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Mönchengladbach
So handeln Unternehmer verantwortlich

Mönchengladbach. Das neue CSR-Kompetenzzentrum Textil & Bekleidung hat gestern seine Arbeit aufgenommen. Von Angela Rietdorf

"Ich habe es bei meinen ersten Besuchen in China nach langem Nachfragen geschafft, die Fabriken der Subunternehmer zu besuchen", berichtet Daniel Hopp, Geschäftsführer der Hopp KG. "Und nach acht Besuchen, bei denen alles in Ordnung schien, stand ich plötzlich in einer Fabrik, wo das Durchschnittsalter der Arbeiter bei zehn Jahren lag." Der Unternehmer, der selbst einen kleinen Sohn hat, war geschockt. Fortan kümmerte er sich gezielter um das Thema soziale Verantwortung in Unternehmen (englisch abgekürzt: CSR). Von seinen Erfahrungen berichtete Hopp nun bei der Auftaktveranstaltung des neuen CSR-Kompetenzzentrums Niederrhein Textil & Bekleidung.

Die Einrichtung ist eine Kooperation verschiedener Projektpartner. Unter anderem gehören die Wirtschaftsförderung, die für die Organisation zuständig ist, und die Hochschule Niederrhein, die sich mit Fragen von Wirtschaftsethik und Nachhaltigkeit beschäftigt, dazu. Gefördert wird das Kompetenzzentrum über das Land NRW von der EU. Die Zielsetzung ist pragmatisch: Kleine und mittelständische Unternehmen sollen die Möglichkeit haben, sich über das komplexe Thema der sozialen Verantwortung, der damit verbundenen Auflagen und Siegel sowie der entsprechenden Standards zu informieren. "Die Kompetenzzentren sollen das Know-how vermitteln, das für verantwortliches Handeln nötig ist", sagte Katharina Schwalm-Schäfer vom NRW-Wirtschaftsministerium. Deswegen planen die Projektpartner praxisorientierte Workshops zu Themen wie der gesetzlich vorgeschriebenen Nachhaltigkeitsberichterstattung und deren Auswirkungen auf die textile Lieferkette.

Es ist der pragmatische Ansatz, der einen Erfolg des Kompetenzzentrums wahrscheinlich macht. Die Frage nach der sozialen Verantwortung der Unternehmer ist nämlich durchaus umstritten. "CSR ist ein hochsensibles Thema, zu dem es sehr dogmatische Standpunkte gibt", stellte Detlef Braun von der Branchen-Initiative Zitex NRW fest. "Aber dieses Projekt möchte sich aus der dogmatischen Diskussion herausziehen." Denn egal, wie ein Unternehmer zu dem Thema steht, ignorieren kann er es eigentlich nicht mehr. Die Frage, ob CSR nötig sei, stelle sich nicht mehr, betonte deshalb Roger Brandts, Geschäftsführer des Modeunternehmens Fynch-Hatton. "Selbstverständlich übernimmt ein Unternehmer Verantwortung für das, was er tut."

Schwierig jedoch ist es, den Überblick über Standards und Vorgaben zu behalten sowie Entwicklungen in der Gesetzgebung zu verfolgen und nachzuvollziehen. Hier setzt das Kompetenzzentrum an. Dass Gladbach den Zuschlag dafür bekam, freut alle Beteiligten. "Die Textilbranche ist eine Leitbranche für Gladbach", sagte David Bongartz von der WFMG. Dezernent Gert Fischer sattelte noch eins drauf: "Wir wollen wieder Textilhauptstadt Deutschlands sein, so wie früher."

Quelle: RP
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