von Gershwin.

Quelle: RP
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