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Mönchengladbach
So digital ist das Rathaus

Mönchengladbach: So digital ist das Rathaus
FOTO: Andreas Gruhn
Mönchengladbach. Die digitale Verwaltung ist in Gladbach ausbaufähig. Wo andere Städte Online-Überweisung und Print-At-Home anbieten, wird in Mönchengladbach noch mit Verrechnungsscheck und Telefax gearbeitet. Von Andreas Gruhn

Der Neustart erfolgte vor gut einem Monat: Die Internetseite der Stadt sah plötzlich ganz anders aus. Die Seite www.moenchengladbach.de ist nach dem Umbau schlichter, moderner als die Vorgängerversion. Und sie passt sich dem Gerät des Benutzers automatisch an, das Webdesign ist also responsiv - absolute Pflicht. Bei dem Neustart handelt es sich um eine Renovierungsaktion, nicht aber um eine digitale Kernsanierung. Denn darüber, wie digital ein Rathaus ist, entscheiden die Dienstleistungen und Dinge, die der Bürger online erledigen kann und dafür den Gang zum Amt spart. Da kann Gladbach von anderen Städten lernen, und soll es auch, wie der Rat auf Antrag der Großen Koalition im vergangenen September beschlossen hat. Das Konzept zur Stärkung der digitalen Stadtverwaltung wird derzeit erarbeitet. Und könnte zum Beispiel Folgendes beinhalten:

Bürgerservice Wer einen neuen Personalausweis braucht, muss zum Amt. Das ändert sich auch in Zukunft vorerst nicht. Wer das neue Dokument inklusive elektronischer Identifikation (eID) hat, kann andernorts damit bereits viele Behördengänge digital erledigen. In Aachen etwa können Meldebescheinigungen, Aufenthaltsbescheinigungen, der Aachen-Pass, Ehrenamts-Pass, Mülltonnen, Sperrmüllabfuhr und vieles mehr mit dem Online-Ausweis geregelt werden. Für alles andere werden im Internet Termine vergeben. So entfällt die Wartezeit. In Gladbach ist so gut wie keine Dienstleistung des Bürgerservice online verfügbar. Gute Idee: In wenigen Wochen soll der Kunde online wie bei einem Paket verfolgen können, wie weit sein Personalausweis ist - und wann er abgeholt werden kann. Die Stadt ist übrigens beteiligt an der Modellregion NRW für den neuen Personalausweis. Unter Führung der Stadt Münster will auch Mönchengladbach Modelle entwickeln, wie der neue, elektronische Personalausweis sinnvoll eingesetzt werden kann. In Gladbach ist das allerdings noch stark ausbaufähig, wobei auch Düsseldorf nicht viel weiter ist.

Bewohnerparken Wiederum Aachen hat ein neues Verfahren eingeführt, mit dem Bürger ihren Bewohnerparkausweis online beantragen, bezahlen - und dann zu Hause ausdrucken können. Dazu braucht es sogar nicht einmal die eID-Funktion des Personalausweises. Wer in Mönchengladbach in den Quartieren Altstadt, Gründerzeitviertel West und Ost, Bethesda, Rheydt-A oder Rheydt-B wohnt, kann einen Anwohnerparkausweis beantragen, muss das aber im Fachbereich Verkehrslenkung (Hauptstraße) oder in der Meldestelle Stadtmitte tun.

Alles auf Anfang: Die neue Internetseite der Stadt ist viel schlichter, passt sich aber dem Gerät des Nutzers an und ist vor allem zeitgemäß. FOTO: angr

Hundesteuer In Krefeld können Hundehalter über eine Online-Eingabemaske Hunde an- oder abmelden. Der Rest wird per E-Mail und Überweisung erledigt. Hundehalter in Gladbach finden auf der Internetseite ein Word-Dokument, das am Computer ausgefüllt werden kann, aber ausgedruckt werden und per Telefax an den Fachbereich Steuern verschickt wird. Oder der Kunde muss zum Bürgerservice, etwa in die Bezirksverwaltungsstellen.

Urkundenbestellung Wer heiratet, braucht eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister. Das funktioniert in vielen Städten so, wie etwa in Bielefeld: Dort Geborene (die woanders leben) füllen einen Online-Antrag aus, bezahlen per Online-Überweisung, und erhalten das Dokument wenige Tage später per Post. Gebürtige Gladbacher, die andernorts heiraten, müssen dazu ein Formular (gibt's im Internet) ausfüllen, den Ausdruck per Post verschicken inklusive Verrechnungsscheck oder Bargeld und ausreichend frankiertem und adressiertem Rückumschlag. Das ist schon sehr altbacken.

Beschwerden Städte wie Kaarst und Neuss haben eine Mängelmelder-App entwickelt. Darüber können Bürger per Smartphone Beschwerden über Müll, dreckige Stellen bis zum schlecht geschnittenen Rasen im Stadtgrün mitteilen. Wird gut angenommen, gibt's in Gladbach nicht.

Stadtbibliothek Dass die Bürger digitale Angebote sehr schätzen, zeigt die Stadtbibliothek. Sie bietet das beste Online-Angebot im gesamten Stadtkonzern. Praktisch alles kann im Internet erledigt werden, eBooks, Hörbücher geliehen, Zeitungen und Magazine gelesen werden. Das ist vorbildlich, andere Städte bieten da nicht mehr als einen Online-Katalog. "Das Angebot wird sehr gut genutzt", sagt Fachbereichsleiter Guido Weyer. "Insgesamt etwa zehn Prozent der Ausleihen erfolgen mittlerweile online." Die Zugriffe in der "Onleihe" stiegen 2015 um 24 Prozent auf 101.000.

Kitas Gladbach hat wie in NRW üblich einen Kita-Navigator. Dort suchen und finden Eltern den Kita-Platz fürs Kind und können sich vormerken lassen. Absolut zeitgemäß.

Auto Wunschkennzeichen reservieren, Auto zulassen, ummelden, außer Betrieb setzen und Ähnliches geht beim Straßenverkehrsamt bis zu einem gewissen Punkt online, dann gibt's einen Termin für den Besuch beim Straßenverkehrsamt an der Rheinstraße. Ohne geht's noch nicht, aber die Wartezeit ist bei diesem Verfahren minimiert. Das nutzten 2015 rund 10.100 Kunden.

Quelle: RP
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