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Mönchengladbach
So schön ist das Leben im Gründerzeitviertel

Mönchengladbach: So schön ist das Leben im Gründerzeitviertel
Monika Hintsches engagiert sich bei der Initiative Gründerzeitviertel. Besonders stolz ist man dort auf den umgestalteten Schillerplatz, der auch das Zentrum des Viertels darstellt. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Ein Spaziergang auf der Kaiserstraße nahe des Adenauerplatzes: Der Besucher trifft auf wunderschöne Gründerzeit- und Jugendstilhäuser, verziert mit kunstvollem Stuck und nette Restaurants. Von Lena Köhnlein

"So sieht es hier nicht überall aus", sagt Monika Hintsches, erste Vorsitzende der Initiative Gründerzeitviertel. Geht man in Richtung Eickener Straße werden die prachtvollen Bauten immer kleiner.

Und genau diese sozialen Unterschiede machen das Viertel auch aus. "Hier leben die verschiedensten Menschen." Studenten, Künstler, alteingesessene Mönchengladbacher, Reiche und Arme, sowie Menschen aus unterschiedlichen Nationen.

An einer Ecke gibt es ein veganes Café, in der anderen hat ein Künstler sein Atelier und präsentiert die bunten Bilder im Schaufenster. "Im Moment gibt es einen Aufschwung hier, ich habe das Gefühl, man hat Mönchengladbach wiederentdeckt."

Mönchengladbach hat sich lange mit Düsseldorf verglichen

Die 56-Jährige wuchs in der Stadt auf, 2002 kaufte sie sich ein Haus im Gründerzeitviertel. Man sagte ihr, sie sei verrückt, das Haus bekomme sie nie wieder los. Das Viertel hatte eher einen schlechten Ruf. Heute würden die Leute zu ihr sagen, "Ach wie schön! Du wohnst dort?", erzählt sie. Woher dieser Sinneswandel? "Ich glaube das Selbstbewusstsein der Leute, die dort leben, hat sich verändert und davon hängt ein Viertel auch ab."

Lange Zeit habe man sich außerdem mit der Landeshauptstadt verglichen, dabei hätte Mönchengladbach das gar nicht nötig und selbst viele schöne Ecken. Eine davon ist der Schillerplatz. Auf ihn sei die Initiative besonders stolz.

Der Umbau war ein langer Prozess. In Workshops mit Anwohnern wurde darüber gesprochen, wie er aussehen könnte. Dort sollten die Bürger einen Platz haben, auf dem sie sich gerne treffen, der ihnen gehört, erzählt Hintsches. Das sei auch geglückt. Gut kann sie sich etwa noch daran erinnern als im Sommer das Restaurant Zorbas mehrere Wochen geschlossen hatte. Die Anwohner haben sich über Facebook verabredet und auf dem Schillerplatz gemeinsam mitgebrachten Kartoffelsalat gegessen.

Beim Rundgang durch das Viertel fällt auf, dass sich zwischen alte Häuser auch moderne geschmuggelt haben, etwa auf der Schillerstraße. Dort steht neben einem Altbau ein modernes rotes Haus. "Es fügt sich ins Gesamtbild ein", sagt Hintsches. "Es ist wichtig, auf die passende Dachgeschosshöhe oder den Stil zu achten. Wenn wir uns im Rahmen von Bebauungsdiskussionen zu Wort melden, haben wir den Eindruck von der Stadt gehört zu werden", sagt sie. Ein weiteres architektonisches Merkmal im Viertel sind die geraden Straßen. "Es gibt hier kaum welche, die krumm verlaufen." Denn das Viertel wurde während der Gründerzeit strikt nach Plan gebaut.

Müllplatz soll zu neuem Treffpunkt werden

Vor einer kargen Ecke auf der Kaiserstraße, Ecke Sittardstraße bleibt Hintsches stehen. "Auf diesem Platz stand früher nur Gestrüpp." Dann hätten die Anwohner den Müll eingesammelt, darunter lagen viele leere Bierflaschen und sogar Spritzen. Bürger und der Verein haben sich dafür stark gemacht, dass der Ort ein anderes Gesicht erhält. In der nächsten Zeit soll dort ein kleiner Platz entstehen. Angst soll man hier nicht mehr haben, viel mehr soll es ein neuer Treffpunkt werden.

Warum Monika Hintsches hier niemals wegziehen möchte? "Wegen der Mischung der Menschen, weil ich alles Nötige in der Nähe erreichen kann und wegen des besonderen bunten Flairs. Man kennt und trifft sich hier", sagt sie. Auch für die ältere Generation sei das wichtig. Mit einer Szene-Ecke möchte Sie das Gründerzeitviertel trotzdem nicht verglichen wissen: "Wer meint, er kommt im Gründerzeitviertel auf den 'Prenzlauer Berg light', der ist hier verkehrt."

Das ist auch an den Mietpreisen sichtbar: Denn die sind laut Hintsches nicht gestiegen, ob das so bleiben wird, weiß sie allerdings nicht. "Wir versuchen mit unserem Verein, auch gegen die Gentrifizierung zu arbeiten, aber ich weiß nicht, ob man das wirklich aufhalten kann".

Quelle: RP
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