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Mönchengladbach
So schaffen Arbeiterkinder das Studium

Mönchengladbach. Die Initiative ArbeiterKind.de unterstützt Schüler aus Nichtakademiker-Familien bei der Aufnahme eines Studiums. Die Gladbacher Ortsgruppe feiert heute ihr "Einjähriges" mit einem Stammtisch. Von Gözde Macit

Der Vater ist Bäckermeister, die Mutter Hausfrau. Und beide sind sich einig. "Ein Studium ist nichts für dich. Erlerne einen Beruf, verdiene dein eigenes Geld, gründe eine Familie", raten sie Monika Najemnik. Die damals junge Frau folgt: Sie macht eine Ausbildung. Dann aber wird der Wunsch nach einem Studium zu groß: Inzwischen studiert die 48-Jährige Soziale Arbeit an der Hochschule Niederrhein. Dass es Arbeiterkinder schwerer haben, wenn sie nach dem Abitur studieren, weiß Najemnik. Und heute hilft sie ihnen beim Start in eine akademische Ausbildung.

Haben es Kinder von Nichtakademikern schwieriger, wenn sie ihr Studium beginnen? Die ehemaligen Studenten Katja Urbatsch und ihr Bruder stellten sich diese Frage und gründete eine Initiative für Betroffene: ArbeiterKind.de. "Mein Bruder und ich sind selbst die Ersten in unserer Familie, die studiert haben. Daher kenne ich die Fragen und Probleme von Studierenden der ersten Generation", so Katja Urbatsch. Ob Schülerinnen und Schüler nach dem Abitur ein Studium beginnen oder nicht, hängt in hohem Maße vom Bildungsniveau des Elternhauses ab. Trotz bildungspolitischer Bemühungen sind Studierende nichtakademischer Herkunft an Hochschulen deutlich unterrepräsentiert. Die Initiative unterstützt seit 2008 mit rund 6000 ehrenamtlichen Mentoren in 75 lokalen Gruppen Schüler aus Nichtakademikerfamilien bei der Aufnahme eines Hochschulstudiums.

Die Ortsgruppe ArbeiterKind.de Mönchengladbach wurde vor einem Jahr von den Ehrenamtlern Monika Najemnik (48), Selim Ercins (23), beide Studenten der Sozialen Arbeit an der Hochschule, und Nadiya Yuvarlak (28) ins Leben gerufen. Seit der Gründung informierten die freiwilligen Mitarbeiter rund 260 Studierende, Eltern und Schüler/innen zum Beispiel bei Studienorientierung und Studienfinanzierung. Bei Schul- und Hochschulveranstaltungen warben sie an Ständen für ArbeiterKind.de. Außerdem gab es monatliche Stammtische.

"Wir helfen den Betroffenen in allen Bereichen. Sei es bei der Erstellung des Stundenplans oder beim Ausfüllen der BaFöG-Unterlagen", sagen Selim Ercins und Monika Najemnik. Sie wollen ihren Erfolg zukünftig weiter ausbauen und planen eine Teilnahme an der "Runder-Tisch-Beratung" und Vorträge in Vorlesungen der Hochschule Niederrhein. Ein Präsentationsstand am Hochschultag im Berufskolleg für Technik und Medien ist ebenfalls geplant - auch, um weitere freiwillige Mentoren zu interessieren.

Am heutigen Freitag, 18 bis 20 Uhr, Brauerei Hensen, Untere Straße 133, veranstaltet ArbeiterKind.de Mönchengladbach einen Jubiläumsstammtisch. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.arbeiterkind.de/gruppen und unter Telefon 030 679 672 750.

Quelle: RP
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