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Mönchengladbach
Sinfoniker im Swing-Rausch am Schloss

Mönchengladbach: Sinfoniker im Swing-Rausch am Schloss
30 Grad um 20.30 Uhr, das war selten bisher bei der Sommermusik Schloss Rheydt. Die Musiker und das Publikum genossen den klassischen Abend im schönen Ambiente. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Bei der zehnten Auflage der Sommermusik leitete Generalmusikdirektor Mihkel Kütson selbst das Jubiläumsprogramm. Von Dirk Richerdt

Als Mihkel Kütson den Einsatz für die Ouvertüre der Opernrarität "Zampa" von einem gewissen Louis F. Hérold gibt, herrschen noch immer hochsommerliche Temperaturen auf der Turnierwiese und der überdachten Bühne zwischen Vorburg und Herrenhaus. 30 Grad um 20.30 Uhr, das war selten in den bisher neun Serien der Sommermusik Schloss Rheydt. Bis auf die ersten beiden Reihen sind die verfügbaren Plätze zwischen den Niederrheinischen Sinfonikern und den beiden überdachten VIP-Bereichen an der Vorburgwand fast vollständig besetzt. Das Event "Klassik Open Air" ist ein Selbstläufer.

Das weiß auch Norbert Post. Der CDU-Landtagsabgeordnete erinnert sich: "Ich war, mit Ausnahme eines Sommers, immer dabei, wenn die Niederrheinischen Sinfoniker am Schloss auftraten", sagt er, "und ich war immer begeistert". Das schafft das Orchester, stimmkräftig unterstützt von den Solisten Izabela Matula (Sopran) und Rafael Bruck (Bariton), auch diesmal wieder. Von einem entfernten Platz aus verfolgt einer das zweieinhalbstündige Konzert, das als traditionelles Finale wieder ein Feuerwerk beschließt, der dem Projekt beruflich eng verbunden ist. Kapellmeister Alexander Steinitz, der in den zurückliegenden Jahren das Open-Air der Sinfoniker am Schloss dirigierte, genießt das bunte Programm, das sein Chef, Generalmusikdirektor Mihkel Kütson, unter das Abba-Motto "Thank you for the Music" gestellt hat. Steinitz: "Als ich 2012 frisch hier ans Theater kam, war das Klassik-Open-Air für mich die allererste Begegnung mit dem hiesigen Publikum. Das hat mich geprägt."

Doch die Jubiläums-Gala mit Ausschnitten aus Operetten, Opern, Musicals, Instrumentalsätzen und der Jazz-Oper "Porgy and Bess" von Gershwin will Mihkel Kütson selbst leiten. Und sorgt damit für einen vorgezogenen, werbewirksamen Spielzeitstart.

Veranstalter Günter vom Dorp führt selbst durchs bunte, mit Raritäten ausgiebig aufwartende Programm. Da besingt der Bariton Rafael Bruck mit makellosem Schönklang den Wein und die Liebe in der Arie des Hamlet aus der gleichnamigen Oper von Ambroise Thomas. Zuvor hatte Izabela Matula mit voluminösem, hochdramatischem Sopran in der Arie der Antonia aus "Hoffmanns Erzählungen" klargestellt, dass sie auf Mikrofon-Verstärkung gut hätte verzichten können! Eine besonders kräftige theatralische Note brachte zum Schluss der ersten Halbzeit das Duett von Matula und Bruck aus dem "Bajazzo" von Leoncavallo.

Auch Solocellist Raffaele Franchini sowie Konzertmeister Philipp Wenger bekamen Gelegenheit, die hochkarätigen solistischen Qualitäten herauszustellen, über die einzelne Mitglieder des Orchesters verfügen. Die Stimmung im Publikum erhielt nach der Pause einen besonderen Kick, als die Sinfoniker ins Musical- und Tangofach umsattelten. Dabei gab es famose Entdeckungen zu machen, etwa die "Valentino Dances" mit köstlichen Tango-Nummern des Amerikaners Dominick Argento, wofür eigens ein Bandoneon-Spieler integriert wurde.

Kütson genoss den Auftritt sichtlich, tänzelte auf dem Podest bei eleganten Swing-Phrasen und markanten Bläserattacken gern im Flow der Musik von Richard Rodgers, Stephen Sondheim und George Gershwin mit. Als der Schlussapplaus gar nicht verebben wollte, neckte der GMD das Publikum, indem er sich scheinbar Ohropax in die Ohren steckte. Damit konnte er das Erfordernis, zwei Zugaben zu spielen, freilich nicht umgehen.

Quelle: RP
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