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Mönchengladbach
SMS Group setzt bei Digitalisierung Maßstäbe

Mönchengladbach: SMS Group setzt bei Digitalisierung Maßstäbe
Das neue Test-Center von SMS ist am Ohlerkirchweg entstanden, ein niedriger einstelliger Millionenbetrag wurde dafür investiert. FOTO: SMS Group
Mönchengladbach. Mit einem neuen Test-Center, das sich vorher in Düsseldorf befunden hatte, wertet der größte industrielle Arbeitgeber den Standort auf. Speziell, was Forschung und Entwicklung angeht. Und auch in anderen Bereichen zeigt sich SMS aufgeschlossen für neue Entwicklungen. Von Jan Schnettler

Den Begriff "Flugsimulator für Stahlwerke" nennt Heinrich Weiss gerne, wenn er über die Testfelder der SMS Group spricht. Damit trifft der Inhaber des Anlagen- und Maschinenbauers den Nagel auf den Kopf: Es fühlt sich nämlich wirklich so an, als sitze man in einem nachgebauten Cockpit, hier, unweit des Wasserturms am Ohlerkirchweg. Nur dass man keinen Transatlantikflug nachempfindet, sondern etwa virtuelle Brammen (Vormaterial für Bleche und Bänder) hin- und herbewegt. "Wir schaffen hier einen digitalen Zwilling, an dem Kunden mittels 3D-Echtzeitsimulation an den Originalsteuerpulten die von uns zu liefernden Anlagen bereits testen können", sagt Harald Rackel, bei SMS Geschäftsführer mit Spezialgebiet Digitalisierung. Mehr noch: Kunden können sich auf diese Weise bereits mit in die Entwicklung ein- sowie Änderungswünsche vorbringen. "Wir bilden Mechanik, Antriebstechnik und Technologie der jeweiligen Kundenanlage individuell und realitätsnah ab", sagt Ralf Zettier, Arbeitsgebietsleiter Automatisierung Flachwalzen.

Das Test-Center, das in Gladbach neu eingerichtet wurde, hatte sich vorher in angemieteten Räumen in Düsseldorf befunden und wertet speziell, was Forschung und Entwicklung angeht, den Standort Mönchengladbach deutlich auf. Einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag habe man dafür investiert, sagt Rackel. Rund 30 Mitarbeiter arbeiten fest im Test-Center, dazu kommen projektbezogen weitere. Mit als erster Kunde hat jetzt ein weißrussisches Unternehmen das Testfeld genutzt. In seinem künftigen Werk an der litauischen Grenze wird Stahlband für Konservenbüchsen hergestellt werden. Zwei Drittel der üblichen Inbetriebnahmezeiten könne man durch die vorherigen Arbeiten im Testfeld einsparen, das habe zuletzt das Beispiel Big River Steel gezeigt, sagt Rackel. Dort, im US-Bundesstaat Arkansas, ging zu Beginn des Jahres das wohl modernste Stahlwerk der USA an den Start - komplett auf Grundlage der SMS-Group-Technologie konzipiert. Doch es würden nicht "nur" Zeit und damit Geld gespart. "Es motiviert die Mitarbeiter des Kunden auch ungemein, wenn sie an der Entwicklung ihrer Anlage direkt beteiligt sind", sagt Rackel.

Der Maschinenpark wurde seit 2010 runderneuert, eine neue Halle entstand, 60 Millionen Euro wurden verbaut. FOTO: SMS Group

Das Testfeld - das in absehbarer Zeit auch im Cyberspace mit Virtual-Reality-Brille begehbar werden soll - ist aber nur einer von vielen Schritten, den das Unternehmen, das in Gladbach noch immer mit dem Zusatz "Meer" bekannt ist, aktuell in Richtung Digitalisierung beschreitet. Man hat Softwarearchitekturen stärker als zuvor an den mechanischen Funktionseinheiten orientiert, und programmiert die Anlagen nach einem modularen Baukastenprinzip. "Wir passen die Softwarestrukturen zunehmend den Erfordernissen der Digitalisierung an", sagt Rackel. Das hieve nicht zuletzt Diagnose und statistische Auswertung auf ein ganz neues Level: "Früher musste man händisch im Code suchen, heute weiß man sofort genau, wo das Problem liegt." Bei Bedarf (und im Falle einer entsprechenden Freigabe) kann SMS sich mittlerweile von extern auf die Systeme der Kunden aufschalten, man kann das Verhalten neu entwickelter Werkstoffe simulieren, ganz neue Qualitäten in Sachen vorausschauender Wartung entwickeln. "Durch die Bereitstellung von Produktionsdaten sind wir in der Lage, Qualitäten von Brammen zu erhöhen, die Produktion zu steigern und die Verfügbarkeit zu erhöhen", erläutert Rackel. Immer mehr sei SMS dabei, die althergebrachte Käufer-Verkäufer-Struktur aufzubrechen. "Uns zeichnet aus, dass wir partnerschaftlich vorgehen", sagt Sprecher Thilo Sagermann. Immer mehr gehe das Geschäftsmodell dahin, dass Kunden etwa für die eigentliche Software gar nichts mehr bezahlen - für die damit verbundenen Mehrwerte in Form einer permanenten Betreuung aber sehr wohl.

Damit sind die Anstrengungen in Sachen Digitalisierung - und auch die Aufwertung des Standorts - aber noch lange nicht abgeschlossen. Im Frühjahr wird eine neue Anlage vorgestellt, um 3D-Druck für Metall zu realisieren. Auch in die eigentliche Fertigung des größten industriellen Arbeitgebers in der Stadt ist massiv investiert worden. Der Maschinenpark wurde seit 2010 runderneuert, eine neue Halle entstand, 60 Millionen Euro wurden verbaut. Und auch auf anderem Gebiet zeigt sich SMS mehr als nur aufgeschlossen für neue Entwicklungen: Im SMS-Businesspark ist "Westend MG" entstanden, ein Start-up-Center unter Leitung von André Rahmen.

Ralf Zettier, Arbeitsgebietsleiter Automatisierung Flachwalzen (l.), und Harald Rackel, Geschäftsführer mit Spezialgebiet Digitalisierung, zeigen die Bedienelemente des neuen Testfelds. FOTO: Detlef Ilgner
Quelle: RP
 
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